Lolli-Drama

Lollitests und Co.: So holpert der Schulstart in München

Einfach zu handhaben für die Kinder, jede Menge Aufwand für die Lehrer: Der Schulstart mit den „Corona-Lolli-Tests“ verlief holprig.
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Einfach zu handhaben für die Kinder, jede Menge Aufwand für die Lehrer: Der Schulstart mit den „Corona-Lolli-Tests“ verlief holprig.

Holperstart beim Corona-Test zum Schulbeginn: Nicht in jeder Münchner Schule klappte der Test zum Lutschen - Der kostet in der Praxis zudem Zeit und Nerven.

  • Zum Schulbeginn holperte es in München.
  • Vor allem der neue Corona-Test an Schulen bereitete Probleme.
  • In der Praxis klappt der Lollitest noch nicht so ganz.

Die Barcodes fehlen, die Software streikt und die Einverständniserklärung vieler Eltern fehlt: Im neuen Schuljahr sollen sich Münchner Schüler der ersten bis vierten Klasse zweimal pro Woche vor dem Unterricht im Klassenzimmer mit dem Corona-Test-„Lolli“ selbst testen. Doch in der Praxis hakt es, nur an wenigen Münchner Schulen klappte das.

Martin Schmid, Vorsitzender vom Münchner Lehrer- und Lehrerinnenverband, erklärt verärgert: „Erst zwei Tage vor Schulbeginn wurde das neue Testverfahren vom Ministerium mitgeteilt, wiedermal alle Verantwortung auf Schulen und Lehrer abgewälzt, die es richten müssen.“

Konstanze von Unold vom Grundschulverband Bayern bestätigt: „Für Schulleitungen waren die wenigen Tage zur Einführung zu kurz, so dass sie noch nicht mit den Lolli-Tests anfangen konnten.“

Der kostet in der Praxis zudem Zeit und Nerven: vor Unterrichtsbeginn müssen die Barcodes von der Lehrkraft auf Glasampullen aufgeklebt werden. Dann muss sie die Lollis austeilen, die Testung durchführen, die Lollis einsammeln, die Tests korrekt mit Zweitprobe zuordnen und den Datensatz schließlich händisch eingeben.

So funktioniert der Lollitest.

Martin Schmid: „Das dauert eine Schulstunde und dann lassen sich nach der umständlichen Eingabe die Daten nicht hochladen. Da hapert’s mit der Digitalisierung!“

Lollitest mit Holperstart - So lief der Schulstart in München mit dem Corona-Test

Bei Grundschuldirektor Dr. Michael Hoderlein-Rein in Berg am Laim fehlte zudem die Häfte der Lieferung: „Wir haben die Lolli-Tests und die Glasröhrchen geliefert bekommen. Doch die Barcodes, die zur Erfassung nötig sind, sind in der Post hängengeblieben.“

Ein Fünftel seiner Elternschaft hat auch noch keine Einverständniserklärungen abgegeben: „Wir haben neun Seiten Ministeriums-Anschreiben kopiert, den Schülern am ersten Schultag mitgeben. Der Sprachstil ist umständlich, es gibt Sprachbarrieren. Täglich telefonieren die Kollegen, klären Eltern auf.“ Dr. Hoderlein-Rein: „Der erste Elternabend hat sich nur um das Thema gedreht.“

Grundschuldirektor Dr. Michael Hoderlein-Rein

Wurden dann, organisiert vom Referat für Bildung und Sport, die Tests an Labore gegeben, heißt es warten. Hoderlein-Rein: „Um 19 Uhr am Testtag und 6 Uhr am folgenden Morgen muss ich die Ergebnisse im Portal prüfen, Kollegium und Eltern informieren, gegebenenfalls Kinder in Quarantäne schicken.“

So wichtig der PCR-Test bei steigenden Infektionszahlen ist – der Mehraufwand belastet. Ihre Kräfte würden Pädagogen lieber in den Unterricht investieren. Dr. Hoderlein-Rein: „Der Dis­tanz- und Wechselunterricht hat große Lücken hinterlassen, die müssen wir aufholen.“

Anm. der Red: Bei Redaktionsschluss funktionierte der Lolli-Test bei über 50 Prozent der Schulen bayernweit.

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