Palais an Schubertstraße verfällt

Zerstörung von Villa mit System? – BA und Anwohner fordern die Stadt München zum Handeln auf

Seit etwa vier Jahren ist die Villa an der Schubertstraße 8 in unverändertem baufälligen Zustand
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Seit etwa vier Jahren ist die Villa an der Schubertstraße 8 in unverändertem baufälligen Zustand

Auf den „desolaten Zustand“ der Villa an der Schubertstraße wurde in der Bürgerversammlung aufmerksam gemacht. Warum Nachbarn und BA  im Handeln der Bauherren „System zur Zerstörung“ sehen.

Ludwigvorstadt- Kaum Wohnraum, astronomische Mieten und ständige Nachverdichtung. Da wundert es Cornel Franz, dass die denkmalgeschützte Villa in seiner Nachbarschaft an der Schubertstraße 8 seit 2009 leer steht.

„Das war mal ein wunderschönes Wohnhaus, aber jetzt könnte die Stadt bald einen Zoo daraus machen“, bemerkt Franz, der das Thema bei der Bürgerversammlung vortrug. Tauben und andere Tiere würden bereits darin wohnen.

Die Lokalbaukommission (LBK) „kann nicht ernsthaft behaupten, dass der aktuelle Bauherr – Gerüchten zufolge ein kroatischer Internetbänker – noch eine Bauabsicht verfolgt“, so Franz. Laut Antwortschreiben der LBK geht sie aber davon aus, dass „unzweifelhaft eine Bauabsicht besteht“. Das 1895 errichtete Palais sei absichtlich dem Verfall ausgesetzt, so Franz’ Befürchtung.

Ähnlich denkt der Unterausschuss (UA) Planen und Bauen des BA wie aus einem interfraktionellen Antrag – der Hallo vorliegt – ersichtlich wird. Dieser soll am Dienstag, 12. Oktober, debattiert werden.

Die Planen, die das Dach vor der Witterung schützen sollten, wurden teils vom Wind abgerissen.

Der Vorsitzende des UA, Martin Ruckert (CSU), sieht in dem Vorgehen der Bauherren einen systematischen „Verzögerungsversuch“, um so „die völlige Zerstörung des Denkmals, seinen Abriss und Ersatz durch einen Neubau“ zu erzielen.

Der UA fordert die Stadt auf, „alle Mittel einzusetzen, damit das Gebäude baldmöglichst in einen bewohnbaren Zustand“ kommt. Weiter verlangt Ruckert, „den Eigentümer mit Fristsetzung und Zwangsgeld-Androhung“ aufzufordern, das Gebäude „noch vor Wintereinbruch abzudichten“.

Die Baugeschichte gleicht einer Odyssee: Ein erster Bauantrag ging bei der LBK 2009 ein. Daran gearbeitet wurde erstmals 2015. Die Stadtverwaltung ordnete jedoch einen Baustopp an und verhängte Zwangsgeldvollstreckungen in fünfstelliger Höhe wegen planabweichender Tätigkeiten an.

Cornel Franz wohnt gegenüber der herrschaftlichen Villa an der Schubertstraße und beobachtet deren jahrelangen Zerfall.

Die aktuelle Genehmigung habe die LBK wieder zurückgezogen, weil sie auf eine Zahlung seitens des Bauherren warte, um künftigen Baustellenfahrzeugen das Parken zu ermöglichen. Jedoch verpflichte ein Baurecht nicht zum Bauen, wie Karolina Gampenrieder vom Planungsreferat sagt.

„Ein Einschreiten seitens der LBK wäre nur dann erforderlich, wenn das Gebäude nicht verkehrssicher wäre, was nach Kenntnis der LBK jedoch nicht der Fall ist.“ Für den Erhalt des Hauses sei der Eigentümer zuständig.

Ob und inwieweit die Schäden die Denkmalwürdigkeit der Villa beeinträchtigen, konnte bis Redaktionsschluss nicht beantwortet werden. Zudem sei sie, laut LKB, ausreichend vor Nässe abgedichtet.

Die Fenster sind kaputt oder mit Pressspanplatten verschlagen.

Prachtvolle Villen, alte Höfe und Häuschen: In München stehen denkmalgeschützte Gebäude leer - teilweise mit ungewisser Zukunft. Was der aktuelle Stand ist, wann ein Gebäude ein Denkmal ist und warum Leerstand nicht das Todesurteil für ein Denkmal sein muss, erklären Experten in Hallo.

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