Wer zahlt die Reinigungskosten?

München: Zoff um Kosten für Schmierereien geht weiter – Mauer am Anna-Kircherl noch immer verschandelt

Die besprühte Mauer. Hinten das Annakircherl mit Friedhofsmauer, beide denkmalgeschützt.
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Die besprühte Mauer. Hinten das Annakircherl mit Friedhofsmauer, beide denkmalgeschützt.

Die Diskussionen über die Graffiti-Mauer vor dem St.-Anna-Kircherl nehmen kein Ende. Noch immer ist man sich nicht einig, wer für die Reinigungskosten aufkommt. BA will keinen Präzedenzfall schaffen.

Harlaching - Laut Pfarrei haben die 60er-Fans mit einem Graffito angefangen. „Dann schmierten die Bayern drüber, mittlerweile ist es die fünfte oder sechste Schicht“, sagt Anton Hagl vom Pfarrverband Harlaching.

Zu seinem Verwaltungsgebiet gehört das alte denkmalgeschützte St.-Anna-Kircherl am Harlachinger Berg. Davor steht eine Mauer mit Graffiti – und über diese diskutiert der BA Untergiesing-Harlaching nun bereits in der x-ten Runde (Hallo berichtete).

Aktuell geht es um das Geld für die Entfernung der Sprüherei und einen Mauerbelag, der zukünftiges Saubermachen erleichtern könnte.

Bei der jüngsten Sitzung lag dem Gremium ein Budgetantrag des Pfarrverbands über 6210 Euro Reinigungskosten vor. Der BA vertagte die Entscheidung in die nächste Unterausschuss- und Vollsitzung – der Sachverhalt sei zu komplex.

BA will keinen Präzedenzfall schaffen

Denn viele Lokalpolitiker sehen eine Kostenbeteiligung kritisch: „Wenn wir einmal die Reinigung von Privateigentum übernehmen, dann könnte das ein Präzedenzfall werden“, sagt Melly Kieweg (parteilos).

Maximilian Scherer (Grüne) gibt ihr recht: „Wenn nach der Reinigung wieder einer draufschmiert, dann soll am Ende erneut der BA zahlen.“ Helga Hügenell (SPD) wies bei der BA-Sitzung darauf hin, dass die Stadt bei Graffiti an Privateigentum bisher stets abgelehnt habe, für die Reinigungskosten aufzukommen.

In wessen Eigentum sich die Mauer befindet, ist noch umstritten. „Früher hieß es, sie gehöre der Stadt, dann hieß es, sie gehöre zu einem daneben liegenden Privatgrundstück an der Lindenstraße“, erklärt Ferdinand Brinkmöller (CSU), zweiter stellvertretender BA-Vorsitzender.

Er wünscht sich, die Stadt würde die Grundstücke noch mal genau vermessen und dann feststellen, auf wessen Terrain die besprühte Mauer liegt.

Ferdinand Brinkmöller (CSU), zweiter stellvertretender BA-Vorsitzender, wünscht sich, dass die Stadt klärt, in wessen Eigentum sich die Mauer befindet.

Dass die Kosten für Graffiti-Entfernung und Neubeschichtung der Steine so hoch sind, liegt an deren Beschaffenheit. Laut Landesamt für Denkmalpflege handelt es sich um „Mischmauerwerk, das vor allem aus Kalktuff und zu geringeren Teilen auch aus Granit und Nagelfluh besteht“. +

Ist der Nagelfluh starker Witterung ausgesetzt, können Teile herausfallen. „Die so entstehenden Löcher und Vertiefungen von Schmutz oder Farbe zu befreien, kann sehr zeit- und materialaufwändig sein.“

Die Graffitimauer, einst Teil eines abgetragenen Schlösschens, steht im Gegensatz zu Annakircherl und Friedhofsumrandung nicht unter Denkmalschutz. BA und Pfarrverband wollen die Graffiti aus optischen Gründen weg haben.

Sebastian Weber, Fanbeauftrater des TSV 1860, hat Verständnis: „Am besten das Fanprojekt München spricht mal mit den Anhängern beider Vereine und bittet sie, die Mauer von Graffiti zu verschonen.“

hil

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