Langjähriger Bewohner erhält Kündigung

München: Mieter muss nach 18 Jahren raus – Spekulation statt Eigenbedarf?

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Ein Mieter aus der Maxvorstadt wurde wegen Eigenebedarfs gekündigt. Dagegen kämpft er nun.

Rauswurf wegen Spekulation? Mieter wird nach 18 Jahren wegen Eigenbedarfs gekündigt – der vermutet jedoch andere Gründe.

  • Ein Mieter aus der Maxvorstadt hat nach 18 Jahren die Kündigung erhalten.
  • Die Begründung lautet Eigenbedarf.
  • Der Bewohner vermutet allerdings, dass Immobilienspekulation dahinter steckt.

MAXVORSTADT Seit 18 Jahren lebt Roland F. in seiner 28 Quadratmeter Wohnung in der Maxvorstadt. Jetzt droht ihm der Auszug: Im März 2020 wurde seine Wohnung verkauft. Prompt folgte die Kündigung wegen Eigenbedarfs. Schlimm genug. Doch der 53-Jährige hat einen bösen Verdacht: Der Eigenbedarf soll bloß vorgeschoben sein. Der neue Käufer habe die Wohnung weder vor noch nach dem Kauf sehen wollen – obwohl er Immobilienmakler bei einem Münchner Geldinstitut sei. Noch dazu habe die Wohnung zum Kaufzeitpunkt und bis heute einen Wassereintritts-Schaden mit abgebröckeltem Putz am Fenster. „Das war dem Käufer bekannt. Trotzdem hat er sich das nicht angesehen.“ F. ärgert sich: „Dass er selber einziehen will, kann er seiner Großmutter erzählen“. Er befürchtet, dass der neue Käufer lediglich zum Schein einzieht und die Wohnung danach teuer vermietet oder gewinnbringend weiterverkauft – womöglich sogar für seinen Arbeitgeber.

Mieter muss nach 18 Jahren raus – Spekulation statt Eigenbedarf?

Auf Hallo-Nachfrage erklärt Beatrix Zurek vom Mieterverein München: „Wenn man feststellt, dass der Vermieter die Wohnung bereits für einen teureren Preis vermieten oder verkaufen will, ist es eindeutig, dass es sich um einen vorgeschobenen Eigenbedarf handelt.“ Sei das nicht der Fall, hätten Mieter nur die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Das hat F. getan und begründet es mitunter durch gesundheitliche Probleme. „Als Gründe gelten aber nur schwere Erkrankungen oder sehr hohes Alter“, erklärt Zurek. Oder: Wenn der Mieter nachweislich, obwohl er alles unternommen hat, absolut keine Wohnung finde.

Roland F. wohnt seit 18 Jahren in der Maxvorstadt. Jetzt droht ihm der Rauswurf.

Maxvorstadt: Rauswurf nach 18 Jahren - Mieter plant in Berufung zu gehen

Zurek erklärt, welche Option ihm außerdem noch bleibt: „Wenn sich herausstellt, dass die Wohnung nach dem Auszug der Mieter verkauft wurde, liegt es natürlich nahe, dass das bereits von Anfang an geplant war.“ Dann könne man immerhin Schadenersatz verlangen. „Allerdings kann der Vermieter immer behaupten, dass sich die Umstände ganz plötzlich geändert haben.“

Fälle, in denen Geldinstitute Strohmänner vorschieben, seien dem Mieterverein übrigens nicht bekannt.

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