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Kontroverses Theaterstück in München nun endgültig Geschichte ‒ Metropoltheater nimmt „Vögel“ vom Spielplan

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Von: Kristina Beck

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Leerer Zuschauersaal im Theater.
Nach monatelangem Diskurs um die Aufführung des Theaterstücks „Vögel“ hat das Metropoltheater das Theaterstück nicht wieder aufnehmen. (Symbolbild) © Jens Kalaene/dpa

Kürzungen oder Änderungen strengstens untersagt: Wegen Rechte-Unstimmigkeiten mit dem Verlag streicht das Metropoltheater in München die Wiederaufnahme von „Vögel“.

München / Freimann ‒ Noch vor einer Woche stand fest: Das Metropoltheater wolle das viel diskutierte Theaterstück „Vögel“ des kanadisch-libanesischen Autors Wajdi Mouawad wieder aufnehmen ‒ mit Begleitprogramm und unter Veränderung bestimmter Stellen zum Thema Holocaust.

Nun kommt die Kehrtwende. Jochen Schölch, Leiter des Metropoltheaters verkündet das Ende der Produktion „Vögel“ ‒ gerade eine Woche vor der Wiederaufnahme-Premiere am 26. März. Somit sind zwölf geplante Vorstellungen vom Tisch.

Wegen Rechte-Vorgaben: Metropol nimmt Theaterstück „Vögel“ aus dem Programm

Der Grund der Entscheidung: An diesem Wochenende habe die internationale Agentur, die die Weltrechte am Werk von Wajdi Mouawad vertritt, dem Verlag der Autoren, ein Verlag für Theaterstücke sowie Agentur für Film-, Fernseh- und Hörspielautoren im deutschsprachigen Raum, ein Schreiben geschickt, „demzufolge aufgrund der Ausnahmesituation, in der sich die Aufführungen in München befinden, Kürzungen oder Änderungen jeglicher Art, auch kleinerer Art, in diesem besonderen Fall nicht erlaubt und daher strengstens untersagt werden“.

Laut dem Schreiben dürfte das Stück nur aufgeführt werden, wenn der Text Wajdi Mouawads in seiner Gesamtheit auf die Bühne gebracht würde, damit das Stück „durch ungerechtfertigte Antisemitismusvorwürfe und eine aufgeheizte Debatte in München nicht weiter beschädigt wird“, zitiert Schölch eine Passage aus dem Schreiben.

Theaterstück „Vögel“ am Metropoltheater in München: Verlagsanforderungen „in keinster Weise leistbar“

Gegen diese Forderung wehrt sich der Theaterleiter deutlich: „Das Stück jedoch ungekürzt zu spielen, würde für uns dem Aufwand einer Neuproduktion gleichkommen, daher ist diese Vorgabe der Rechteinhaber von uns in keinster Weise leistbar.“

Der Schritt scheint dem Theater nicht leicht zu fallen: „Wir haben es für unbedingt nötig erachtet, unsere Aufführung wieder zu spielen, deshalb bedauern wir diese Entwicklung zutiefst, sehen uns aber unter diesen Umständen gezwungen, die Produktion vom Spielplan zu nehmen.“

Das Theaterstück war im November abgesetzt worden. Die Jüdische Studierendenunion Deutschland und der Verband jüdischer Studenten in Bayern hatten kritisiert, „Vögel“ mache Holocaust-Relativierung sowie israelbezogenen Antisemitismus salonfähig.

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