Aktuell gedopt, später „ausfallgefährdet“?

Münchner Mittelstand zieht Corona-Bilanz ‒ Sind die Insolvenzen nur verschoben?

Schild mit Räumungsverkauf in Schaufenster.
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Wenn „marktwirtschaftliche Grundsätze“ wieder in Kraft treten, drohen mehr Insolvenzen.

Der Münchner Mittelstand kommt durch Corona-Hilfen wieder auf die Beine und verzeichnet mehr Umsätze. Doch die Insolvenzen könnten nur verschoben sein.

  • Der Mittelstand in München verzeichnet wieder mehr Umsätze.
  • Die Corona-Hilfen „dopen“ die Unternehmen.
  • Sind die Insolvenzen nur in die Zukunft verschoben?

Der Münchner Mittelstand ist durch die staatlichen Hilfsgelder, Überbrückungshilfen und dem Aussetzen der Insolvenzpflicht derzeit „gedopt“. Die Firmen kommen dadurch wieder einigermaßen in Tritt, viele verzeichnen im Vergleich zum Herbst 2020 steigende Umsätze.

Das ist das Ergebnis einer Studie des Auskunfts- und Inkassounternehmens Creditreform. Aber: „Die Last ist nur in die Zukunft verschoben und kommt irgendwann zum Tragen“, warnt der Leiter der Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch.

400 mittelständische Unternehmen mit bis zu 500 Mitarbeitern und bis zu 50 Millionen Euro Umsatz aus der Metropolregion München hat Creditreform befragt. Die Mehrheit blickt positiv in die Zukunft. „Das liegt daran, dass die Impfkampagne Fahrt aufgenommen hat und die Inzidenzen zurückgehen“, sagt Geschäftsführer Philipp Ganzmüller.

Philipp Ganzmüller.

Mittelstand verzeichnet dank Corona-Hilfen wieder mehr Umsätze - Sind Insolvenzen nur verschoben?

Fast 40 Prozent rechnen mit Umsatzsteigerungen im Laufe des Jahres, knapp die Hälfte geht von einer stabilen Entwicklung aus.

Das hat zur Folge, dass rund ein Viertel der Firmen Personal aufstocken und mehr als die Hälfte in neue Maschinen und Werkzeuge oder eine Erweiterung der Kapazitäten investieren will. „Das ist deutlich optimistischer als der Bundestrend“, sagt Ganzmüller.

Die Corona-Pandemie hat den Münchner Mittelstand auch gebeutelt

Etwa ein Drittel der hatte sinkende Erträge. Dennoch seien die meisten Unternehmen weiterhin in der Lage ihre Verbindlichkeiten zu bedienen und die Insolvenzen seien in München und dem Landkreis sogar auf einem historischen Tiefstand. „Das bildet die konjunkturelle Realität aber überhaupt nicht ab. Es gab einen massiven Eingriff in die Marktwirtschaft“, sagt Ganzmüller.

Er verweist auf die ausgesetzte Insolvenzpflicht und die staatlichen Hilfsgelder. „Wir müssen von steigenden Insolvenzzahlen ausgehen, weil es langsam zu einer Wiedereinführung der marktwirtschaftlichen Grundsätze kommt.“ Allerdings glauben er und Hantzsch nicht an einen sprunghaften Anstieg, sondern an eine „langgezogene Delle“ – sobald die Hilfen auslaufen.

Creditreform hält rund zwei Prozent der Münchner Unternehmen für „ausfallgefährdet“. Entscheidend für die weitere konjunkturelle Entwicklung sei die Impfkampagne.

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