Jubiläum

Seit 25 Jahren Partnerstädte: München und Harare - statt einer Feier gibt es eine Spendenaktion

Gelebte Stadtpartnerschaft: Auf vielfältige Weise engagieren sich Münchner in Harare - beispielsweise mit Schulprojekten oder Hilfslieferungen.
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Gelebte Stadtpartnerschaft: Auf vielfältige Weise engagieren sich Münchner in Harare - beispielsweise mit Schulprojekten oder Hilfslieferungen.

München und Harare feiern dieses Jahr 25-jähriges Jubiläum als Städtepartner. Statt einer Feier soll es eine Spendenaktion geben. Mehr dazu hier.

München - „Brücken schlagen zwischen Menschen verschiedener Kulturen“: Auf dieser Idee fußt die Städtepartnerschaft zwischen München und Harare – seit 25 Jahren.

Im April 1996 unterzeichnen die Bürgermeister der beiden Städte die Urkunde. Zu diesem Zeitpunkt hatte München bereits sechs Partnerstädte – doch keine aus einem Entwicklungsland. Die Wahl fiel auf die Hauptstadt von Simbabwe.

Für jeden sichtbar zeugen davon die Hararestraße in Trudering – in direkter Nachbarschaft der Straßen der weiteren Partnerstädte Kiew und Verona – und das Stadtwappen am Haupteingangstor des Rathauses.

Ob diese Verbindung aber vielen Münchnern bewusst ist? „In einer Millionenstadt ist eine Partnerschaft schwer zu vermitteln, da das kulturelle Angebot viel größer ist“, erklärt Robert Franck, Vorstand vom Verein „München für Harare“.

Panorama von Harare, der Hauptstadt von Simbabwe.

Da falle beispielsweise eine afrikanische Musikgruppe nicht so stark auf wie in einer Gemeinde. Andere Partnerstädte wie Verona seien präsenter – beispielsweise durch die Figur der Julia. Ein Geschenk der Italiener im Jahr 1974, das vor dem Alten Rathaus steht.

„Die Partnerschaft hat drei Säulen: den offiziellen Teil mit den gewählten politischen Vertretern sowie der Verwaltung, den bürgerschaftlichen Teil wie der Arbeitskreis ‚HaMuPa’ des Münchner Nord Süd Forums und den karitativen Teil in Form des Vereins ‚München für Harare’.“

Franck hat von Anfang die Städtepartnerschaft mitgestaltet: Bis 1999 organisierte er vier wechselseitige Jugendbegegnungen und brachte sich danach in einem Menschenrechtsprojekt ein.

Zum 20-jährigen Bestehen der Partnerschaft reiste Robert Franck (zweiter von links) nach Simbawe.

Die Partnerschaft durchlief verschiedene Phasen. „Statisch sind 25 Jahre nie“, erklärt der 60-Jährige. Besonders unter Präsident Robert Mugabe gab es Zeiten, in denen die politischen Verbindungen eingefroren wurden. Bürgermeister und Stadtrat wurden abgesetzt, es gab Menschenrechtsverletzungen, Wahlen waren weder frei noch fair.

Das bürgerschaftliche Engagement wurde hingegen verstärkt. Dabei werden bis heute Projekte einheimischer Nichtregierungsorganisationen unterstützt, wie Waisenkindern zu einem Schulabschluss zu verhelfen oder HIV-Aufklärungsarbeit zu betreiben. Die TU München engagiert sich seit 2005 mit dem Bau von Lehrer-Wohnhäusern und beim Thema Photovoltaik.

„Eine Städtepartnerschaft ist kein Auslaufmodell“, erklärt Robert Franck auf die Frage, ob sich deren Bedeutung über die Jahre verändert habe. Wichtig sei die Begegnung, Vorurteile abzubauen und die Vielfalt zu leben. „Ich habe tolle Menschen kennengelernt – in Harare und in München.“

Der Austausch wirke wie ein Brennglas, beispielsweise bei politischen Entwicklungen. „Ich habe dadurch mein Leben intensiver wahrgenommen.“

Münchner engagieren sich zum Beispiel mit Notfall-Hilfsmaterialien in Harare.

Eine Spendenaktion zum Jubiläum

Unter normalen Umständen hätte man das Jubiläum gefeiert, doch dann kam die Pandemie. „Eine Bürgerreise ist fast nicht denkbar, eventuell kurzfristig im Herbst“, erklärt Robert Franck von „München für Harare“ (www.muenchen-fuer-harare.de).

Auf YouTube wird ein Video veröffentlicht, in dem die Projekte vorgestellt werden. Diese sind in Gefahr: „Seit Corona sind die Spenden um über 50 Prozent zurückgegangen.“ Unter anderem durch Spendenboxen am Flughafen und Rathausturm werden die Projekte finanziert.

Doch Flugreisen sind stark zurückgegangen, der Turm ist gesperrt. „Auch andere Einnahmequellen sind weggebrochen, doch es bräuchte sogar mehr Geld als sonst.“ Denn: Die Versorgungskrise in Simbabwe spitzt sich durch Corona extrem zu.

Daher ruft der Verein im April zu einer Spendenaktion (Spendenkonto IBAN: DE44 7015 0000 0000 4595 45 BIC: SSKMDEMMXXX) auf. „Partnerschaft bedeutet auch, dem Partner unter die Arme zu greifen, wenn er in Not ist: Wir müssen jetzt handeln“, mahnt Hep Monatzeder, früherer Bürgermeister und Vereinsvorsitzender.

OB Dieter Reiter übernimmt die Schirmherrschaft für die Spendenaktion, an der sich die Stadt auch beteiligen möchte.

Sabina Kläsener

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