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Mutterschutz nach Fehlgeburten: Münchner Petition schon mit zehntausenden Unterstützern

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Von: Theresa Reich

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Frauen, die vor der 24. Schwangerschaftswoche ihr Kind verlieren, steht aktuell kein Mutterschutz zu. Natascha Sagorski will das mit ihrer Petition ändern.
Frauen, die vor der 24. Schwangerschaftswoche ihr Kind verlieren, steht aktuell kein Mutterschutz zu. Natascha Sagorski will das mit ihrer Petition ändern. © dpa/Felix Heyder

Die Bundesregierung will Frauen ab der 20.Schwangerschaftswoche auch bei Fehlgeburten Mutterschutz zusprechen. Das geht aber nicht weit genug, findet eine Autorin und hat daher eine Petition gestartet.

MÜNCHEN/UNTERFÖHRING Jede dritte Schwangere erleidet nach Angaben des Berufsverbandes für Frauenärzte eine Fehlgeburt. Häufig tauchen die Frauen nur in Statistiken auf. Gesprochen wird über das Tabuthema kaum. Natascha Sagorski (37) aus Unterföhring will das ändern. Sie redet nicht nur über ihren eigenen Verlust in der 10. Schwangerschaftswoche, die Autorin und Mutter kämpft auch für Verbesserungen im Arbeits- und Gesundheitssystem.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Mit einer Petition, die aktuell schon über 26 000 Unterstützer hat, fordert sie einen gestaffelten Mutterschutz nach Fehlgeburten. Das bedeutet: Frauen sollen abhängig von der Dauer ihrer Schwangerschaft unterschiedlich lange Anspruch auf Regeneration erhalten. Diese steht aktuell Frauen erst nach der 24. Schwangerschaftswoche zu.

Zwar hat sich die Bundesregierung im Koalitionsvertrag darauf geeinigt, einen Mutterschutz ab der 20. Woche einzuführen, aber Sagorski hält das für unzureichend: „Das bedeutet, dass viele Frauen, die wochen- und monatelang ihr Kind unter dem Herzen getragen haben, weiterhin kein Anrecht auf Mutterschutz haben.“

Petition für Mutterschutz nach Fehlgeburten: Einigung der Bundesregierung geht nicht weit genug

Sie selbst musste nach ihrer Ausschabung im Jahr 2019 um eine Krankschreibung betteln. „Mein Bauch war leer. Ich hatte starke Schmerzen und eine junge Ärztin sagte zu mir, ich bekomme keine Krankmeldung und soll am nächsten Tag wieder arbeiten gehen.“ Für die damals 34-Jährige war die gesamte Situation traumatisierend:

„Ich bin sonst ein kommunikativer Mensch. Aber nach der Erfahrung habe ich meine Sprache verloren. Ich hatte das Gefühl, ich dürfe nicht trauern. Es stand mir nicht zu.“ Erst als sie eine Krankmeldung von einem Hausarzt bekommen hatte und zwei Wochen zu Hause blieb, konnte sie sich langsam öffnen und wieder sprechen.

Als sie für ihr Buch „Jede dritte Frau“ recherchierte, hat Sagorski viele Frauen getroffen und ähnliche Schicksale gehört. „Nach meiner Fehlgeburt hatte ich das Bedürfnis, mich mit anderen Frauen auszutauschen und Erfahrungsberichte zu lesen.“ Es sei aktuell Glück oder Pech, ob man eine Krankschreibung erhält oder nicht und abhängig von der Sensibilität der Ärzte. „Daher ist es umso wichtiger, dass ein gestaffelter Mutterschutz Standard ist“, betont sie.

Die zeitliche Staffelung soll eine Expertenkommission nach verschiedenen Kriterien erarbeiten. Diese könnte sich laut Sagorski aus Hebammen, Trauerbegleitern, Gynäkologen, Arbeitsrechtlerinnen und Betroffenen zusammensetzen. Zudem fordert sie psychologische Betreuung sowie mehr Informationsmaterial, wie etwa einen Flyer, der die Rechte und Möglichkeiten der Frauen zusammenfasst. „In dieser Situation selbst recherchieren zu müssen, ist zu viel verlangt.“

Petition für Mutterschutz nach Fehlgeburt: Neues System muss etabliert werden

Sagorski geht es aber auch um Grundsätzliches: „Wir brauchen ein System, dass die Frauen in dieser schutzbedürftigen Lage aufnimmt.“ Viele Betroffene fühlen sich schuldig, weil sie es nicht geschafft haben, ihr Kind bis zum Ende auszutragen. Es sei wichtig, ihnen die Zeit zu geben und das Gefühl, dass sie genauso viel wert sind, wie davor.

Wenn die Petition erfolgreich ist – das ist mit 50 000 Unterstützern der Fall – wird der Petitionsausschuss beauftragt, sich mit der Forderung auseinanderzusetzen. Aber es muss auch der politische Wille da sein, um etwas zu verändern. Deshalb hat sich Sagorski bereits mit einem offenen Brief an Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne) gewandt und auch Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) um Unterstützung gebeten. Bisher erhielt sie allerdings keine Rückmeldung.

Gegenüber Hallo teilt eine Sprecherin des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) mit, dass die konkreten Inhalte zum Mutterschutz ab der 20. Schwangerschaftswoche nach einer Fehlgeburt derzeit erarbeitet werden. „Dabei wird die Petition für einen gestaffelten Mutterschutz nach Fehlgeburten, die dem BMFSFJ bekannt ist, berücksichtigt.“

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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