Ein Schatz oder schrottreif?

MVG: 15 historische Tramwagen sollen weg - Münchner Straßenbahnfreunde wollen Verschrottung verhindern

Posttram mit Beiwagen 1952 in der Arnulfstraße.
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Posttram mit Beiwagen 1952 in der Arnulfstraße.

Nächstes Jahr soll beim MVG-Museum ein neuer Betriebshof gebaut werden. Deswegen sollen einige historische Straßenbahnen ausziehen. Die Straßenbahnfreunde wollen dies verhindern.

München - Die ältesten Objekte stammen aus der Vorkriegszeit. So der E-Wagen 539. Um 1925 in Breslau gebaut, steht er nun in der Gleisbauhalle an der Ständlerstraße.

Die liegt beim MVG-Museum und dient als Stellplatz für etwa 25 Schienengefährte, die in die Schauräume nicht mehr hineinpassen.

Auf dem MVG-Gelände wird ab 2022 ein neuer Trambetriebshof errichtet. Daher muss der E-Wagen bald ausziehen. Ebenso wie die anderen historischen Straßenbahnen in der Halle.

Von den 25 Trams, die dort gelagert sind, kann die MVG während der Bauarbeiten nur zehn Stück zwischenlagern, wie ein Sprecher sagt. Der Rest müsse weg. Im Notfall droht die Verschrottung.

Die Freunde des Münchner Trambahnmuseums und ihre Kollegen von den Straßenbahnfreunden bangen um die Wagen der Gleisbauhalle. Das Argument der MVG: Unter den Zügen gebe es Dubletten. Demnach könne ein Modell notfalls entsorgt werden.

Die Gleisbauhalle, vorne in Gelb ist der Salzwagen 3908 zu erkennen.

Dem widerspricht Reinhold Kocaurek von den Museumsfreunden: „Jeder Wagen ist eine Weiterentwicklung. Viele von ihnen sind mehrfach umgebaut worden.“

Beispiel: einer der zwei Salzbeiwagen, die für eisfreie Gleise sorgten. Ein Modell aus den 1920ern begann seine Laufbahn als Post-Beiwagen und wurde erst 1960 zum Salzwagen umgebaut. Er habe eine ganz andere Geschichte als sein Tramkollege, obwohl beide für Laien gleich aussehen.

„Es ist unser Anspruch, einige der Wagen wieder in den Originalzustand zurückzubauen“, sagt Kocaurek. „Ich kann nicht zusehen, wie sie nun über die Klinge springen sollen.“

Die Museumsfreunde hätten sogar einen Kontakt, der den 15 bedrohten Wagen Asyl gewähren könnte. Allerdings nur vorübergehend. Am Mittwoch, 14. April, wollen die Freunde des Trambahnmuseums mit der MVG verhandeln.

Reinhold Kocaurek von den Museumsfreunden ist für den Erhalt der Trambahnen.

Nachgedacht: Wie ausrangierten Trams neues Leben eingehaucht werden könnte

Burger im Tram-Imbiss? Ein Wirtshaus-Schiff. Ein Dachgarten-Café auf dem Parkhaus. Gondeln im Englischen Garten. Die Münchner Gastronomie liebt Außergewöhnliches. Warum also keine Tram als Kaffeehaus?

Axel Bansemir, Chef des Milchhäusls und seiner Gondelkabinen an der Königinstraße, sagt: „Das wäre vorstellbar. Wir haben auch schon Trambahnpartys organisiert.“

Einen Tram-Imbiss würde er allerdings nicht im Park errichten, sondern an einem urbaneren Ort. Tramprofis raten ohnehin von Open-Air-Nutzung ab. Die Wagen bräuchten Pflege und eine schützende Halle.

Chef des Milchhäusls und seiner Gondelkabinen an der Königinstraße: Axel Bansemir.

Ganz unromantisch: Ersatzteillager

Da das MVG-Museum nicht vergrößert werden soll, finden dort keine weiteren Wagen Platz. Die MVG will aber etwa zehn Waggons der Gleisbauhalle erhalten – etwa als Ersatzteillager für die Museumsexponate.

So gibt es wohl ein Gutachten, das den historischen Wert der einzelnen Züge einschätzt. Trambahnvereine fordern seit Jahren eine Modernisierung des Museums. 

Hingucker in Nachbars Garten?

Einige Menschen haben einen Pool oder einen Teich. Andere stellen sich lieber eine Tram in den Garten – wie hier in Obermenzing. Der Wagen trägt die Nummer 8. Die Linie gab es bis 1975 wirklich.

In ihrer Blütezeit verband sie Fürstenried-West mit dem Hasenbergl. Das Lied „Ein Wagen von der Linie 8“ des Volkssängers Weiß Ferdl machte sie berühmt. 

Eine Tram im Garten in Obermenzing: Die Linie gab es bis 1975 wirklich.

Bald in anderen Städten unterwegs?

Laut MVG sind die Wagen nicht mehr fahrfähig. Dem widerspricht Frank Hohmann von den Straßenbahnfreunden: „Man müsste die Verkabelung erneuern, weil sich die Fahrdrahtspannung geändert hat. In Nürnberg, Düsseldorf und Stuttgart sind Flotten von Museumswagen unterwegs.“

Hohmann und Co. verkauften 2011 einen Münchner Wagen an die Museumslinie der Stadt Turin.  

Herr Hohmann von den Münchner Straßenbahnfreunden.

hil

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