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Veranstaltungsreihe auf Areal des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers in Neuaubing

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Von: Andreas Schwarzbauer

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Susanne Musfeldt-Gohm hat sich das Konzept für die Veranstaltungen in Neuaubing überlegt.
Susanne Musfeldt-Gohm hat sich das Konzept für die Veranstaltungen in Neuaubing überlegt. © Andreas Schwarzbauer

Künstler und Handwerker des Vereins „Fauwe“ organisieren auf dem Ex-Zwangsarbeiterlager in Neuaubing eine Veranstaltungsreihe. Was Sie im Programm erwartet...

München - Sie wollen die Erinnerung an das Schicksal der Zwangsarbeiter wachhalten und gleichzeitig eine Brücke zur Gegenwart schlagen: Die Mitglieder des Vereins „Freie Ateliers und Werkstätten Ehrenbürgstraße“ (Fauwe) haben deshalb eine Veranstaltungsreihe organisiert, die unter dem Motto „Don’t Kill The Flame“ steht.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Ehemaliges NS-Zwangsarbeiterlager: Verein organisiert Veranstaltungsreihe auf Areal in Neuaubing

Die Künstler und Handwerker arbeiten seit mehr als 30 Jahren in Neuaubing auf dem Areal eines ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers. Es ist eine von nur noch zwei vollständig erhaltenen Anlagen in Deutschland. Während des Zweiten Weltkrieg verschleppten die Nationalsozialisten rund 13 Millionen ausländische Arbeitskräfte in insgesamt 30.000 Lager. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, ihnen zu gedenken und ihr Schicksal in der Öffentlichkeit zu thematisieren“, sagt Susanne Musfeldt-Gohm, stellvertretende Vorsitzende der Fauwe.

Diesen April jährt sich in Neuaubing der Bau der Baracken zum 80. Mal. Für die Künstler und Handwerker ist das Anlass, erneut auf das Thema aufmerksam zu machen. „Wir wollen aber nicht nur erinnern, sondern auch einen Bogen in die Gegenwart und die Zukunft spannen“, sagt Musfeldt-Gohm. Deshalb konzipierte sie eine dreiteilige Veranstaltungsreihe.

Veranstaltungsreihe auf Areal des Ex-Zwangsarbeiterlagers: Programm soll Erinnerungen erhalten

Den Auftakt bilden die „Erinnerungsbilder“ am Samstag, 30. April. Ab 20 Uhr wird es auf dem Areal an der Ehrenbürgstraße 9 unter anderem ein Theater ohne Wort geben. „Schauspieler werden sich über das Gelände bewegen und kleinere Arbeitstätigkeiten ausführen. Die Besucher sind aufgefordert, hinzusehen und sich damit auseinanderzusetzen.“ Am Eingang wird eine Installation aus 400 Pflastersteinen stehen, die die Umrisse der Stadt München bilden. Darauf projizieren die Künstler eine Karte mit den Standorten aller damaligen Lagern.

Zudem ist eine szenische Lesung aus dem Tagebuch des niederländischen Zwangsarbeiters Jan Bazuin geplant. Auf den Fassaden und Wänden der Baracken werden Bilder von ehemaligen Insassen zu sehen sein. Ihnen will die Fauwe auch musikalisch mit unterschiedlichen Weisen aus ihren Heimatländern gedenken.

Der Sonntag, 15. Mai, rückt von 14 bis 18 Uhr die gegenwärtigen Nutzer, die Künstler und Handwerker, in den Mittelpunkt. Sie werden durch eine gemeinsame Installation ihre Verbindung zu dem Gelände ausdrücken. In Interviews erklären sie zudem, was es für sie bedeutet, an diesem besonderen Ort zu arbeiten. Der Germeringer Konzertchor sorgt für die musikalische Umrahmung.

Ehemaliges Zwangsarbeiterlager Neuaubing: Veranstaltungen haben Gegenwart und Zukunft im Blick

Am Samstag, 28. Mai, dreht sich ab 20 Uhr alles um die Zukunft. Zum einen wird der Siegerentwurf zur Neugestaltung des Lagers zu sehen sein. Paul-Moritz Rabe vom NS-Dokuzentrum wird zudem einen Ausblick geben, wie es nun mit dem Areal weitergeht. Ein weiterer Fokus wird darauf liegen, wie eine lebendige und moderne Erinnerungskultur aussehen kann. „Die Zeitzeugen versterben nach und nach, wir dürfen die Schrecken des NS-Regimes dennoch nicht vergessen. Deshalb brauchen wir neue Erinnerungsformen, die auch die jüngere Generation ansprechen“, sagt Musfeldt-Gohm. Darüber wird Rabe ebenfalls sprechen.

Besucher können zudem an mehreren Stationen Interviews mit Jugendlichen über die Themen Heimat, Alltagsrassismus und Erinnerung hören. Angela Hermann vom Dokuzentrum wird mit uigurischen Frauen über ihre Erfahrungen sprechen. Weitere Infos unter www.fauwe.de.

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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