Online-Erörterungsveranstaltung mit Live-Chat

München: So geht es im Neubaugebiet Freiham weiter

Bauprojekt in Freiham.
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Während der erste Realisierungsabschnitt weiter wächst, plant die Stadt bereits die weitere Bebauung in Freiham.

Stadt München stellt ihre Pläne für den zweiten Realisierungsabschnitt in Freiham vor. Bürger sorgen sich um Klimaschutz, ausreichend Schulen und Verkehr

Freiham - Während im Osten von Freiham immer mehr Häuser in die Höhe wachsen, plant die Stadt München bereits den zweiten Realisierungsabschnitt. Zunächst sollen auf 27 Hektar rund 3000 Wohnungen, zwei Schulen, mehrere Kindergärten und ein Nachbarschaftstreff entstehen. Anfang 2024 soll der Stadtrat den Bebauungsplan für diesen ersten Bauabschnitt beschließen.

Bis dahin können die Bürger ihre Einwände äußern. Eine erste Gelegenheit bot eine Online-Erörterungsveranstaltung, bei der die Teilnehmer im Live-Chat Fragen stellen konnten. Dabei waren Verkehr, Klimaschutz, Bildung und Architektur die Themen, die die Bürger am meisten interessierten.

Verkehrskonzept für Freiham: Verlängerung der U5 und Radverkehr

Das bestehende Straßennetz ist überlastet, die S-Bahnen sind voll. Was passiert mit dem zusätzlichen Verkehr aus Freiham? Das ist die Frage, die viele Bürger sehr beschäftigt. Die Stadtplaner setzen dabei auf die U-Bahn nach Freiham, die 2035 in Betrieb gehen soll. „Wir arbeiten mit Nachdruck daran, dass wir nahtlos weiterbauen können, wenn die U-Bahn nach Pasing fährt“, sagt Klaus Posset vom Baureferat.

Dann sei auch die derzeit überfüllte S-Bahn kein Problem mehr. „Die S4 wird keine tragende Rolle für die Erschließung von Freiham spielen, wenn wir eine U-Bahn-Station mitten im Quartier haben“, sagt Robert Adam vom Planungsreferat.

Die Stadt München hat als Ziel, dass die Bewohner, die eine Strecke mit dem eigenen Auto oder Motorrad (motorisierter Individualverkehr) zurücklegen, nur 25 Prozent vom gesamten Verkehrsaufkommen in Freiham ausmachen. Neben dem öffentlichen Nahverkehr spiele dafür der Radverkehr eine zentrale Rolle. Zudem soll es viele Sharing-Angebote geben.

Lösungen für den Autoverkehr in Freiham

Dennoch sei eine direkte Autobahnanbindung Freihams wichtig. „Dadurch können wir den unvermeidlichen Verkehr möglichst schnell auf das überregionale Straßennetz lenken“, so Adam. Wenn die Autobahndirektion die A99 wie geplant von vier auf sechs Spuren ausbaue, reichten die Kapazitäten für den zusätzlichen Verkehr aus Freiham aus, meint Adam.

Zusätzlich sei aber noch eine Anbindung von Freiham an den Norden, also an Aubing, notwendig. „Wenn der zweite Realisierungsabschnitt fertig ist, reicht es nicht, den Verkehr nach Süden und über die Autobahn abzuwickeln“, sagt Stefanie Wolf vom Planungsreferat. „Wenn wir keine direkte Anbindung haben, sucht sich der Verkehr über das bestehende Straßennetz seinen Weg nach Norden“, ergänzt ihr Kollege Adam. Derzeit würden zwei Varianten - eine Anbindung über die Georg-Böhmer-Straße oder eine Umfahrung des Ortskerns - genauer untersucht. Im Oktober soll es dazu einen weiteren Bürgerworkshop geben. An einer Umfahrung gibt es allerdings viel Kritik der Aubinger und auch des Bezirksausschusses.

Eine Variante ist es, Freiham über eine Umfahrung an den Norden anzubinden.

Sorge um Kaltluftentstehungsgebiet

Bei einigen Teilnehmern herrschte die Sorge, dass die Bebauung ein großes Kaltluftentstehungsgebiet, das für Abkühlung im gesamten Münchner Westen sorgt, zerstört wird. „Das wird sehr intensiv in der Planung berücksichtigt“, sagt Annette Timmermann vom Planungsreferat. Mehrere verbundene Grünanlagen und der Landschaftspark im Westen sollen für eine gute Durchlüftungsorgen. Zudem würden zwei Gutachten das Thema analysieren und Optimierungen vorschlagen.

Stadt will Schulversorgung in Freiham sicherstellen

Der große Bildungscampus mit Gymnasium, Real- und Förderschule ist bereits fertig.

Auch die Sorge, dass die geplanten Schulen nicht in Freiham ausreichen, teilte die Stadt nicht. Insgesamt entstehen fünf Grundschulen für 2500 bis 3000 Schüler, ein Gymnasium, eine Real-, eine Förder- sowie eine Mittelschule. Zudem sei im letzten Bauabschnitt ein Fläche für eine weitere weiterführende Schule reserviert. „Die Schulversorgung in Freiham wird nach derzeitiger Sicht ausreichend sein“, meinte Gisela Inzinger vom Referat für Bildung und Sport.

Drei Nahversorger für Freiham

Ähnlich sieht es bei der Nahversorgung aus. Insgesamt soll es drei Standorte mit einer Verkaufsfläche von insgesamt 24.000 Quadratmetern geben. Hinzu käme, dass die Erdgeschosse größtenteils für Gewerbe- und Ladennutzung vorgesehen seien. „Es wird keine Schlafstadt werden“, meinte Sabine Steger vom Planungsreferat.

Freiham als Quartier mit dichter Bebauung

Allerdings werde Freiham ein sehr dicht bebautes Quartier. „Wegen der S- und der U-Bahn ist diese Dichte vor Ort aber gerechtfertigt“, so Steger. Es soll eine Blockrandbebauung entstehen, das bedeutet, die Gebäuden werden sich in geschlossener Bauweise um gemeinsame Höfe gruppieren. Die Häuser werden zwischen vier und acht Geschosse haben.

Dieser Entwurf des Münchner Büros „Hild und K“ war der Sieger des Architektenentwurfs für den zweiten Realisierungsabschnitt in Freiham.

Hauptsächlich entstehen in Freiham Mietwohnungen, die von den städtischen Wohnungsbaugesellschaften, Genossenschaften und privaten Investoren errichtet werden. Einige Bürger sorgten sich daher, dass dadurch wie in Neuperlach oder Hasenbergl ein Problemviertel entstehen könnte. Das glaubt Merle Bald vom Planungsreferat nicht: „Die Nutzung ist sehr bunt und vielfältig.“

Badesee, aber keine Polizei in Freiham

Es werde zahlreiche Freizeitangebote in Freiham geben. Unter anderem ein Badesee westlich der A99 ist geplant. Derzeit laufe eine Machbarkeitsstudie, die untersucht, wie groß und wie teuer der See werden könnte. Darüber hinaus sind ein Kulturzentrum, eine Volkshochschule, eine Stadtbibliothek, ein Familienzentrum und eine Jugendeinrichtung geplant. Im derzeit entstehenden ersten Realisierungsabschnitt sei ein Seniorenheim geplant, das 2024 fertig werden soll.

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