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Neues Konzerthaus für München ganz auf der Kippe? Stimmen zu Söders „Denkpause“

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Von: Marco Litzlbauer

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Kommt vielleicht deutlich später: Münchens neuer Konzertsaal im Werksviertel.
Kommt vielleicht deutlich später: Münchens neuer Konzertsaal im Werksviertel. © dpa

München: Das geplante neue Konzerthaus im Werksviertel verzögert sich - und steht angesichts der Corona-Krise und des Kriegs in der Ukraine vielleicht sogar ganz auf der Kippe.

Das geplante neue Konzerthaus für München verzögert sich aufgrund der angespannten Haushaltslage (Hallo München berichtete). Kunstminister Markus Blume hatte den Baubeginn 2025 schon Ende vergangener Woche als ambitioniert bezeichnet.

Ministerpräsident Markus Söder hatte sich in der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstag) jetzt ähnlich geäußert und eine „Denkpause“ gefordert: „Wir können nicht alles unendlich finanzieren.“

*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.
*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Münchens neues Konzerthaus im Werksviertel: „Verschieben“ sei eine kulturelle „Katastrophe“

Die Geigerin Anne Sophie Mutter und der Konzertveranstalter Andreas Schessl kritisieren den Ministerpräsidenten nun dafür. Schließlich war das Münchner Konzerthaus lange geplant: Der Freistaat wollte das Konzerthaus für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks bauen, das im Gegensatz zu anderen internationalen Spitzenorchester bis heute keine eigene Spielstätte hat.

Anne Sophie Mutter sagte der SZ: „Wir brauchen dieses Wohnzimmer der kreativen Höhenflüge wie die Luft zum Leben!“ Schessl, Geschäftsführer des Veranstalters MünchenMusik, sagte dem „Münchner Merkur“ (Samstag): „Für das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ist das schlichtweg eine Katastrophe und für München als Kulturstadt ein schlechtes Signal.“

Münchens neues Konzerthaus im Werksviertel: Interimsbau sei keine Alternative

Nach „der Misshandlung der Kultur durch die Corona-Politik“ folge „nun ein weiterer herber Rückschlag“. Der Interims-Bau der Isarphilharmonie könne ein Konzerthaus mit mehreren Sälen und einem Stützpunkt für die Musikhochschule nicht ersetzen. Das städtische Kulturzentrum Gasteig ist noch mehrere Jahre lang im Umbau.

Auch Münchens 2. Bürgermeisterin und Aufsichtsratsvorsitzende der Gasteig München GmbH, Katrin Habenschaden, hat sich mittlerweile dazu geäußert: „Die Corona-Pandemie hat die staatlichen Haushalte schwer belastet, die Folgen des russischen Krieges in Europa werden die finanziellen Spielräume weiter einschränken. In dieser Situation ist es notwendig, zu priorisieren und auch schmerzhafte Entscheidungen zu treffen.“

Münchens neues Konzerthaus im Werksviertel: Habenschaden spricht von „Sterben auf Raten“

Dem Konzertsaal im Werksviertel drohe ein Sterben auf Raten mit Finale vermutlich nach der Landtagswahl im Herbst 2023. Der Gasteig, Europas größtes Kulturzentrum, werde in den kommenden Jahren von der Landeshauptstadt München aufwändig saniert und architektonisch aufgewertet.

„Mit der Philharmonie und der neuen Isarphilharmonie in Sendling verfügt München über zwei Konzertsäle von höchster Güte. Der von der Staatsregierung geplante Konzertsaal soll in fußläufiger Entfernung vom Gasteig entstehen und laut Berichten bis zu eine Milliarde Euro kosten. Investitionen in die Kunststadt München sind immer herzlich willkommen, allerdings ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis eines dritten Konzertsaals inzwischen höchst fraglich.“

Münchens neues Konzerthaus im Werksviertel: OB Reiter für Gespräche mit Freistaat bereit

Herausforderungen wie Klimaschutz, Mobilität oder bezahlbares Wohnen seien dagegen dringlich wie nie. Es sei deshalb notwendig, Ressourcen zu bündeln und stärker zusammenzuarbeiten.  

Ähnlich sieht es wohl Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Er sagte laut eines dpa-Berichts: Wenn die Gasteig-Philharmonie nach der Sanierung wieder als Konzertsaal zur Verfügung stehe, werde München mit Gasteig und Isarphilharmonie „zwei herausragende städtische Konzertsäle“ haben. Er sei für Gespräche mit dem Freistaat über eine Zusammenarbeit offen.

BR-Intendantin Katja Wildermuth hatte am Freitag hingegen betont: „Es besteht weiterhin dringender Bedarf für eine eigene Spielstätte für das BR Symphonieorchester.“ Sie hoffe, „dass München einen Spitzenbau für dieses Spitzenensemble mit Top-Dirigent Sir Simon Rattle bekommt“.

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