„Anders, aber kein Ausfall“

Viele Maibaumfeiern im Würmtal heuer abgesagt – in Neuried stemmt man sich kreativ dagegen

Neue Maibaum-Schilder sollte es heuer in Neuried eigentlich geben. Darauf musste man wegen der Pandemie aber finanziell verzichten.
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Neue Maibaum-Schilder sollte es heuer in Neuried eigentlich geben. Darauf musste man wegen der Pandemie aber finanziell verzichten.

Der 1. Mai rückt immer näher. Im Würmtal haben allerdings schon einige Maibaumvereine ihr Maifest auf nächstes Jahr verschoben. Außer Neuried. Hier möchte man einen Ausfall vermeiden.

Neuried/Würmtal - Ein 1. Mai ohne Brauchtum – das ist für den Vorsitzenden des Maibaumvereins Neuried auch in der Corona-Pandemie keine Option.

Beziehungsweise: Gerade nicht. „Es macht den Leuten seelisch zu schaffen, dass sie schon so lange niemanden treffen können. Ein Maifest – in welcher Form auch immer – ist doch auch ein Hoffnungsschimmer“, betont Felix Lechner (Foto unten) und fragt: „Warum sollten wir uns von der Pandemie also unterkriegen lassen?“

In anderen Würmtal-Kommunen ist das schon passiert: Die Maibaambuam Gauting haben ihre Feier gerade auf 2022 verschoben – trotz bereits geschlagenem Baum.

„Wie immer ist es der Anspruch an uns selbst, den Maibaum in langjähriger Tradition mit der reinen Kraft unserer Burschen aufzustellen. Bei dieser Teamleistung können Mindestabstände nicht eingehalten werden und was wäre schon eine ‚Maifeier’, ohne die Gautinger Bevölkerung?“, so die Begründung der Gruppe.

Felix Lechner (3. v. l.) mit dem Festvorstand zur 825Jahr-Feier in Neuried von 2019.

In Gräfelfing hatte man schon im Herbst beschlossen, erst gar keinen Baum zu fällen. Schon damals sei vorhersehbar gewesen, dass am 1. Mai 2021 kein reguläres Maifest veranstaltbar sein würde, erklärt der Sprecher der Maibaumfreunde, Markus Feuerer. Stattdessen hoffe man auf ein zünftiges Fest 2022.

Dass es heuer kein klassisches Maifest geben kann, ist auch in Neuried klar. „Es wird anders, aber kein Ausfall“, so Lechner. Der Clou: Der Maibaum wird heuer heimlich, aber vor den Augen eines Kamerateams, aufgestellt.

Ein Video geht am 1. Mai um Punkt 12 Uhr auf diversen Kanälen online. Dazu bringt ein Lieferserive auf Bestellung gekühltes Bier in die Neurieder Häuser. Wenn möglich, soll auf dem Marktplatz ein Pop-Up-Biergarten eingerichtet werden.

Neuer Maibaum für Neuried: Maibaumverein stellt besondere Bedingung

Problem Finanzen: Ausgaben sind gleich – bei quasi keinen Einnahmen

„Natürlich nur, wenn das sicher möglich ist“, betont der Vereinsvorsitzende, der viele seiner Kenntnisse als Veranstaltungsmanager in die Pläne eingebracht hat. Vorsicht lässt man auch in der Vorbereitung walten: Jeder, der am Maibaum mitarbeiten will, muss angemeldet und getestet sein, alles wird mit Maske und im Freien erledigt.

Sorge bereiten ihm noch die Finanzen. Außer für Festzelt und Band seien die Ausgaben gleich – bei quasi keinen Einnahmen. „Natürlich haben wir Rücklagen, aber die wollen wir nicht für Corona aufbrauchen.

Ein Maifest kann ja auch jederzeit wettertechnisch ins Wasser fallen“, sagt Lechner. Stattdessen ist der Maibaumverein auch hier kreativ geworden. Er versteigert aus dem alten Baum gefertigte Möbel – erste Auktionen für die insgesamt drei Tische, sechs Bänke und drei Stehtische laufen bereits auf der Facebook-Seite des Vereins.

Eine Kröte musste man in Neuried aber dennoch schlucken: Die awit 2019 geplanten neuen Maibaum-Schilder sind erstmal ad acta gelegt. „Das ist uns aktuell finanziell zu riskant“, erklärt der Vorsitzende.

rea

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