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Studie zeigt: Lage der Notfallversorgung in München spitzt sich zu

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Von: Sebastian Obermeir

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In München wird die Lage um Mediziner, Notärzte und Krankenhausbetten immer prekärer.
In München wird die Lage um Mediziner, Notärzte und Krankenhausbetten immer prekärer. © Panthermedia/Arne Trautmann

Die Situation um Notfallhelfer in München wird immer prekärer. In ganzen Stadtvierteln werden inzwischen Kinderärzte gesucht. Ein Überblick über die Lage:

München - Langes Warten in der Notaufnahme, Personalmangel in den Kliniken und Rettungsdienste, die mit diesen Umständen mehr und mehr zu kämpfen haben: Die zweite Münchner Notfallstudie, die jetzt vorliegt, zeigt ein erschreckendes Bild.

Eines, das Notfallsanitäterin und Wachleiterin Laura Fischer (31) vom Bayerischen Roten Kreuz nur allzu gut kennt. Seit elf Jahren ist sie im Rettungsdienst tätig und sagt: „Die Belastung wird definitiv größer. Nicht zuletzt weil die Einsätze mehr werden.“

Die Studie bestätigt ihren Eindruck: Fünf Prozent mehr Einlieferungen in die Münchner Kliniken gab es im Zeitraum von 2015 bis 2019. Rettungsdiensteinsätze mit Notarzt stiegen gar um 17 Prozent. Damit nicht genug: Bis 2030 prognostiziert die Studie 34 000 Notfallversorgungsfälle pro Jahr (neun Prozent) mehr. Bis 2040 sogar 60000 pro Jahr (16 Prozent).

Notstand der Nothelfer in München: Krankenhausbetten Mangelware

Doch bereits jetzt ist die Lage kritisch. „Es kommt zu oft vor, dass wir Krankenhäuser nicht anfahren können, weil alle Betten belegt sind.“ In der Folge verzögert sich die Einlieferung. Acht Minuten dauerte die durchschnittliche Rettungsfahrt 2015, zehn Minuten 2021. „Zwei Minuten können für einen Patienten alles bedeuten“, sagt Fischer. Über Leben und Tod entscheiden. „All diese Umstände setzen uns zusätzlich unter Druck. Wenn man im Auto ist, und die Leitstelle zum dritten Mal anfunkt, um zu fragen, ob es endlich ein freies Bett gibt. Aber es hilft ja nix und ich sage mir dann: Ich muss den Patienten weiter versorgen. Das kann ich und habe ich gelernt.“

Teils sind es aber auch die Patienten selbst, die für Verzögerungen sorgen. „Ich wusste nicht, was ich sonst hätte tun sollen“, kriegt Fischer dann zu hören. Patienten mit Rückenschmerzen, die sie seit Jahren plagen, oder mit kleinen Schnittwunden, die nur ein Pflaster benötigen. Für die Notfallsanitäterin sind solche Notrufe aber nicht ärgerlich – sie gehören zum Job.

Notstand um Nothelfer in München: Mehr Bewusstsein für Notfälle schaffen

„Der Patient ist nicht das Problem. Er ruft nicht aus Langeweile an, sondern weil er mit der Situation überfordert ist.“ Dennoch sei es ein Problem, wenn so immer mehr Rettungsmittel gebunden werden, die für Notfälle gebraucht werden. Es brauche also mehr Verständnis, wann die 112 und wann die 116 117 anzurufen sei.

Trotz aller Umstände, die die Arbeit von Notfallsanitätern erschweren, ist sich Fischer sicher: „Es ist der beste Job der Welt. Ich könnte mir nichts anderes vorstellen. Ich mag es zu helfen, in der Früh nicht zu wissen, was am Tag passieren wird, mein Wissen einzubringen und für die Menschen da zu sein.“

Notstand um Nothelfer in München: In welchen Stadtteilen Ärzte fehlen

München braucht mehr Ärzte, aber mehr Praxen können nicht ausgeschrieben werden: „Trotz teilweise bestehender Schwierigkeiten, Termine bei Hausärzten zu bekommen, gilt München als Planungsregion insgesamt als überversorgt.“ So steht es in der Bekanntgabe zur ambulanten haus- und kinderärztlichen Versorgung, die jetzt im dem Gesundheitsreferat (GSR) vorliegt. Der Versorgungsgrad bei Hausärzten liegt nach Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) bei 114,76 Prozent und bei Kinderärzten bei 109,40 Prozent.

Vor allem im Stadtrandgebiet seien Ärzte aber voll ausgelastet. Und dort, wo es wenige Praxen gab, hat sich die Situation noch weiter zugespitzt: So hat bei den Hausärzten beispielsweise der Stadtbezirk Ramersdorf-­Perlach drei Praxen verloren und belegt damit Rang 17 aller 25 Stadtbezirke. Trudering-Riem, Milbertshofen-Am Hart und Feldmoching-Hasenbergl haben einen beziehungsweise zwei Sitze verloren (Ränge 20, 21 und 22).

Ärztemangel in München: Kinderärzte in manchen Bezirken gar nicht vorhanden

Demgegenüber haben bereits gut versorgte Stadtbezirke noch Arztsitze dazu gewonnen, wie beispielsweise Altstadt-­Lehel (plus drei Sitze, Rang 1 von 25) oder Bogenhausen (plus vier Sitze, Rang 6). Ähnlich bei den Kinderarztpraxen. Hier gibt es sogar Bezirke ohne Ärzte – etwa Freiham.

Aufgrund der Überversorgung sieht das GSR „praktisch keine Handlungsoptionen“, was die Erhöhung von Arztsitzen betrifft. Man untersuche jetzt die Möglichkeit eines Förderprogramms, um die freiwillige Ansiedlung von Arztpraxen in den unterversorgten Stadtbezirken gezielt mit Anreizen zu unterstützen – vor allem mit geeigneten, günstigen Praxisräumlichkeiten. Zudem gehe das GSR mit seinen GesundheitsTreffs in Stadtbezirke, in denen die haus- und kinderärztliche Versorgung eher ungünstig ist.

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