Gejagten ein Gesicht geben

NS-Gedenkaktion am Grünwalder Stadion in München: Erinnerung an verfolgte Sportler

Das Gesicht des NS-Opfers Wilhelm Olschewski junior an der Wand des Gefängnisses in Stadlheim. Ähnliches passiert nun am Grünwalder Stadion.
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Das Gesicht des NS-Opfers Wilhelm Olschewski junior an der Wand des Gefängnisses in Stadlheim. Ähnliches passiert nun am Grünwalder Stadion.

Bereits an der Mauer des Stadelheims wurden Bilder von NS-Verfolgten projiziert. Jetzt sollen auch am Grünwalder Stadion Gesichter von gejagten Sportlern leuchten.

Untergiesing - In Stadelheim war das Projekt schon zu Gast. Im Februar leuchteten abends an der Gefängnismauer die Gesichter vom Naziregime verfolgter Menschen.

Nun wird der Verein Jews Engaged With Society (J.E.W.S.) seine Gedenkaktion am Grünwalder Stadion fortsetzen und dort an von den Nazis gejagte Sportler erinnern – von 2. bis 6. Mai ab 20.30 Uhr.

Terry Swartzberg, Vorstandsvorsitzender von J.E.W.S., will mit der Aktion „Faces for the Names“ die „Opfer des NS-Terrors, ihre Namen und Gesichter sichtbar machen“. In Stadlheim zeigte er auch Sophie Scholl. Doch es sind nicht immer berühmte NS-Opfer. Berührend sind auch die Schicksale der anderen, unbekannteren.

So wie das von Martha Hirsch. Ihr Bild wird nun an die Wand des Stadions projiziert. Anton Löffelmeier, Stadtarchivar und Autor des Buchs „Die ‚Löwen‘ unterm Hakenkreuz“, hat das Leben der Sportlerin recherchiert.

Die von den Nazis ermordete Martha Hirsch.

Sie ist das einzige jüdischen Mitglied des TSV 1860 aus der Zeit, von dem ein Foto existiert. „Ab Sommer 1933 gab es bei den 60ern nicht mehr viele Juden“, sagt Löffelmeier. Der Verein war nationalistisch.

Hirsch trat den 60ern 1905 bei. „Vermutlich den Turnern“, meint Löffelmeier. Eine der wenigen für Frauen offenen Abteilungen. Ihre sportliche Laufbahn ist unbekannt. Ihr Leben nicht. Sie studierte an der Kunstgewerbeschule, arbeitete vorübergehend in Dresden und kehrte dann nach München zurück.

Als die Judenhatz der Nazis immer schlimmer wurde, zog sie sich mit zwei Schwestern in ein Gartenhaus am Rande Grünwalds zurück. Schwerste Depressionen quälten die Frauen, eine Schwester ging daran zugrunde.

1941 begannen die Deportationen aus dem Judenlager Milbertshofen“, sagt Löffelmeier. 1942 landeten dort auch Martha Hirsch und ihre Schwester Irene. Bald darauf deportierten die Nazis die Frauen nach Polen. Der Stadtarchivar weiß: „Sie haben die Ankunft dort nicht lange überlebt.“

hil

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