Mehr Vorgaben für Bauherren

Kritik an massiven Neubauprojekten und Baumfällungen in Obermenzing – das sagt die Stadt 

An der Thuillestraße ist anstelle des Gartens ein zusätzliches Gebäude geplant. Das wollen (von links) Andreas Ellmaier, Angelika Schervier und Bernhard Hofmann nicht länger hinnehmen.
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An der Thuillestraße ist anstelle des Gartens ein zusätzliches Gebäude geplant. Das wollen (von links) Andreas Ellmaier, Angelika Schervier und Bernhard Hofmann nicht länger hinnehmen.

In Obermenzing ist man über die vielen neuen Bauvorhaben nicht erfreut. Auch Baumfällungen stehen in der Kritik. Deswegen fordern Bürger jetzt Bebauungspläne.

Obermenzing - Es sei richtig beklemmend, durch Obermenzing zu spazieren und die neuen Bauvorhaben zu sehen, kritisiert Angelika Schervier.

„Große, alte Bäume fallen, neue werden nicht gepflanzt, weil die Bauträger zwei Drittel des Grundstücks bebauen. Der Rest der Fläche wird für eine versiegelte Zufahrt genutzt. Oder es befindet sich die Tiefgarage darunter, sodass dort auch keine vernünftigen Bäume wachsen können.“

Das habe fatale Folgen: „Wenn man durch die Straßen läuft, gibt es richtige Hitze­inseln.“ Zudem gehe durch die „Mehrparteien-Klötze“ und die maximale Nachverdichtung die alte Struktur der Gartenstadt Obermenzing verloren. Deshalb forderte Schervier bei der jüngsten Sitzung des örtlichen Bezirksausschusses Bebauungspläne für ganz Obermenzing.

Mehr Grün und größere Abstandsflächen gefordert

Darin soll unter anderem geregelt sein, dass auf jedem Grundstück ein bestimmter Prozentsatz an Grünfläche erhalten bleiben muss. Die Abstandsflächen zu den Nachbargebäuden müssten vergrößert werden. Zudem soll pro 300 Quadratmeter mindestens ein Baum stehen. Ablösezahlungen für Baumfällungen sollen verboten sein. Zudem dürfe der öffentliche Baumbestand an den Straßen nicht aufgrund privater Bauvorhaben entfernt werden.

Derzeit gilt bei Neubauvorhaben nur Paragraf 34, der vorschreibt, dass sich die Gebäude in die Umgebung einfügen müssen. „Das ist eine lapidare Aussage“, ärgert sich Schervier. Es seien konkrete Vorgaben nötig.

Ärger über aktuelles Bauprojekt an der Thuillestraße

Schervier ist nicht die einzige, die gegen diese Entwicklung kämpfen will. Unterstützung erhält sie vom Grünflächenverein Obermenzing um dessen Vorsitzenden Andreas Ellmaier. Das neueste Ärgernis für Ellmaier ist ein Bauprojekt an der Thuillestraße. Dort steht derzeit noch eine 100 Jahre alte Villa mit großem Garten.

Sie soll durch einen größeren Neubau ersetzt werden. Zusätzlich ist auf dem Grundstück ein zweites Mehrfamilienhaus geplant. Dafür müsse der gesamte Baumbestand inklusive einer 20 Meter hohen Zeder weichen, kritisiert Nachbar Bernhard Hofmann. Für Ellmaier ist das exemplarisch für die Entwicklung in Obermenzing.

„Das ist Heimatzerstörung. Wir wollen maßvolle und nicht maßlose Nachverdichtung. Da können uns nur Bebauungspläne helfen“, sagt er.

Das sagt die Stadt

Das sieht das zuständige Planungsreferat anders: „Eine nahezu flächendeckende Regelung durch Bebauungspläne in Bestandsvierteln ist leider nicht möglich und auch nicht zweckhaft“, so Sprecher Ingo Trömer. Bebauungspläne dürften nur kommen, „sobald und soweit es für die städtebauliche Entwicklung erforderlich ist“.

Reine „Verhinderungsplanungen“ seien unzulässig. Zudem seien sie sehr teuer und könnten Entschädigungszahlungen an die Eigentümer nach sich ziehen.

Ellmaier kann dies nicht nachvollziehen. Beispielsweise habe die Nachbargemeinde Gräfelfing ohne größere Probleme für einzelne Gevierte Bebauungspläne erlassen.

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Mehr Informationen über Bauvorhaben

Bauherren sollen bei größeren Nachverdichtungsprojekten die Anwohner frühzeitig über den Zeitplan und mögliche Beeinträchtigungen informieren. Das hat eine Obermenzingerin bei der jüngsten Bürgerversammlung gefordert. So würden regelmäßig Parkplätze wegfallen oder Straßen gesperrt.

Die Teilnehmer stimmten mehrheitlich zu. Abgelehnt wurden dagegen die Anträge, auf der Haberlandstraße temporär Tempo 50 einzuführen, die Kanalbrücke der Frauendorferstraße für den Autoverkehr zu sperren und das Radeln auf der Fahrbahn der Alten Allee zu verbieten.  

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