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Was tun, wenn‘s pressiert? Wer harntreibende Tabletten nimmt, wird ohne öffentliche Klos oft unfreiwillig zum Ärgernis

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Von: Katrin Hildebrand

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Auf seinem Einkaufsbummel kommt Klaus Becker an Bäumen, Wohnhäusern, Geschäften und Supermärkten vorbei. Öffentliche Toiletten gibt es keine.
Auf seinem Einkaufsbummel kommt Klaus Becker an Bäumen, Wohnhäusern, Geschäften und Supermärkten vorbei. Öffentliche Toiletten gibt es keine. © Katrin Hildebrand

Nicht selten nehmen Personen harntreibende Tabletten, sodass sie öfter ihre Notdurft verrichten müssen. Aus Mangel an öffentlichen Toiletten, müssten jene zu Wildbieslern werden...

Harlaching ‒ Wenn Klaus Becker (Nachname geändert) einkaufen geht, muss er eins im Kopf haben: welche Toiletten auf seiner Strecke liegen. Denn oft kommt es vor, dass der 76-Jährige ganz schnell muss. Er nimmt Medikamente mit harntreibender Wirkung. Da jedoch die Supermärkte nicht über Kundenklos verfügen und die nächste öffentliche Toilette fast einen Kilometer weg am Mangfallplatz liegt, wurde Becker oft unfreiwillig zum Wildbiesler.

Unter der Woche besucht der gebürtige Berliner fast täglich die Läden an der Kreuzung Nauplia-/St.-Magnus-Straße. Er wohnt nicht allzu weit weg. Doch wenn’s zwischen Busfahrt und Supermarktbesuch pressiert, kann er nicht nach Hause eilen. Das würde zu lange dauern. Vor Ort hat er bestenfalls zwei Möglichkeiten: „An der St. Magnus-Straße hat mein Hausarzt seine Praxis, an der Nauplia­straße mein Zahnarzt.“

Wildbiesler wider Willen: Herzschwäche als Grund

Doch auch die Mediziner haben begrenzte Öffnungszeiten. In Notfällen musste schon mal die Ecke eines leerstehenden Grundstücks herhalten. Früher auch ein gewerblicher Hinterhof. Und ein Grünstreifen. „Das ist sehr unangenehm“, berichtet Becker. „Schlimmstenfalls stehen Menschen am Fenster und denken sich, was tut der da?“ Dabei kann der ehemalige Werkzeugmacher und Elektromechaniker nichts dafür. „Ich habe eine Herzschwäche und nehme gegen Bluthochdruck seit einigen Jahren diese Entwässerungstablette.“

Laut Dr. Atiqullah Aziz, Chefarzt und Leiter des Prostatakrebszentrums an der Klinik für Urologie der München Klinik Bogenhausen, taucht der starke Harndrang oft in bestimmten Zusammenhängen auf. Bei Männern etwa, wenn erhöhter Blutdruck und eine vergrößerte Prostata beim Patienten zusammenkämen. „Das ist gar nicht selten der Fall.“

Wildbiesler wider Willen: Restharn in der Blase

Oft würden bei Bluthochdruck oder durch Herzschwäche bedingten Flüssigkeitseinlagerungen beziehungsweise -ansammlungen sogenannte Wassertabletten verordnet. „Das wird dann dem Körper entzogen und über die Nieren ausgeschieden.“, erklärt Aziz. „Bei vergrößerter Prostata wird der Kanal enger und es verbleibt in der Blase mehr Restharn.“ Diese fülle sich dadurch schneller und erzeuge einen plötzlich erhöhten Harndrang. Auch bei Frauen könne das Phänomen auftauchen, etwa bei einer Blasensenkung.

Klaus Becker würde sich freuen, wenn es mehr öffentliche Toiletten in der Stadt gäbe. „Oder mehr nette Toiletten in Geschäften, die auch Nicht-Kunden zur Verfügung stehen.“ Wie Hallo vom Baureferat erfuhr, befinden sich im Verantwortungsbereich der Stadt derzeit 125 öffentliche Toiletten. In den kommenden Jahren sollen es 149 werden.

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