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Wo sind all die Menschen hin? Supermärkte und Gastronomie kämpfen mit Personalnot

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Von: Daniela Borsutzky

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Amazon ist in München zuletzt um mehrere hundert Mitarbeiter gewachsen. Gerade am Anfang der Pandemie seien viele aus der Gastro gekommen.
Amazon ist in München zuletzt um mehrere hundert Mitarbeiter gewachsen. Gerade am Anfang der Pandemie seien viele aus der Gastro gekommen. © dpa/Jens Büttner

Am Flughafen oder in der Gastronomie – In vielen Branchen fehlt seit der Corona-Pandemie Personal. Doch wo arbeiten diese Leute jetzt?

München - Zu wenig Pfleger, zu wenig Pädagogen – so traurig es auch ist, das kennt man. Doch seit Monaten hat man den Eindruck, dass auch alle anderen Branchen über fehlende Arbeitskräfte klagen. Allen voran in der Gastro hat die Pandemie die Personalnot verschärft. Man munkelt, die Abwanderer würden nun im Supermarkt Regale einräumen, Pakete oder Pizzen ausfahren, hätten in Teststationen in fremden Nasen gebohrt oder gar erkannt, dass Arbeit nicht alles ist und sich eine Auszeit genommen. Aber ist das so?

Große Personalnot seit der Corona-Pandemie: Wo arbeiten diese Leute jetzt?

Allein die Betreibergesellschaft des Münchner Flughafens hat laut Sprecher Ingo Anspach während der Pandemie 1300 Arbeitskräfte verloren. Man führe zwar keine Statistiken zu Wechseln. Ein nicht unerheblicher Teil, der den Flughafen verlassen hat, sei aber nicht in andere Branchen, sondern den Vorruhestand gewechselt.

Laut Ulrich Pfaffenberger vom Landesverband Bayerischer Spediteure ist der große Personal-Ansturm in der Logistik bislang ausgeblieben. Konkrete Zahlen? Fehlanzeige. Lediglich: „Wir haben immer noch zu wenig Leute. Obwohl das Arbeitsaufkommen durch Online-Bestellungen stark gewachsen ist.“

Gastronomie, Flughafen, Logistik: Branchen suchen dringend Angestellte

Amazon gibt Zahlen zu Online-Bestellungen „generell nicht“ heraus, wie Sprecher Thorsten Schwindhammer auf Nachfrage betont. Er bestätigt aber: Das Logistiknetzwerk der Firma sei auch außerhalb von Corona stark gewachsen, in Deutschland gebe es mittlerweile mehr als 20 000 Festangestellte.

In der Logistik habe es in München zwar keine wesentlichen Zuwächse gegeben. Aber: „Wir sind sicherlich im Headquarter in München gewachsen mit einigen hundert neuen Mitarbeitern in Bezug auf Fach- und Führungskräfte.“

Wo die Angestellten zuvor gearbeitet haben, erfasse man nicht. „Wir hatten erfahrungsgemäß vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie viele Mitarbeiter, die nicht mehr in der Gastronomie arbeiten konnten, weil Restaurants und Bars geschlossen waren. Einige davon sind noch immer bei Amazon.“ Quantifizieren könne man dies aber nicht.

Supermärkte kämpfen weiter mit Mitarbeitermangel

Einen großen Zulauf von Arbeitskräften an die Supermarktkassen verneint Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern. „Mag sein, dass manche in den Lebensmittelhandel oder in die Lager gegangen sind, aber wir spüren nicht, dass Massen zu uns gekommen wären.“ Im Gegenteil. Eigene Probleme seien nicht weg. Mindestens jede dritte Azubistelle im Einzelhandel in München ist laut Ohlmann nicht besetzt. Schon vor der Pandemie hätte es einen „extremen“ Personalmangel gegeben, die Branche habe kein gutes Image und der Online-Handel boome.

Personalmangel in der Gastronomie: Aushilfen aus dem Ausland wären eine große Hilfe

In der Gastronomie seien vor allem Aushilfen verlorengegangen, erklärt Thomas Geppert vom Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Die seien besonders wichtig, um Spitzen abzudecken, vor allem jetzt in der Hochsaison. Die große Not der Branche belegt eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), die im Juli veröffentlicht wurde.

In der Gastronomie fehlen vor allem Aushilfen.
In der Gastronomie fehlen vor allem Aushilfen. © dpa/Peter Kneffel

Bundesweit lag die Zahl der unbesetzten Stellen in der Gastronomie im Juni bei circa 7600. Zumal, wie Geppert betont, der Bedarf an Arbeitskräften im Vergleich zu Vor-Corona-Zeiten weiter gestiegen sei. Sogar so sehr, dass die Nachfrage innerdeutsch nicht mehr zu decken sei.

Daher fordert der Verband, die Anstellung ausländischer Mitarbeiter zu erleichtern und außerdem eine Flexibilisierung der Arbeitszeiten im Rahmen einer Wochenarbeitszeit.

So viele Stellen sind noch offen

Ende August hat die Agentur für Arbeit in München zuletzt Zahlen zum örtlichen Arbeitsmarkt veröffentlicht. Zu dem Zeitpunkt lagen der Behörde insgesamt 15 653 Stellenangebote aus der Region vor – im Vergleich zum August vor einem Jahr ein Plus von 40,6 Prozent. Den offenen Stellen standen im August in München knapp 40 000 Arbeitssuchende entgegen. Das entspricht einer Arbeitslosenquote von 4,7 Prozent und damit 0,2 Punkte mehr als im Vormonat. Auch im Juli und Juni war die Zahl der Arbeitslosen in München gestiegen. Ein Grund: Seit dem 1. Juni werden in der Statistik auch ukrainische Geflüchtete erfasst.

Auch Kinos und Kultur-Veranstalter sind vom Personalmangel seit der Corona-Pandemie betroffen.

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