Unsichtbares wird sichtbar

Quantenphysikerin aus München: Darum ist ihre Forschung eine Million Euro Wert

Physikprofessorin Monika Aidelsburger (34) erforscht an der LMU Quantenphänomene in einer Vakuumkammer. Dafür braucht es jede auch jede Menge Kabel.
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Physikprofessorin Monika Aidelsburger (34) erforscht an der LMU Quantenphänomene in einer Vakuumkammer. Dafür braucht es jede auch jede Menge Kabel.

Die Experimentalphysikerin Monika Aidelsburger ist bereits eine ausgezeichnete Forscherin. Nun erhält sie eine Förderung von einer Million Euro. Was sie damit anfangen wird.

  • Monika Aidelsburger erhält Forschungsgeld von einer Million Euro
  • Forscht an der LMU in der Experimentalphsikerin
  • Was sie zu Frauen in der Forschung sagt

Sie ist die jüngste Professorin an der LMU München und bekommt jetzt eine Million Euro für ihre Forschung: Die Experimentalphysikerin Monika Aidelsburger hat mit dem Alfried-Krupp-Förderpreis eine der am höchsten dotierten Auszeichnungen der deutschen Wissenschaftsszene erhalten.

„Das ist für Leute wie mich, die an der Uni forschen, unglaublich“, sagt die 34-Jährige, die in der Altstadt lebt. Das Preisgeld kann sie innerhalb von fünf Jahren frei für Forschungsprojekte einsetzen. „So kann man auch etwas risikobehaftetere Ideen einfach ausprobieren“, freut sich die Professorin für künstliche Quantenmaterie.

Den Preis bekommen hat die Münchnerin für die Entwicklung einer neuen Methode zur Erforschung von sogenannten topologischen Isolatoren. Diese Stoffe sind eigentlich nicht leitend, an ihren Rändern kann Strom allerdings verlustfrei transportiert werden. Diese und ähnliche Phänomene wie Hochtemperatur-Supraleitung besser zu verstehen, könnte den Energietransfer in Zukunft deutlich effizienter gestalten.

Quantenphysikerin aus München: Förderung mit einer Million Euro

Doch sie sichtbar zu machen ist kompliziert: Mit speziellen Lasern erzeugen Aidelsburger und ihr Team an der LMU in einer Vakuumkammer künstliche Kristalle aus Licht, in denen sich einzelne Atome bewegen und genau beobachten lassen. „Diese Kristalle sind tausendfach vergrößerte Modelle der Bewegung von Elektronen in echten Materialien“, sagt die Quantenphysikerin. „Wir können Modelle aus einzelnen Atomen bauen, diese mithilfe von Lasern manipulieren und dann beobachten, wie die Reaktionen sind. Das alles mit eigenen Augen zu sehen, ist etwas ganz Besonderes.“

Die Faszination, das Unsichtbare sichtbar zu machen, hat Aidelsburger zur Quanten- und Experimentalphysik geführt. „Nach der Schule war ich mir da gar nicht so sicher, ich habe auch überlegt, Kunst zu studieren“, erzählt die 34-Jährige. Doch sie entschied sich für Physik, hat mit „summa cum laude“ an der LMU promoviert und mehrere Stipendien erhalten. Ihre Erkenntnisse wurden über 5000 Mal in Artikeln ihres Fachgebiets zitiert.

Frauen in der Forschung: Wenige Forscherinnen in der Physik

Als Wunderkind will sich Aidelsburger trotz ihrer Erfolge keinesfalls sehen. „Dem würde ich komplett widersprechen. Wir sind ein Team im Labor.“ Und auch grundsätzlich sei es nicht immer leicht, die eigene Leistung voll anzuerkennen. „Wenn man in unserer Branche einen Preis erhält, ist immer die Frage im Hinterkopf, ob man diesen vor allem bekommen hat, weil man eine Frau ist“, sagt sie. Denn viele Frauen gibt es in der Physik auch heute nicht.

„Im Studium vielleicht 20 Prozent, bei den Professoren sind es nochmal deutlich weniger“, schätzt Aidelsburger. Eine Frauenquote in den Naturwissenschaften ist für sie dennoch nur das letzte Mittel. „Der bessere Weg wäre, schon in den Schulen gezielt die Mädchen anzusprechen, die Potenzial haben, ihnen Mut zu machen und zu zeigen, wie ein Weg in den Naturwissenschaften aussehen könnte“, so die 34-Jährige. Als so eine Mentorin versteht sich Aidelsburger auch selbst. „Ich versuche, die Begeisterung für mein Fachgebiet rüberzubringen.“

Royale Top Forschung

Zwei weiteren Wissenschaftlern aus München ist kürzlich eine große Ehre zuteil geworden: Sie sind in die Gemeinschaft der Royal Society, der weltweit ältesten unabhängigen Wissenschaftsakademie, aufgenommen worden. Diese wurde 1660 in London gegründet und umfasst derzeit 1700 Wissenschaftler, darunter 75 Nobelpreisträger.

Ab sofort zählen dazu auch der Deutsch-Kanadier Professor Dr. Donald Dingwell und die italienische Professorin Dr. Elena Conti. Dingwell ist der Direktor des Departments für Geo- und Umweltwissenschaften an der LMU und hat die Professur für Experimentelle Vulkanologie inne. Conti ist Direktorin am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried (Landkreis München) und wurde für ihre Arbeit in den Bereichen der RNA-Forschung und der Strukturbiologie geehrt. Mitglieder der Royal Society werden auf Lebenszeit ernannt.

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