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Neuer Prozess um das Uhrmacherhäusel in München ‒ So dreist soll der Käufer die Mieter rausgeekelt haben

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Von: Jonas Hönle

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Autos parken vor einer Häuserlücke, in der bis 2017 das denkmalgeschützte Uhrmacherhäusl gestanden hat.
Am Amtsgericht München hat der Prozess gegen den Käufer des Uhrmacherhäusl begonnen, der einen Bauunternehmer damit beauftragt haben soll, das Haus 2017 mit einem Bagger absichtlich zu zerstören, damit es danach abgerissen werden kann. © Matthias Balk/dpa

Der Fall des Uhrmacherhäusl in Giesing geht erneut vor Gericht. Der Prozess in München soll zeigen, wie der Käufer mit den damaligen Mietern umgesprungen ist.

Das Uhrmacherhäusl in München wurde 2017 abgerissen, obwohl es unter Denkmalschutz stand. Es gilt als Symbol für radikale Gentrifizierung in der bayerischen Landeshauptstadt. Jetzt kommt der Fall erneut vor Gericht.

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*HalloMuenchen.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA. © Hallo München

Neuer Prozess um das Uhrmacherhäusl in München - Käufer soll Mieter rausgeekelt haben

Von diesem Montag an muss sich der Käufer des denkmalgeschützten und 2017 illegal abgerissenen Uhrmacherhäusl vor dem Amtsgericht München verantworten. Die Vorwürfe: Nötigung und „gemeinschädliche“ Sachbeschädigung. Der Prozess soll nun zeigen, wie der Käufer mit den damaligen Mietern umgesprungen ist.

Er soll die früheren Mieter des Hauses rausgeekelt haben, indem das Wasser abgedreht, der Strom abgeschaltet, die Haustür ausgehängt und Dachziegel entfernt wurden, damit es reinregnet. Es kommt zum Prozess, weil der Mann Einspruch gegen einen Strafbefehl eingelegt hat.

Abriss des denkmalgeschützten Uhrmacherhäusl in Giesing

Seit Jahren beschäftigt das Uhrmacherhäusl im Stadtteil Giesing Einwohner, Denkmalschützer und die Justiz. Im Sommer vergangenen Jahres urteilte der Bayerische Verwaltungsgerichtshof (BayVGH), dass das kleine Häuschen in seinen historischen Gebäudemaßen wieder aufgebaut werden muss. 

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärte damals, man könne „Profitgier nicht gegen jedes Recht mit der Abrissbirne durchsetzen“.

Das Uhrmacherhäusl gehört zum Ensemble Feldmüllersiedlung in Giesing, das zwischen 1840 und 1845 erbaut wurde. Ein Bagger hatte das denkmalgeschützte kleine Haus im Herbst 2017 eingerissen - unabsichtlich, wie der Grundstückseigentümer Medienberichten zufolge angab. Der Streit ging vor Gericht.

„Der Fall zeigt deutlich, wie rabiat es auf dem Münchner Mietmarkt zugeht“, sagte Simone Burger, stellvertretende Vorsitzende des Mietervereins München. „Profit steht über allem, auch den Interessen der Mieter.“

Prozess um Illegaler Abriss des Uhrmacherhäusl in München

Am Montag hat der Prozess gegen den Käufer des Hauses begonnen, der einen Bauunternehmer damit beauftragt haben soll, das Haus 2017 mit einem Bagger absichtlich zu zerstören, damit es danach abgerissen werden kann. „Hierbei sollte für Dritte der Eindruck entstehen, dass das bauliche Vorgehen (...) ein Versehen war“, sagte die Staatsanwältin.

Der Angeklagte bestritt diese Absicht zu Beginn des Verfahrens über seine Anwälte: „Es hat keinen Auftrag zum Abriss gegeben.“ Der Mann werde „zum Sündenbock“ für die Gentrifizierung in München gemacht, sagte sein Verteidiger. „Er ist eben kein Immobilienhai, sondern erwarb das Uhrmacherhäusl, um nach Sanierung selbst einzuziehen.“

Der Abriss des Uhrmacherhäusls sei „ein Unfall“ gewesen, sagte sein zweiter Verteidiger. „Nicht mehr und nicht weniger.“ Sein Mandant sei ungerechtfertigterweise als „Sinnbild zügelloser Profitgier gebrandmarkt“ worden.

Er habe den als mutmaßlichen Komplizen angeklagten Unternehmer nicht mit dem Abriss beauftragt. Der Mann allein sei für „das tragische Unglück“ verantwortlich. Grund sei eine psychische Ausnahmesituation, „ein Aussetzer“.

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