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Rangierbahnhof München-Nord wird der erste digitale Güterbahnhof Deutschlands

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Von: Benedikt Strobach

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Sigrid Nikutta, DB-Vorständin für Güterverkehr, und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer entkuppeln einen Waggon manuell.
Sigrid Nikutta, DB-Vorständin für Güterverkehr, und Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (v. li.) entkuppeln einen Waggon manuell. © best

Der Rangierbahnhof München-Nord wird der erste digitale Güterbahnhof Deutschlands. Mit automatisierten Prozessen können Millionen Tonnen CO2 eingespart werden.

Ludwigsfeld/Allach - Weg vom Lkw, ab auf die Schiene – das ist das Motto, dem sich das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) und die Deutsche Bahn (DB) mit Blick auf den Gütertransport verschrieben haben. Um diesen Wandel voranzutreiben, haben Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Sigrid Nikutta, DB-Vorständin für Güterverkehr, nun das Modellprojekt „Digitaler Rangierbahnhof“ am Rangierbahnhof München-Nord vorgestellt.

Rangierbahnhof München-Nord wird erster digitaler Güterbahnhof in Deutschland - Scheuer und Nikutta stellen Projekt vor

Damit entsteht auf dem Bahnareal zwischen Feldmoching, Moosach und Allach der erste digitale Güterbahnhof Deutschlands. Künftig sollen Züge und einzelne Waggons hier automatisch rangiert, ent- und wieder gekuppelt werden.

„Bis 2030 wollen wir 30 Millionen Lkw ersetzen und dadurch zehn Millionen Tonnen CO2 sparen“, erklärte Nikutta. Dazu müsse der Schienenverkehr digitalisiert und automatisiert werden. „Heute werden noch von Hand Stahlkupplungen verbunden oder Bremsen und Fahrzeuge geprüft sowie umständlich rangiert“, betonte Scheuer. Dies sei sehr zeitintensiv. Die Digitalisierung beschleunige und verbessere die Abläufe. Braucht ein Arbeiter heute für die Prüfung der Bremsen bis zu 50 Minuten, könnte dies bald per Tablet in zehn Minuten erledigt sein.

Zum Entkuppeln mussten Mitarbeiter bisher je einen 20 Kilogramm schweren Schlauch lösen.
Zum Entkuppeln mussten Mitarbeiter bisher je einen 20 Kilogramm schweren Schlauch lösen. © Deutsche Bahn AG / Patrick Kuschfeld

Rangierbahnhof München-Nord: Mit Digitalisierung wird CO2 eingespart und der Arbeitsprozess beschleunigt

Auch Schäden werden digital erfasst. „Die Waggons fahren ab diesem Sommer durch eine sogenannte Kamera-Brücke. Diese erzeugt hochauflösende Bilder, durch die Schäden aus allen Winkeln erkannt werden können“, erklärte Ralf Günter Kloß, Vorstand Produktion bei der DB Cargo. „Die künstliche Intelligenz soll dann zu einem späteren Zeitpunkt lernen, Schäden, wie etwa Löcher in den Seitenwänden, selbständig zu melden.“ Die teilweise bis zu einer Stunde dauernde manuelle Arbeit werde dadurch erheblich verkürzt.

Nach der Kamera-Brücke fahren die Güterwaggons über Ablaufberg und automatisierte Weichen zum richtigen Anschlusszug. Dort werden sie durch die „Digitale Automatische Kupplung“ (DAK) angeschlossen. Auch die Waggons selbst erhalten GPS-Tracker und Sensoren, damit sie Stöße, Standort oder Auslastung melden können. „Durch das Vorhaben lassen sich Güterzüge künftig effizienter, schneller und kostengünstiger zusammenstellen“, so Scheuer.

Das Personal braucht sich indes keine Sorgen wegen möglichen Stellenverlusten machen, erklärt ein DB-Sprecher auf Hallo-Anfrage: „Wir werden keine Mitarbeitenden einsparen.“

Das BMVI investiert 14,5 Millionen Euro, die DB weitere zwölf Millionen. Das digitale Testfeld wird in den kommenden Jahren schrittweise in Betrieb genommen. Laut Kloß solle dies größtenteils 2023/24 erfolgen. Da bei der DAK noch Fragen, etwa zur Finanzierung, ausstehen, rechne man ab 2028/29 mit der Inbetriebnahme.

Per Kamera-Brücke sollen Waggons ab diesem Sommer auf Schäden untersucht werden.
Per Kamera-Brücke sollen Waggons ab diesem Sommer auf Schäden untersucht werden. © DB Cargo

Digitales Rangieren

Mit einer vollautomatischen Abdrücklokomotive, die Güterwägen zu -zügen zusammenstellt, werden die Waggons durch eine „Kamera-Brücke“ geschoben. Die Lokomotive erkennt durch Kameras und Sensoren mögliche Gefahren und Hindernisse im Schienen-Umfeld.

Die Kamera-Brücke prüft den Zustand von Wägen, Ladungen und Technik. Die Waggons überprüfen ihre Bremsen selbst. Über automatisierte Weichen werden sie zum richtigen Zug geleitet und automatisch gekuppelt.

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