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Raumbörse auf Raumsuche: 100 Münchner Vereine ohne Heimat 

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Von: Ursula Löschau

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In dem Gebäude an der Arnulfstraße 197 wird es bald kein Kultur- und Bildungszentrum mehr geben.
In dem Gebäude an der Arnulfstraße 197 wird es bald kein Kultur- und Bildungszentrum mehr geben. © ul

100 Selbsthilfegruppen und Vereine werden in München bald heimatlos, weil der Eigentümer den Mietvertrag gekündigt hat. Neue Räumlichkeiten werden dringend gesucht.

Neuhausen - Noch gibt es an der Arnulfstraße 197 ein internationales Kultur-, Bildungs- und Begegnungszentrum.

Es besteht aus der Initiativ Gruppe (IG) Interkulturelle Begegnung und Bildung, dem Netzwerk Münchner Migrantenorganisationen – kurz Morgen – und dem Kulturzentrum Gorod. Zusammen unterstützen die drei Einrichtungen rund 100 Selbsthilfegruppen und Vereine in München.

Doch jetzt brauchen sie selbst Hilfe. Denn ihr Mietvertrag wurde zum kommenden Frühjahr gekündigt. Bald sind sie alle heimatlos.„Wir rufen jetzt ganz laut SOS und hoffen, dass wir gerettet werden“, beschreibt Nina Vishnevska die Notlage.

1998 gründete sie gemeinsam mit einigen Freunden und Gleichgesinnten das Kulturzentrum Gorod, welches heute von Mitgliedern der nichtkommerziellen Organisation „GIK – Gesellschaft für Integration und Kultur in Europa“ getragen wird.

Die Angebote reichen von muttersprachlichen Kursen und Aktivitäten in zuletzt 16 Sprachen über internationalen Jugendaustausch bis zur Raumbörse an der Arnulfstraße.

Nina Vishnevska und Maria Solomina von Gorod sowie Paulo Cesar dos Santos Conceição vom Netzwerk Morgen (v.li.) suchen neue Räume.
Nina Vishnevska und Maria Solomina von Gorod sowie Paulo Cesar dos Santos Conceição vom Netzwerk Morgen (v.li.) suchen neue Räume. © ul

Das Netzwerk Morgen sei als „Kind“ aus dieser Arbeit hervorgegangen, sagt Vishnevska. Dieser Verein fungiert als Dachverband für bis zu 100 Vereine, in denen mehr als 40 verschiedene Sprachen gesprochen werden. Ein Großteil davon nutzt auch Angebote von Gorod, besonders die Raumbörse.

Von 2018 an arbeiteten die Vereine dabei eng vernetzt mit der IG auf mehreren Etagen an der Arnulfstraße 197. „Unser Traum war außerdem ein Seminar- und Veranstaltungsraum im Erdgeschoss“, erzählt die Gorod-Vorsitzende.

Doch daraus wurde ein Albtraum: Die Räume wurden laut Vishnevska erst mit monatelanger Verzögerung und in unnutzbarem Zustand übergeben. Insgesamt habe es „langwierige Mietvertragsverhandlungen“ und „unzählige Differenzen“ gegeben. Nun habe der Eigentümer den Mietvertrag zum 31. März 2022 gekündigt, teilen die Organisationen in einem Hilferuf an die Öffentlichkeit mit.

Gesucht: Zentraler Standort mit öffentlich guter Verkehrsanbindung

Am liebsten würden die Netzwerkpartner gemeinsam aus- und umziehen und suchen daher ausreichend große Räume – zusammen mindestens 2500 Quadratmeter. Außerdem würden sie gerne in Neuhausen bleiben.

„Es ist wichtig, dass man mit Kultur- und Integrationsprojekten auch in oder nahe der Innenstadt bleibt und nicht alles an den Stadtrand gedrängt wird“, sagt Paulo Cesar dos Santos Conceição vom Netzwerk Morgen. Er erklärt: „Unser Klientel braucht einen zentralen Standort mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung, sonst verlieren wir viele Nutzer.“

Nina Vishnevska fügt hinzu: „Ich möchte sicher sein, dass der Verein weiterlebt und eine dauerhafte Heimat hat.“ Sie hofft, „dass gemeinsam mit der Stadt München eine Lösung gefunden werden kann“ und dass das Kulturzentrum als städtische Einrichtung anerkannt wird. Denn: „Unser Name sagt ja schon, dass wir für die Stadt da sind.“ Gorod ist das russiche Wort für „die Stadt“.

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