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Letzter Reitverein vor dem Aus? - Gelände soll zur Nachverdichtung genutzt werden

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Die Zukunft des nach eigenen Angaben letzten Reitvereins Münchens steht in den Sternen.
Die Zukunft des nach eigenen Angaben letzten Reitvereins Münchens steht in den Sternen. © Louisa Lettow

Münchens letzter Reitverein steht vor dem Aus. Das Gelände ist zur Nachverdichtung im Süden eingeplant. Bei der Bürgerversammlung sorgte das für Diskussionen.

Solln Die Zukunft des Reitvereins „Corona“ an der Muttenthalerstraße hat bei der jüngsten Bürgerversammlung im 19. Stadtbezirk für große Diskussionen gesorgt. Vor Kurzem hatte er mit seinen 450 Mitgliedern noch seinen 50. Geburtstag gefeiert hat, nun muss der nach eigenen Angaben letzte Verein seiner Art in München um seine Existenz bangen.

Die Reitschule bietet unter anderem Unterricht für Kinder ab fünf Jahren, therapeutische Stunden in Zusammenarbeit mit der Klinik Menterschwaige sowie kostenloses Reiten für geflüchtete ukrainische Kinder an. Der Verpächter, eine Erbengemeinschaft, will jedoch das Vereinsgelände verkaufen. Noch kann man nicht absehen, welche Auswirkungen dies auf die Einrichtung hat. Sicher ist: Die Stadt hat einen Teil der Fläche über das Vorkaufsrecht bereits erworben, wie Maren Kowitz, Sprecherin des Kommunalreferates, auf Hallo-Nachfrage bestätigte.

Letzter Reitverein vor dem Aus: Reitverein als Angebot für Kinder nützlich

„Städtepolitisch gesehen wäre es ein Skandal, wenn die Verwaltung die Pläne zur Errichtung von bis zu 2500 Wohnungen an der Muttenthalerstraße Straße vorantreiben würde und zugleich die Existenz des Reitvereins aufs Spiel setzt. Unsere Kinder brauchen diese Reitanlage“, betonte Anwohnerin Maren Kuffer. Sie forderte in ihrem Antrag, das Gelände des Reitvereins von jeglicher Bebauung freizuhalten sowie mehr Transparenz zum Thema zu schaffen. Unter großem Applaus wurde der Vorschlag mit einer deutlichen Mehrheit angenommen.

Eine komplette Bebauung des Gebiets beim Reiterhof sei eher unwahrscheinlich, versuchte Franziska Kastner, die bei der Versammlung anwesende Mitarbeiterin des Referats für Stadtplanung und Bauordnung, die Gemüter zu beruhigen. „So schnell wird hier nichts passieren.“

Für den Verein sei noch unklar, ob die Stadt auch den Rest der Fläche erwerben werde. Das teilte auf Hallo-Nachfrage Isabel Nemeth, Vorsitzende des Reitvereins mit. Bei einer teilweisen Bebauung des Geländes hätte die Verwaltung die Möglichkeit, Ausgleichsflächen auf der Südseite des Areals dem Verein zur Verfügung zu stellen und den Fortbestand des Vereins zu sichern. „Wir setzen alle Hoffnung in Stadtrat und Bezirksausschuss“, sagt Nemeth.

Letzter Reitverein vor dem Aus: Gelände soll zur Nachverdichtung genutzt werden

Ludwig Weidinger (CSU), der Vorsitzende des 19. Bezirksausschusses, bestätigte Hallo gegenüber, dass das Gelände, laut dem Stadtentwicklungsplan Step 2040 Teil einer Nachverdichtung mit bis zu 2000 Wohnungen sei. „Hinsichtlich der konkreten Pläne der Stadt besteht weiterhin große Ungewissheit. Ein Erhalt des Vereins hat für uns natürlich Priorität“, unterstreicht Weidinger. Deswegen stehe das Thema „Auskunft über geplante Wohnbebauung Muttenthalerstraße“ bereits auf der Tagesordnung für die nächste BA-Sitzung am Dienstag, 8. November.

Aus einer Stellungnahme des Referates für Stadtplanung und Bauordnung geht hervor, dass die Stadt keine konkreten Pläne gegenwärtig offenlegen will. „Eine Größenordnung von mehr als 2000 Wohnungen lässt sich für den betreffenden Bereich aus dem Step-Entwurf nicht ableiten“, Erst nach noch erforderlichen Untersuchungen werden konkrete Aussagen getroffen“, erklärte Thorsten Vogel, Sprecher des Referats, auf Anfrage von Hallo.

Verkehrsprobleme und Denkmalschutz 

Auch der Verkehr war bei der Versammlung Thema. Es ging es unter anderem um missachtete Parkverbote bei der Herterichschule, dauerhaft abgestellte Wohnwagen und eine Ampel, die zu schnell auf Rot springt. Ein Bürger verlangte zudem die Einführung einer Tempo-30-Zone für die Baierbrunner Straße. „Da brauchen wir eine deutliche Erhöhung der Verkehrssicherheit, besonders vor der Grundschule. Das Kind meiner Nachbarin wurde da fast überfahren“, klagte ein Anwohner. Darüber hinaus forderten die Bürger ein Tempolimit für die Garmischer Autobahn bei Forstenried. Claudia Kaiser von der Initiative Dorfkern-Ensemble Forstenried thematisierte Versäumnisse bei der Restaurierung des Derzbachhofs in Forstenried“. Aus ihrer Sicht seien durch Sanierung des ältesten Bauernhauses Münchens wertvolle Objekte zerstört worden, das Denkmalamt unternehme „nichts dagegen“ (Hallo berichtete) .Sie forderte die Stadt auf, besser mit den Baudenkmälern im Viertel umzugehen.

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