Rollstuhlfahrerin eingeklemmt

Retter vom Münchner Hauptbahnhof aufgespürt ‒ Er bewahrte eine Rollstuhlfahrerin vor Sturz aufs S-Bahn-Gleis

Ein Bild aus der Überwachungskamera zeigt, wie der Mann die Rollstuhlfahrerin vor einem Sturz bewahrt hat.
+
Ein Bild aus der Überwachungskamera zeigt, wie der Mann die Rollstuhlfahrerin vor einem Sturz bewahrt hat.

Eine Rollstuhlfahrerin klemmte am Hauptbahnhof zwischen S-Bahn und Bahnsteig. Ein Retter konnte in letzter Sekunde einen Sturz in Gleis verhindern. Er wird jetzt geehrt.

  • Gestern geriet eine Frau am Hauptbahnhof in eine gefährliche Situation.
  • Ein Rad ihres Rollstuhls klemmte sich zwischen Zug und Bahnsteig ein.
  • Ein Retter konnte den Sturz ins Gleis in aller letzter Sekunde verhindern.
  • Der Mann wird nun von der Polizei geehrt.

Update: 06. August

Der Retter, der eine Rollstuhlfahrerin vor dem sicheren Sturz ins S-Bahn-Gleis am Hauptbahnhof bewahrte, hat sich bei der Polizei gemeldet. Es handelt sich um den 37-jährigen Jürgen Hermann aus dem Schwarzwald. Er befindet sich zur Zeit mit seiner Familie im Urlaub in München.

Jürgen Hermann, 37 jährige Zerspanungsmechaniker aus St. Georgen im Schwarzwald, hat eine Rollstuhlfahrerin im letzten Moment vor dem Sturz ins Gleisbett bewahrt.

Ein Rad des Rollstuhls der 56-jährigen Frau hatte sich bei dem Vorfall am Mittwoch zwischen dem Bahnsteig und einer haltenden S-Bahn verklemmt, wie die Bundespolizei mitteilte. Als der Zug abfuhr, schrammte er in fast voller Länge an der feststeckenden Rollstuhlfahrerin entlang. Am Schluss wäre sie beinahe in die Tiefe gefallen.

„Ich bin ausgestiegen aus der S-Bahn, habe mich umgedreht, ein lautes Krachen gehört und gesehen, dass die Frau da drin hängt und immer wieder gegen den Zug geschlagen ist“, erklärte der 37 Jahre alte Retter der Frau. „Dann bin ich zu ihr hingerannt, habe sie am Rollstuhl gehalten und zu mir gezogen, damit sie nicht immer wieder gegen den Zug knallt“, sagte der Zerspanungsmechaniker weiter. Er habe der Frau so womöglich das Leben gerettet.

Wenige Sekunden später kamen weitere Passanten hinzu. Gemeinsam zogen sie die 56-Jährige zurück auf den Bahnsteig.

Die Frau aus Herrsching am Ammersee kam mit blutenden Verletzungen und Schock in ein Krankenhaus. Sie ist aber der Bundespolizei zufolge auf dem Weg der Besserung. Nach Angaben des Schwarzwälders hat die Rollstuhlfahrerin der Bundespolizei ihre Telefonnummer gegeben, damit sich ihr Retter bei ihr melden kann.

Die Beamten kündigten an, Jürgen Hermann für sein beherztes Eingreifen persönlich ehren zu wollen.

Sowohl der Lokführer als auch die Bahnsteigaufsicht hatten den Vorfall offenbar nicht bemerkt, wie es von der Bundespolizei heißt. Sie nahm Ermittlungen wegen Gefährdung des Bahnverkehrs auf.

Die 56-jährige Rollstuhlfahrerin befindet sich mittlerweile auf dem Weg der Besserung.

---------------------------------------

Hauptbahnhof München: Sturz ins Gleis in letzter Sekunde verhindert - Retter gesucht

Erstmeldung: 05. August

München – Am Mittwochmittag (4. August) verpasste eine Rollstuhlfahrerin im Hauptbahnhof den Einstieg in eine S-Bahn.

Als die S-Bahn losfuhr, geriet ein Rad des Rollstuhls zwischen Bahnsteig und S-Bahn. Hinzueilende Passanten konnten den drohenden Sturz ins Gleis glücklicherweise im allerletzten Moment noch verhindern.

Kurz nach 13 Uhr versuchte eine 56-jährige Deutsche am Gleis 2 im Tiefgeschoss des Münchner Hauptbahnhofes rückwärts in eine S8 Richtung Herrsching einzusteigen. Als mehrere Versuche scheiterten, schlossen sich die Türen und die S-Bahn fuhr los.

Die Frau aus Herrsching war im Rollstuhl sitzend auf dem Bahnsteig zurückgeblieben. Beim Losfahren der S-Bahn geriet ein Rad des Rollstuhls zwischen Bahnsteig und Zug. In dieser Position eingeklemmt, fuhr die S-Bahn aus und schrammte dabei in beinahe voller Länge an der feststeckenden Rollstuhlfahrerin entlang.

Geistesgegenwärtiges und schnelles Eingreifen

Passanten hatten die äußerst kritische Situation und die lauten Hilferufe der Frau glücklicherweise bemerkt. Ein bislang unbekannter junger Mann rannte zu der 56-Jährigen und ergriff den Handlauf des Rollstuhls genau in dem Moment, in dem sich der Zug vom Rollstuhl löste.

Der Mann hielt den gekippten Rollstuhl, mit der darinsitzenden Frau fest und verhinderte damit den sicheren Sturz ins Gleis. Wenige Sekunden später kamen weitere Passanten hinzu und gemeinsam zogen sie den Rollstuhl mit der 56-Jährigen auf den Bahnsteig zurück.

Die Frau wurde mit blutenden Verletzungen und Schock ins Krankenhaus eingeliefert. Zu ihren Verletzungen liegen noch keine näheren Informationen vor.

Sowohl der Triebfahrzeugführer als auch die Bahnsteigaufsicht hatten den Vorfall offenbar nicht bemerkt. Beide mussten nach Übermittlung des Unfallgeschehens abgelöst werden.

Bundespolizei sucht Retter

Die Münchner Bundespolizei hat Ermittlungen wegen Gefährdung des Bahnverkehrs aufgenommen. Zudem wird nach den Personen gesucht, die den Sturz der Rollstuhlfahrerin ins Gleis durch ihr geistesgegenwärtiges, schnelles und beherztes Eingreifen verhinderten.

Insbesondere nach dem Mann, der als erstes den Rollstuhl sicherte, und damit die 56-Jährige vor weiteren schweren Verletzungen bewahrte, wird gesucht.

Er trug ein schwarzes, auffälliges, weißes T-Shirt mit „Gas Monkey“-Druck auf Vorder- wie Rückseite sowie eine schwarze, lange Hose und hellgraue leichte Schuhe. Das Gesicht das ca. 25 bis 30-Jährigen war auf Mund und Nase mit einer weißen FFP2-Maske bedeckt. Neben kurzen, dunkeln Haaren hatte er eine große Tätowierung am rechten Arm.

Der Mann wird gebeten sich unter der Rufnummer 089/515550-1111 bei der Bundespolizeiinspektion München zu melden.

Bundespolizei/dpa/fb/jh

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare