Kein Kiesel

Gegen die Steinwüsten in Vorgärten ‒ Stadt München will gegen „Schottergärten“ vorgehen

Um im Stadtbild solche – ohnehin unrechtmäßigen – „Schottergärten“ zu minimieren, will die Stadt ein Musterverfahren anstoßen. (Symbolfoto)
+
Um im Stadtbild solche – ohnehin unrechtmäßigen – „Schottergärten“ zu minimieren, will die Stadt ein Musterverfahren anstoßen. (Symbolfoto)

Kommt das Aus für Steine in Vorgärten? München will eine Präzedenzfall zur Entsiegelung von „Schottergärten“ schaffen. Zwei Fraktionen fordern sogar noch mehr.

  • München will gegen „Schottergärten“ vorgehen.
  • Die Stadt plant einen Präzedenzfall für Steinwüsten in Vorgärten.
  • Zwei Fraktionen fordern sogar noch mehr...

Pflastersteine, Kiesel, Beton – nicht wenige Münchner Vorgärten zieren sogenannte „Schottergärten“. Bei Bürgern und BAs sorgt das immer wieder für Ärger. Auch die Stadt sieht in den Steinwüsten eine „negative Wirkung auf die Nachbarschaft“.

Laut Bayerischer Bauordnung dürfen solche eigentlich gar nicht genehmigt oder hergestellt werden. Der Widerspruch: Einfamilien-, Doppel- oder Reihenhäuser, an denen die Schotterflächen besonders oft vorkommen, brauchen aber keinen Gestaltungsplan für Freiflächen.

Deswegen will die Stadt nun anders für Abhilfe sorgen, wie Unterlagen der nächsten Ausschusssitzung des Planungsreferats am Dienstag, 7. Oktober, zeigen. Darin heißt es: Das Referat beabsichtige „zeitnah einen besonders gravierenden Fall herauszugreifen und zum Gegenstand eines Musterverfahrens zu machen“. Wo genau, dazu konnte das Referat bis Redaktionsschluss keine Auskunft geben.

Laut Planungsreferat sind Freiflächenpläne erst ab der vierten Wohneinheit auf einem Grundstück erforderlich. Dann müsse auch ein Kinderspielplatz errichtet werden, dessen Lage in Bezug zum Müllhaus, der Zufahrt zur Tiefgarage oder zu Stellplätzen auf dem Hof kindgerechten Gütekriterien genügen muss. 

Demnach gebe es in München keine genehmigten Schottergärten. Die Schottergärten und weitergehende Versiegelungen entstehen meist lange nach einer Baugenehmigung.

Sichtbare und erhebliche Veränderungen in Vorgärten waren in den letzten Jahrzehnten wiederholt Anlass öffentlichen Unmuts, z.B. bei Gartenhäusern, Carports oder Fahrradunterständen. In diesen Zusammenhang seien laut Plaungsreferat auch die Schottergärten einzuordnen. Bislang wurde von den Möglichkeiten einen Rückbau, auch gegen den Willen von Eigentümern zu erwirken nur in seltenen Einzelfällen Gebrauch gemacht.

Auf die Wahl gestalterischer Gartenelemente hätten Fachbehörden ohnehin keinen Einfluss. Schlechter Geschmack ist dort, wie in anderen Lebensbereichen auch, ärgerlich und unangenehm, allerdings noch kein Kriterium für behördliches Einschreiten.

Stadt München will gegen Schottergärten und Steinwüsten in Vorgärten vorgehen 

Den Fraktionen von Grün-Rosa-Liste und SPD/Volt geht das nicht weit genug. „Wir kämpfen um jeden Quadratmeter entsiegelte Fläche, um jedes Fitzelchen Grün in München“, sagt Anna Hanusch, Franktionsvorsitzende (Grüne). „Es gibt ja sehr konkrete Auflagen der Stadt, aber die müssten besser an Bürger und Bauherren kommuniziert werden.“

Bei Missachtung müsse „ein Einschreitungskonzept“ zum Tragen kommen, die Fläche entsiegelt und darüber dem Stadtrat berichtet werden.

Außerdem solle die aktuelle Gestaltungssatzung der Stadt (siehe Kasten) weiter ergänzt werden „um die Untersagung oder Einschränkung von Kies- und Schotterflächen und eine mögliche Gestaltung durch Begrünung mit Pflanzen, Sträuchern und, wo möglich, mit Bäumen vorzuschreiben“. Dazu sollen in künftigen „Bebauungsplänen Kies- und Schottergärten verboten werden.“

Die Lokalbaukommission weist schon jetzt Bauherren in ihrer Beratung auf grüne Gestaltungslösungen mit Pflanzflächen für Bäume, Sträucher, Stauden hin.

Das gilt jetzt

Städtebauliche Instrumente wie die aktuelle Münchner Staffelbauordnung, die Gartenstadtsatzung für manche Stadtbezirke, Bebauungspläne und weitere Vorgaben zu Einfriedungen und Vorgärten stellen bereits Regelungen auf. Diese können hier eingesehen werden.

Auch interessant

Kommentare