„Ein Faustschlag für die Opfer“

Wegen Nazi-Vergangenheit: Schwabinger Lokalpolitiker fordern erneut anderen Namen für Kißkaltplatz  

Der BA 12 fordert, den Kißkaltplatz wegen der NS-Vergangenheit 
seines Namensgebers umzubennen. 
Foto: kf
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Der BA 12 fordert, den Kißkaltplatz wegen der NS-Vergangenheit seines Namensgebers umzubennen.

Erneut fordert der Bezirksausschuss die Umbenennung des Kißkaltplatzes in Schwabing. Der Grund dafür: die NS-Vergangenheit seines Namensgebers.

  • Der BA fordert die Umbenennung des Kißkaltplatzes in Schwabing.
  • Grund dafür ist die NS-Vergangenheit seines Namensgebers.
  • Das Stadtarchiv prüft derzeit, welche Straßen deshalb umbenannt werden können.

SCHWABING - Vor über 75 Jahren wurde München von der Nazi-Diktatur befreit. Doch bis heute gibt es Straßen, die ehemaligen Nationalsozialisten gewidmet sind. Zwar untersucht das Stadtarchiv derzeit die belasteten Namen (Kasten), doch dem BA Schwabing-Freimann geht das zu langsam. Per Antrag erinnert das Gremium jetzt an ein Beispiel im eigenen Bezirk. Es handelt sich dabei um den Kißkaltplatz, nahe des U-Bahn-Halts Giselastraße. 2014 hatte der BA erstmals einen Antrag zur Umbenennung gestellt. „Es dauert jetzt schon sieben Jahre, das kann doch nicht sein“, ärgert sich Initiator Ekkehard Pascoe (Grüne).

Wegen NS-Vergangenheit: BA fordert Umbenennung des Kißkaltplazes

Bei Wilhelm Kißkalt handele es sich um einen „Nazi der frühen Stunde“, so der BA-ler. Das sei spätestens seit 2015 klar. Damals war ein Buch zur Geschichte der Münchener Rück erschienen, bei der Kißkalt während der NS-Zeit als Vorstandsvorsitzender tätig war. Darin heißt es, dass er im Mai 1933 aus persönlicher Überzeugung in die Partei eintrat.

Zur Wiedergutmachung: Kißkaltplatz nach Olga-Benario benennen

Auf Hallo-Nachfrage erklärt das Unternehmen: „Die Diskussion zur Umbenennung des Platzes ist richtig. Wir möchten die politische Meinungsfindung allerdings keinesfalls beeinflussen.“ Weitaus deutlicher wird Pascoe: „Dass Kißkalt durch den Platz nach wie vor geehrt wird, ist ein Faustschlag ins Gesicht der Opfer.“ Einen alternativen Vorschlag hätte er auch: Olga-Benario-Platz – nach der im KZ Ravensbrück ermordeten Münchner Jüdin. Das wäre auch im Sinne einer Wiedergutmachung gedacht. „Sie war genau das Gegenteil: eine Frau und im Widerstand.“

Belastete Straßen

Die Untersuchungen aller 6177 Münchner Straßen des Stadtarchivs ergaben: Bei 40 davon besteht Diskussionsbedarf. Nur für sie kommt eine Umbenennung überhaupt in Frage. Dabei handele es sich um Straßen, deren Namensgeber durch explizite Äußerungen und Handlungen im Zusammenhang mit dem NS-Regime als belastet gelten. 320 weitere Straßen könnten durch Schilder historisch eingeordnet werden. Derzeit arbeite das Stadtarchiv außerdem an passenden Formaten für eine Öffentlichkeitsbeteiligung. 

Auch der BA Obergiesing-Fasangarten hat kürzlich wegen der NS-Vergangenheit des einstigen Namensgebers einen Antrag auf Umbenennung einer Straße im Bezirk gestellt.

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