„Ein Abriss ist nicht akzeptabel“

Schwabing: Die Gebäude an der Leopoldstraße 59 und 61 sollen einem Neubau weichen – daran gibt es Kritik

Das Anwesen an der Leopoldstraße 59 und 61 soll abgerissen werden. 
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Das Anwesen an der Leopoldstraße 59 und 61 soll abgerissen werden. 

Abrisspläne für die Leopoldstraße: Die Gebäude 59 und 61 sollen abgerissen werden und einem Neubau weichen. Doch nicht ohne Kritik.

  • Die Gebäude an der Leopoldstraße 59 und 61 sollen abgerissen werden.
  • Stattdessen ist der Neubau eines Wohn- und Geschäftshauses geplant.
  • Kritik gibt es vom Bezirksausschuss sowie von den Altstadtfreunden.

SCHWABING - Großes Unverständnis im Bezirksausschuss: Das Anwesen an der Leopoldstraße 59 und 61 soll abgerissen werden. Für die Gebäude liegt jetzt ein Bauantrag für ein neues Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage vor, der aktuell von der Lokalbaukommission geprüft wird, wie Thorsten Vogel vom Planungsreferat bestätigt.

Leopoldstraße München: Ärger über Abriss und Neubau 

„Das Vorhaben ist aus zwei Gründen Wahnsinn: Die Bausubstanz ist vollkommen in Ordnung und es handelt sich um ein historisches Gebäude“, erklärt BA-Chef Patric Wolf (CSU) gegenüber Hallo. Dieser Meinung ist auch Florian Grüning, der sich ehrenamtlich beim Verein Altstadtfreunde sowie dem Denkmalnetz Bayern engagiert und 2016 eine Ausstellung zum Anwesen gemacht hat. Er erklärt: Heinrich Mann habe darin gelebt und gearbeitet, in der dort ansässigen Malschule von Hein König hätten sich Mitglieder der Weißen Rose kennengelernt, und Alexander Schmorell habe dort auf seiner Flucht vor den Nazis Unterschlupf gefunden. Was Grüning jedoch komplett aus der Fassung bringt, ist die Tatsache, dass der Eigentümer und Bauherr des Anwesens niemand geringeres als der Wittelsbacher Ausgleichsfonds sei. In Anbetracht der Tatsache, dass sich das Unternehmen dem Schutz kulturellen Erbes verpflichte, sei das „nicht akzeptabel“.

Abriss an der Leopoldstraße: Gebäude hat kein Denkmalschutz

Außerdem ist er sich sicher: Das Gebäude 61 habe den Krieg unbeschädigt überstanden. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege kam 2015 bei Untersuchungen jedoch zum Ergebnis, dass keine Denkmaleigenschaften vorlägen. Im Zweiten Weltkrieg sei das Gebäude stark beschädigt worden. Bei der Wiederherstellung 1947 habe man dann die Grundrisse vollständig geändert, im Gebäude 61 auf die Wiedererrichtung eines Treppenhauses verzichtet und stattdessen die beiden Gebäude gemeinsam über das vollständig neu erbaute Treppenhaus an der Leopoldstraße 59 erschlossen. Zudem sei der Zugang von der Straße her auf die Seite verlegt worden und es habe gravierende Eingriffe in die Fassaden gegeben. „Weder ein Wohnhaus von Heinrich Mann noch ein Ort der Malschule ,Die Form‘, in ihrer Tätigkeit vor 1945, ist am Baubestand anschaulich ablesbar“, so eine Sprecherin. Der Bau von 1947 lasse indes keine besondere Bedeutung erkennen und sei durch verschiedene Umbauten und Erneuerungen nachträglich noch verändert worden. Der Wittelsbacher Ausgleichsfonds wollte sich auf Hallo-Nachfrage nicht zum Thema äußern.

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