Ein Stück Natur für jedermann

Offene Gartenanlage am Parzivalplatz? – Das wünschen sich Anwohner und örtlicher BA – Stadt prüft das Vorhaben

Barbara Epple zeigt auf die Fläche, auf der mehrere Hochbeete angelegt werden sollen.
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Barbara Epple zeigt auf die Fläche, auf der mehrere Hochbeete angelegt werden sollen.

Bereits seit Jahren bepflanzen Anwohner der Parzivalstraße einen Grünstreifen. Jetzt will man sogar einen offenen Garten auf der Grünfläche des Platzes anlegen. Die Stadt prüft das Vorhaben.

Schwabing - Ein bisschen rebellisch ist es schon, was Hubertus Reygers und seine Nachbarn seit gut einem Jahrzehnt tun: Entlang der Parzivalstraße, in der sie wohnen, bepflanzen sie jedes Jahr den Streifen zwischen Straße und Fußweg – mit Blumen, Kräutern und sogar Kartoffeln.

Ob das erlaubt ist? „Soll uns das einer verbieten“, sagt der 64-Jährige nonchalant. Immerhin sieht es schön aus und bringt die Nachbarn zusammen.

„Unsere geernteten Kartoffeln wollten wir letztes Jahr eigentlich gemeinsam an einer großen Tafel essen. Leider hat uns Corona einen Strich durch die Rechnung gemacht“, erzählt der Schwabinger, der nun auf dieses Jahr hofft. Vielleicht steht bis dahin sogar noch mehr auf dem Speiseplan als nur Kartoffeln.

Denn Reygers möchte mit seinen Nachbarn einen offenen Garten auf der Grünfläche am Parzivalplatz einrichten und betreuen. Tomaten, Kürbisse und jede Menge Blumen kann er sich dort vorstellen.

Hubertus Reygers mit dem Grünstreifen vor seinem Haus in voller Blüte.

„Das ist doch ideal in der Krise. Die Leute kommen aus ihren Wohnungen ohne Balkon raus und können etwas tun! Es gibt doch nichts Befriedigenderes, als mit den Händen in der Erde zu buddeln“, so der 64-Jährige.

Ein halbes Dutzend Interessierte gebe es bereits für den Nachbarschaftsgarten. Sie alle haben sich vor kurzem noch gegen die Fällung von Bäumen am Parzivalplatz gewehrt. Dabei kamen sie auch in Kontakt mit Barbara Epple, die für die Grünen im BA Schwabing-Freimann sitzt und dort einen Antrag darauf gestellt hat, dass die Stadt an dem Platz öffentliche Hochbeete einrichtet.

Der BA hat das bereits mehrheitlich beschlossen. „Jetzt muss das nur noch das Baureferat genehmigen. Wir hoffen, das ist bis Ende April geklärt“, so Epple. Die Kosten für Pflanzenkästen und Erde soll dabei die Stadt tragen. „Um die Bepflanzung kümmern sich dann die Anwohner.“

„Wir müssen in München mehr Blühflächen zulassen“

Auf Hallo-Anfrage bestätigt das Baureferat, den BA-Antrag derzeit zu prüfen. Dafür hat es bis Mitte Juni Zeit. Einer Entscheidung wolle man noch nicht vorgreifen, heißt es. Für Epple steht die Stadt aber sogar in der Verantwortung, solche Projekte zu unterstützen.

„In der Stadt haben Kinder sonst kaum die Möglichkeit, Natur zu erleben“, sagt die Grüne. Und: „Wir müssen in München mehr Blühflächen zulassen, vor allem nach dem Bürgerbegehren für Artenschutz, das hier sehr erfolgreich war.“

Ganz ähnlich sieht das Reygers, der aber am liebsten noch einen Schritt weiter gehen würde. „In Andernach bei Koblenz, der sogenannten Essbaren Stadt, stehen alle öffentlichen Grünflächen den Bewohnern zur Verfügung. Warum geht das in München nicht?“

R. Ebert-Adeikis

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