Seepferdchen auf dem Trockenen

Zu wenig Schwimmkurse in München: Schwimmschulen und SWM verzeichnen nach Corona-Lockdown lange Wartelisten

Nach dem Corona-Lockdown gibt es zu wenig Kinder-Schwimmkurse in München. (Symbolbild)
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Nach dem Corona-Lockdown gibt es zu wenig Kinder-Schwimmkurse in München. (Symbolbild)

Im Corona-Lockdown waren die Bäder in München dicht. Jetzt gibt es einen Ansturm auf Kinder-Schwimmkurse bei den privaten Schwimmschulen und bei den Kursen der SWM.

  • Nach den Ende des Corona-Lockdowns gibt es einen Ansturm auf Schwimmkurse.
  • In München gibt es bei den Schwimmschulen und SWM-Kursen in den Bädern lange Wartelisten.
  • Viele Kinder haben vor der Grundschule noch nicht schwimmen gelernt

Matthias Heimbach spricht von 400 bis 500 Kindern. Sie alle warten alleine bei ihm auf einen Anfängerkurs. Wie lang es noch dauern wird, bis sie schwimmen lernen dürfen, ist unklar.

Heimbach bespielt mit seinen Kursen Trainingsorte in München, Gauting und anderen Umlandgemeinden. Er leitet die Schwimmschule „Flipper“. „Wir haben extrem viele Anfragen“, sagt er. „Viele Kinder kommen in die Schule und können nicht schwimmen, weil 2020 einfach nicht genug Kurse stattfinden konnten.“

Nach dem ersten Corona-Lockdown gab es zwar eine kurze Phase der Lockerungen bis Ende Oktober. Dann war wieder alles dicht, auch die Bäder.

Matthias Heimbach, Leiter der Schwimmschule „Flipper“ in München.

Ansturm auf Kinder-Schwimmkurse in München - Schwimmschulen nach Corona-Lockdown mit langen Wartelisten

Benedikt Schubert, Referent beim Bayerischen Schwimmverband, sieht die Lage noch düsterer. Er meint: „Schon vor Corona war die Schwimmfähigkeit schlecht.“ Man sei grundsätzlich zu lange davon ausgegangen, dass die Grundschule fürs Anfängertraining zuständig sei. Doch gebe es nicht genug Schulschwimmbäder.

Außerdem seien zwei Lehrer vorgeschrieben, um etwa Erstklässler im Wasser zu unterrichten – einer für Schwimmer, einer für Nichtschwimmer. „Das eigentliche Problem, das hinter dem generellen Mangel an Schwimmkursen steckt, ist aber die Bereitstellung von Wasserflächen“, erklärt Schubert. „Wasserflächen sind horrend teuer und daher rar.“

Die Stadtwerke München (SWM), die allein über neun Hallenbäder verfügen, haben daher der reinen Theorien nach die meisten Angebote in petto. So starten ab Montag, 21. Juni, im Bad Giesing-Harlaching 16 SWM-Kurse mit Platz für 100 Kinder. „Das ist aber nur der Auftakt. Weitere werden fortlaufend ins Programm genommen“, so SWM-Sprecher Michael Silva auf Hallo-Anfrage.

Lange Wartelisten bei SWM-Kursen in den Bädern

Doch auch bei den SWM-Bädern gibt es Staus. Denn aktuell beziehungsweise ab kommender Woche haben nur einzelne davon offen. Müller’sches Volksbad, Westbad, Michaelibad und das Bad Forstenrieder Park machen beispielsweise erst gegen Ende der Sommerferien auf.

Dort können derzeit also weder die ansässigen Vereine noch die SWM Kurse anbieten. Der Grund für die geschlossenen Bäder laut Silva: „Die SWM hatten ihr Personal bis zur Bekanntgabe der Öffnungsmöglichkeit für Hallenbäder auf den bereits laufenden Freibadbetrieb konzentriert, der aufgrund der corona-bedingten Auflagen personal-intensiver ist als üblich.“

Private Schwimmschulen dürfen nicht in SWM-Bäder. An sich findet das Matthias Heimbach von der Schwimmschule „Flipper“ verständlich.

Aber: „Manchmal würden wir gerne mit Einzelstunden ins öffentliche Bad, etwa für behinderte Kinder.“ Das aber ist nicht erlaubt. Seine Münchner Kurse finden in Schulschwimmbädern oder im Becken des „Salesianum“ in Haidhausen statt.

Heimbach frustriert die Konkurrenz angesichts der aktuellen Notlage: „Derzeit macht wirklich kein Anbieter dem anderen das Geschäft kaputt, denn die Nachfrage ist viel zu hoch.“

Die Lage bei den Wasserwachten

Die teils Corona-bedingte Nichtschwimmerflut beschäftigt auch die Lebensretter an der Isar und den Seen. „Diese Situation ist äußerst besorgniserregend“, sagt Nils Neumann Sprecher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG), Ortsverband München-Mitte. „Übermut und Selbstüberschätzung gepaart mit Alkohol sind darüber hinaus die großen Risikofaktoren für Badeunfälle.“ Daniela Haupt, Sprecherin der Wasserwacht Bayern, erklärt: „Wir appellieren an die Eltern, ihre Kinder zu keiner Zeit aus den Augen zu lassen.“ Immerhin konnten sich bei beiden Einrichtungen zahlreiche Einsatzkräfte impfen lassen, um das Risiko einer Ansteckung untereinander oder einer Ansteckung bei der Rettung zu verringern. 

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