Umstrittenes Projekt

Aus für SEM im Norden von München? Umweltverbände sehen 95% der neuen Stadtviertel-Fläche als schützenswert

Hier ist noch Platz für bedrohte Arten: Neben dem Flussregenpfeifer und der Feldlerche brütet auch der Kiebitz im für die Bebauung vorgesehenen Gebiet .
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Hier ist noch Platz für bedrohte Arten: Neben dem Flussregenpfeifer und der Feldlerche brütet auch der Kiebitz im für die Bebauung vorgesehenen Gebiet .

Nachdem die Stadt München den Klimanotstand ausgerufen hat, fordern der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz den Naturschutz auch zu beachten.

  • Die geplanten Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM) im Norden von München sind umstritten.
  • Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) fordern mehr Klimaschutz von der Stadt.
  • 95 Prozent der neuen Stadtviertel-Fläche sei schützenswert.

Die Stadtpolitik bei den eigenen Beschlüssen packen: Das möchten die Münchner Kreisgruppen von Bund Naturschutz (BN) und Landesbund für Vogelschutz (LBV) bei der geplanten Stadtentwicklungsmaßnahme (SEM) im Münchner Norden. Dafür wurden über Monate Daten gesammelt und ausgewertet.

Das Fazit: Rund 95 Prozent der 900 Hektar großen Fläche, auf der ein neues Stadtviertel entstehen soll, halten die Umweltverbände für besonders schützenswert. Eine Ausnahme sei die Fläche zwischen der bestehenden Siedlung Feldmoching und der Autobahn.

Das Bauvorhaben sorgt seit Jahren für Streit. Zuletzt die Entscheidung des Stadtrats, im Juli 2020 doch wieder im Rahmen einer SEM zu planen (Hallo berichtete).

Man wolle keine Bauempfehlung aussprechen, sind sich die Vertreter von BN und LBV einig. „Es ist unstrittig, dass wir in einer Krise leben. Das ist auch bei der Stadtpolitik angekommen“, erklärt Sophia Engel (LBV).

SEM im Norden von München - 95% der geplanten Stadtteilfläche sei schützenswert

Nachdem die Stadt den Klimanotstand ausgerufen habe, müsse nun der hohe Stellenwert des Naturschutzes auch bei der Stadtplanung berücksichtigt werden. Feldmoching biete ein besonders in Corona-Zeiten wichtiges Gut: wohnortnahe Erholung.

Christian Hierneis (BN) warnt davor, das Grundwasser abzusenken, wie es derzeit im Rahmen der SEM im Münchner Nordosten für den Bau von Tiefgaragen der Fall ist. Der aktuelle Grundwasserstand ermögliche es, auch in trockenen Sommern gut Landwirtschaft betreiben zu können.

Die Gebiete sind dem Bericht nach zudem relevant, weil dort kalte Luft entstehen kann – das habe gemeinsam mit Frischluftschneisen eine sehr hohe klimatische Bedeutung. Das sieht die Politik genauso: Laut aktuellem Koalitionsvertrag sollen diese Flächen auch nicht mehr bebaut werden. „In München brauchen wir bezahlbaren Wohnraum und bezahlbare Naherholung“, erklären LBV und BN.

Um Ersteres zu schaffen, sieht Hierneis die Politik bei der Landesentwicklung in der Pflicht, Anreize für Unternehmen zu schaffen, sodass die Jobs nicht nur in München und dessen Umland entstehen. Zudem gebe es noch Potenzial, durch Aufstockung mehr Wohnungen zu schaffen.

Gutachten will auch das Planungsreferat einholen. Grundsätzlich sei planerisch, insbesondere mit den ökologischen Gegebenheiten, sensibel umzugehen, erklärt Sprecher Thorsten Vogel. „Derzeit befinden wir uns noch in einem sehr frühen Untersuchungsstadium.“ Je nach Ergebnis rechne man frühestens in circa 15 bis 20 Jahren damit, Baurecht zu schaffen.

Ein Bienen-Paradies in Feldmoching

„Ich habe mir nicht vorstellen können, wie gut Imkerei im Stadtgebiet funktioniert“, erklärt Edward Obika. Der Imkermeister stellt in Feldmoching Bio-Honig her. Für seine Bienen seien die Rahmenbedingungen ideal, die Saison reiche von April bis fast in den Oktober. Daher solle alles genau so bleiben wie es ist.

Edward Obika ist Bio Imker aus Feldmoching.

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