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Unter Sendlinger Schule: Archäologen stoßen auf Spuren eines 3000 Jahre alten Dorfs 

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Von: Theresa Reich

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Die Archäologen graben auf der Baustelle in Sendling die letzten Funde aus.
Die Archäologen graben auf der Baustelle in Sendling die letzten Funde aus. © tr

Wertvollen Funde wurden unter einer Sendliner Grundschule von Archäologen geborgen. Drei Monate wurde gebuddelt, vermessen und datiert. Was genau alles entdeckt wurde. Inklusive Fotos.

Sendling - Archäologen sind auf der Baustelle der Grundschule an der Plinganserstraße 28 auf einen bedeutenden Fund gestoßen: Eine 3000 bis 3200 Jahre alte Siedlungsstruktur.

„Bisher hat man Funde aus der Bronzezeit hier in Sendling nicht vermutet. Jetzt haben wir ein Puzzlestück mehr”, sagt Ausgrabungsleiter Jonas Friedrich.

Drei Monate haben er und sein Team vom ReVe Büro für Archäologie gegraben, gepinselt, geputzt, vermessen, datiert und freigelegt. Das Ergebnis: 20 Bananenkisten voll mit tellergroßen Keramikscherben und tierischen Knochen aus der Bronzezeit, sowie mit Fundstücken aus anderen Epochen.

Wie eine Gürtelschnalle aus dem Mittelalter, glasiertes Geschirr aus dem 19. Jahrhundert und Teile einer Ofenkachel aus der Jugendstil-Zeit. Beauftragt vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sollten die Archäologen hier, bevor mit dem Bau einer neuen Turnhalle begonnen wird, den Boden untersuchen.

Ausgrabungsleiter: Jonas Friedrich.
Ausgrabungsleiter: Jonas Friedrich. © tr

Eigentlich hatten die Archäologen Überreste eines frühmittelalterlichen Friedhofs auf der Baustelle der Sendlinger Grundschule erwartet. Die Vermutung: Eine nahegelegene Begräbnisstätte der Margaretenkirche hätte bis zum Schulgrundstück gereicht.

Doch gefunden haben sie etwas viel älteres: Dunkle Verfärbungen im Boden mit erdiger und schluffiger Konsistenz – sogenannte Pfostengruben – deuten auf einen Teilgrundriss eines Gebäudes hin.

„Innerhalb dieser Pfostengruben haben wir dann Keramik freigelegt, das sich anhand von Vergleichsfunden aus Ingolstadt und Erding auf etwa 30 bis 50 Jahre genau datieren lässt”, erklärt der Grabungsleiter. Die Tonscherben waren „der Leitfund“ aus der Urgeschichte.

Auch Merkmale damaliger Modeerscheinungen helfen bei der zeitlichen Einordnung. „Schon damals wollte man nicht die gleiche Keramik wie Oma”, fügt er hinzu. Die Gefäße haben spezielle Leistenverzierungen, die mit den Fingern geformt wurden.

Auch die Herstellungstechnik spreche für eine Zeit, in der es weder eine Töpferscheibe noch heiße Öfen gab, in denen der Ton durchgebrannt werden konnte, folgert der Archäologe.

Im nächsten Schritt wird das gesammelte Geschirr gereinigt, vermessen und genau untersucht. Ein mittelalterliches Gefäß, dessen Teile fast vollständig sind, könne von Restauratoren wieder zusammengesetzt werden.

Das Referat für Bildung und Sport stellt der Schule in Aussicht, einzelne Fundstücke als anschauliche Lernobjekte zu übergeben. Ob und in welcher Präsentationsform ist noch offen.

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