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„Gorillas“ radeln im Affenzahn zu Münchens Türen - zum Leid der Verkehrssicherheit?

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Von: Theresa Reich

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Von der Verteiler-Station des Lieferdienstes „Gorillas“ an der Hansastraße 136 radeln die Fahrradkuriere zum nächsten Kunden.
Von der Verteiler-Station des Lieferdienstes „Gorillas“ an der Hansastraße 136 radeln die Fahrradkuriere zum nächsten Kunden. © Theresa Reich

Ein Antrag der Bürgerversammlung Sendling fordert schärfere Regeln für „Gorillas“ Lieferservice, um die Verkehrssicherheit in Münchens Straßen zu gewährleisten.

Sendling - „Die ‚Gorillas‘ fahren wie gesenkte Säue, überholen wo es zu eng ist, radeln entgegen der Fahrtrichtung oder rasen durch Innenhöfe auf der Suche nach der Lieferadresse“, klagt Peter Rosner. Das Werbeversprechen „Lebensmittel geliefert in zehn Minuten“ des Lieferservice „Gorillas“ führe zu einer „aggressiven Fahrerei“ der Radler, welche die Waren zu den Kunden bringen, findet er.

„Gorillas“ in München: Durch Zeitdruck eine Gefahr für die Sicherheit im Straßenverkehr?

Damit es nicht zu Unfällen im Straßenverkehr kommt, reichte der Sendlinger bei der Bürgerversammlung des sechsten Stadtbezirks einen entsprechenden Antrag ein, der auf breite Zustimmung traf. Er fordert: Die Stadt soll auf die Lieferdienste, vor allem auf die Firma „Gorillas“, einwirken, die Verkehrssicherheit nicht zu gefährden.

„Das Werbeversprechen setzt die Fahrradkuriere, die mit E-Bikes unterwegs sind, unter Druck“, moniert Rosner. Er beobachte, wie sie von der Verteiler-Station an der Hansastraße 136 starten und von dort weiterstrampeln in Richtung Lindenschmit- oder Lindwurmstraße und dabei viele Ampeln sowie Kreuzungen queren. Erst kürzlich beschwerten sich auch Anwohner der Maxvorstadt über das Liefer-Chaos vor dem „Gorillas“-Warenlager an der Lothstraße.

„Gorillas“ Lieferservice wirbt mit Zehn-Minuten-Versprechen

Fahrradkurierin Giulia Manca fühlt sich von ihrem Arbeitgeber nicht zeitlich unter Druck gesetzt. „Wir fahren so schnell, weil es uns Spaß macht, nicht um die zehn Minuten einzuhalten“, erklärt die 35-jährige Italienerin. Das Einzugsgebiet decke einen Radius von drei Kilometern ab, und mit dem E-Bike sei das machbar. „Jeder ist für sich und seine Fahrweise verantwortlich.“ Alles andere liege in der Verantwortung der Polizei, findet Manca.

Ein paar Regeln gebe es trotzdem: Es besteht Helmpflicht, weil sonst die Arbeitsversicherung bei einem Unfall nicht zahle. Und als Einstieg bekämen die Radler eine Sicherheitseinführung und seien angehalten, ihr E-Bike einer Qualitätskontrolle zu unterziehen. Außerdem spreche ein zuständiger Betreuer Verwarnungen aus, wenn jemand eine Verkehrsregel breche, erklärt ein Mitarbeiter der Hansastraße. Bei drei Verstößen drohe die Kündigung.

„Gorillas“ und Polizei München geben Entwarnung: mehr Sicherheit als Vergehen im Straßenverkehr

„Wir halten unser Zehn-Minuten-Versprechen gegenüber unseren Kunden nicht um jeden Preis ein“, erläutert Unternehmenssprecherin Natalie Torbett. Die Sicherheit der Fahrer habe „höchste Priorität“. Zudem seien die Kuriere angewiesen, die Verkehrsregeln einzuhalten.

Auf Hallo-Nachfrage berichtet Hauptkommissar Marc Aigner, dass die Polizei München bisher keine „Gorillas“-Radler bei Verkehrsstraftaten erwischt hätte. Bei kleineren Verkehrswidrigkeiten, wie falschem Parken oder telefonieren beim Fahren, liegen aber keine Kenntnisse vor, da hier die Person – nicht die Firma – verwarnt wird. Beschwerden über die Radler und deren Fahrstil gab es aber keine.

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