Öffnungen abgesagt

Die Münchner Kultur zwischen Hoffen und Bangen

München: Der „Kulturlieferdienst“ ermöglicht wie vergangenen Sommer schon Live-Konzerte
+
München: Der „Kulturlieferdienst“ ermöglicht wie vergangenen Sommer schon Live-Konzerte

Wie die Kultur in München trotz verschobener Öffnungen langsam wieder erwacht.

  • Der „Kulturlieferdienst“ organisiert Straßenkonzerte.
  • Theater-Öffnungen ab 22. März sind wegen steigender Fallzahlen nicht wie geplant möglich.
  • Veranstalter entwickeln Hygienekonzepte, um das Bedürfnis der Menschen nach Kultur erfüllen zu können.

Eigentlich sollte der 22. März das Erwachen der Münchner Kulturszene einläuten. „Die kulturelle Durststrecke nähert sich dem Ende“, verkündete Kultusminister Bernd Sibler, nachdem der Ministerrat beschlossen hatte, dass Theater, Konzert- und Opernhäuser bei einer 7-Tages-Inzidenz von unter 100 ab 22. März öffnen können. Doch aufgrund der steigenden Infektionszahlen mussten diese Lockerungen abgesagt werden.

Davon nicht betroffen sind bisher Mini-Konzerte der besonderen Art. Denn: Geht es nach Kulturmanager Benjamin David, verfügt München über 6177 Konzertsäle. Und trotz Corona sind sie allesamt geöffnet. Denn beim „Kulturlieferdienst“ spielen Bands auf der Straße. Das ist derzeit erlaubt, weil die Konzerte als Versammlungen beim KVR angemeldet sind – mit höchstens 200 Teilnehmern.

„Wir betonen stets die Hygieneregeln, malen Kreise zum Abstandhalten auf den Boden, wenn es voller wird, unterbrechen wir die Veranstaltung“, erklärt David. „Es ist keine Kritik der Corona-Maßnahmen. Tatsächlich nehmen wir sie noch ernster, um aufzuzeigen, wie Kunst und Kultur stattfinden können.“

Kreise auf dem Boden helfen Konzertbesuchern den nötigen Abstand zu halten.

Kultur in München: Bangen, um den Erhalt der kulturellen Vielfalt

61 Bands sind bisher bei 119 „Kulturlieferungen“ aufgetreten – und es werden mehr. „Wir haben gerade weitere Anträge gestellt“, sagt David. 22 von 25 Bezirks­ausschüssen bezuschussen das Projekt bereits. Entsprechend sind Veranstaltungen in der gesamten Stadt geplant. Termine, Künstler und Spendenmöglichkeit auf www.isarlust.org.

Öffnungen, wie ursprünglich geplant, zum Lockdown-Jahrestag wären ein dringender Schritt gewesen. „Derzeit bangen wir um den Erhalt der kulturellen Vielfalt, die München wesentlich kennzeichnet und die Existenz zahlreicher Kulturbetriebe“, sagt David Süß, Vorstandsmitglied im Verband der Münchener Kulturveranstalter (VDMK). Wichtig für die Zukunft: „Eine Übernahme der Risiken, die unsere Veranstalter eingehen, wenn sie für das kommende Dreivierteljahr planen.“

Kultur in München: „Das Bedürfnis nach Kultur und Musik ist ungebrochen.“

So wie es etwa Florian Zwipf-Zaharia von Arte-Musica-Poetica gerade macht. „Ich gehöre der Das-Glas-ist-halbvoll-Fraktion an“, sagt der Veranstalter. Für Mai hat er das neue „Jubiläumsfestival“ im Kloster Andechs mit Kammermusik aus verschiedenen Jahrhunderten auf die Beine gestellt. Ein Risiko, das er eingehen möchte – „weil das Bedürfnis der Menschen nach Kultur und Musik ungebrochen ist“.

Der Clou: Alle Nicht-Geimpften Personen werden vor dem Konzert gratis getestet. Der Test wird in einem Zelt vor dem Konzert von Fachpersonal durchgeführt. Dieses Konzept dürfte beim Publikum ankommen, kann Sascha Schloifer, Inhaber der Agentur Vollblut LiveMarketing, bestätigen. Er hat in einer bayernweiten Erhebung untersucht, welche Erwartungen das Publikum für den Neustart hat: „Eine zentrale Erkenntnis der Umfrage ist, dass die Akzeptanz der Hygienemaßnahmen sehr hoch ist. Mehr noch: Das Publikum fordert Hygienekonzepte sogar ein.“ Sein Rat deshalb: „Wir empfehlen Veranstaltern, das Hygienekonzept in den Mittelpunkt ihrer Kommunikation zu nehmen.“

Sebastian Obermeir

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Kommentare