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Pionierarbeit an der LMU: Bundesweit einzigartiger Studiengang zu Autismus startet

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Von: Marie-Julie Hlawica

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Professor Markowetz hat den Studiengang „Pädagogik bei Autismus-Spektrum-Störungen“ (P-ASS) an der LMU ins Leben gerufen.
Professor Markowetz hat den Studiengang „Pädagogik bei Autismus-Spektrum-Störungen“ (P-ASS) an der LMU ins Leben gerufen. © Marie-Julie Hlawica

An der LMU startet ein bundesweit einzigartiger Studiengang: „P-ASS“ nennt er sich in Kurzform und betreibt Aufklärungsarbeit zu Autismus. Warum der Studiengang so wichtig ist, verrät Thomas Schneider:

MÜNCHEN In München startet an der LMU der bundesweit erste Studiengang „Pädagogik bei Autismus-Spektrum-Störungen“ (P-ASS). Professor Reinhard Markowetz hat diese Neuerung für aktuell 65 Lehramtsstudenten am Institut für Sonderpädagogik der LMU vorangetrieben: „Er soll künftigen Pädagogen helfen, autistische Kinder und Jugendliche besser zu verstehen und in der Schullaufbahn zu begleiten.“

Besonders zudem: Der Studiengang ist für Lehramtsstudenten aller Schulformen, Grund- wie Mittelschule, Förder- und Realschule sowie Gymnasien, offen.

Thomas Schneider (34), selbst Autist, begrüßt das: „Professor Markowetz leistet hier wichtige Pionierarbeit, die hoffentlich auch von weiteren Universitäten und Hochschulen im Bundesgebiet übernommen wird.“

Schneider: „Aufklärung ist längst überfällig“ - Studienangebot wird von vielen Studierenden angenommen

Schneider bekam seine Diagnose, Asperger-Autismus, spät: „Bis dahin habe ich mich immer anders gefühlt.“ Trotz Hochbegabung und dem IQ von über 140 kennt er Versagensängste, das Unverständnis der Gesellschaft. „Mich haben Außenreize überlastet, ich war ständig in Panik. Heute kann ich besser kompensieren, ziehe mich dann bewusst zurück.“

Thomas Schneider bemüht sich schon lange um Aufklärung in der Öffentlichkeit.
Thomas Schneider bemüht sich schon lange um Aufklärung in der Öffentlichkeit. © Marie-Julie Hlawica

Über Autismus ist in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Schneider: „Aufklärung ist längst überfällig. Nur wenige Sonderpädagogen haben die Zusatzqualifikation zu Autismus.“ Er selbst hätte früh mehr Unterstützung benötigt: „Autisten werden von Reizen überflutet. Das Gehirn meldet Panik. Autisten sind im permanenten Überlebensmodus, werden oft an Förderschulen abgeschoben.“

Studiengang zu Autismus: Plan musste über mehrere Jahre reifen

Schneider, der mit seiner Website inter-mundos.de an die Öffentlichkeit gegangen ist, plädiert dafür, dass Autismus allgemein in der Gesellschaft akzeptiert wird: „Grundsätzlich bräuchte es in vielen weiteren Bereichen, wie der medizinischen Versorgung, Psychotherapie, Rettungswesen und Behörden, Personal mit Zusatzqualifikation zum Thema Autismus, da viele Personengruppen zwar potenziell Kontakt zu Autisten haben, aber dennoch über keinerlei Grundkenntnisse hierzu verfügen.“

Fünf Jahre hat Professor Markowetz mit Ministerien am Studienplan gefeilt, freut sich über den Lehrstart: „Wir hatten mit 30 Studenten gerechnet. Dass es mehr als doppelt so viele sind, bestätigt die Mühe!“

Autismus

Den Begriff „Autismus“ verwendete Kinderpsychiater Leo Kanner. Das von ihm 1943 beschriebene Krankheitsbild ist heute als frühkindlicher Autismus (Kanner-Syndrom) bekannt. Die Reizflut stört Betroffene in Wahrnehmung, Konzentration und Kommunikation. Bei 1000 Geburten können zwei frühkindliche Autisten, drei Kinder mit Asperger-Syndrom geboren sein. Bayern startet nun eine Expertengestützte „Autismusstrategie“. 

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