1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Hallo München

Haus für Kinder an der Postillonstraße hat ersten Therapiebegleithund im Einsatz: Was Annabel tut

Erstellt:

Von: Ursula Löschau

Kommentare

Die Kinder legen Leckerlis in die Boxen und verfolgen zusammen mit Christiane Landmann, wie Annabel diese herausbekommt. Danach gibt’s noch Streicheleinheiten. Das fördert Feinmotorik, logisches Denken, Teamarbeit und das Selbstvertrauen der Kleinen – und der Hündin macht es sichtlich Spaß.
Die Kinder legen Leckerlis in die Boxen und verfolgen zusammen mit Christiane Landmann, wie Annabel diese herausbekommt. Danach gibt’s noch Streicheleinheiten. Das fördert Feinmotorik, logisches Denken, Teamarbeit und das Selbstvertrauen der Kleinen – und der Hündin macht es sichtlich Spaß. © Ursula Löschau

Annabel ist die erste Therapiehündin im Haus der Kinder. Nach zahlreichen Prüfungen und unter strengen Auflagen darf die Labradordame die Kinder unterstützen...

GERN Die Zitzen am Bauch, die Lefzen am Maul, die Wolfskrallen an den Läufen: Den bisher rund 35 Mädchen und Buben im neuen Haus für Kinder an der Postillonstraße 11A entgeht kein Detail an Annabel und sie werden nicht müde, wissbegierig Fragen nach der Anatomie und dem Verhalten der viereinhalbjährigen Labra­dordame zu stellen. Kita-Leiterin Christiane Landmann freut sich über jede dieser Fragen. Denn sie sind ein Indiz dafür, dass die Hündin ihren Job bestens erledigt. Und das im gerade angefangenen Kita-­Jahr meist täglich außer mittwochs. „Da hat sie ihren freien Tag“, sagt Landmann.

Mit ihrer Hündin nimmt die 44-Jährige bisher eine Vorreiterrolle in städtischen Kitas ein. Zwar gibt es dort schon seit Jahren sogenannte tiergestützte Interventionen unter anderem mit Meerschweinchen, Kaninchen und pädagogischen Assistenzhunden. Unter den aktuell neun Mensch-Hunde-Teams ist Annabel jedoch die einzige Therapiebegleithündin mit einer eineinhalbjährigen speziellen Ausbildung.

Erster Therapiehund im Haus der Kinder: Labrador Annabel nach zahlreichen Prüfungen Teil des Teams

Darum hat sich Landmann schon vor Jahren auf eigene Kosten gekümmert, als sie noch Kita-Leiterin bei einem freien Träger war. „Das ist für mich eine Herzensangelegenheit“, betont sie. Und Annabel kennt es nicht anders. „Seit ihrer zehnten Woche ist sie dabei in der Kita.“ Als Landmann vor einem Jahr zur Stadt wechselte, schlug sie den Einsatz ihrer Hündin in ihrer neuen Wirkungsstätte an der Postillonstraße vor.

„Wir mussten dann noch diverse Prüfungen absolvieren, aber es hat alles geklappt.“ Von der Eröffnung der neuen Einrichtung im Frühjahr an gehört der Labrador nun zum Team. „Viele Familien bewerben sich ganz bewusst wegen unseres Konzeptes hier, und genauso etliche Kollegen, weil sie sich explizit dafür interessieren“, sagt die Leiterin.

Annabel unterstütze die Kinder in ihrer ganzheitlichen Förderung, sie helfe ihnen dabei, Selbstvertrauen auf- und Ängste abzubauen. „Wenn ein Kind diesem großen Hund ein Kommando gibt und der hört darauf, dann wachsen die Kinder förmlich um mindestens einen Meter“, nennt Landmann ein Beispiel. Und: „Ein Hund hat keine Vorurteile. Er nimmt jedes Kind vorbehaltlos so an, wie es ist.“

Erster Therapiehund im Haus der Kinder: 450 Familien auf der Warteliste

Stress kennt Annabel allerdings ebenso wie ihre zweibeinigen Kolleginnen. Deshalb legt ihr „Frauchen“ größten Wert darauf, dass genügend Pausen eingelegt werden. „Nach einer halben Stunde Arbeit mit den Kindern braucht sie dreimal so lange Regenerationszeit“, erklärt sie. Als Rückzugsort dient ihr Büro. „Das ist der Vorteil, wenn man Kita-Leiterin ist.“ Außerdem gibt es für den Einsatz von Tieren in städtischen Kitas strenge Vorgaben – angefangen bei einem speziellen Hygieneplan über eine Ausbildung für Mensch und Tier bis hin zu diversen Fortbildungen.

„Man muss sich bewusst sein, dass das mit viel Arbeit und Verantwortung verbunden ist. Aber mir macht das Spaß, sonst würde ich’s nicht tun. Und Annabel hat eine Aufgabe. Ich glaube, sie würde sich sonst zu Tode langweilen,“ betont die 44-Jährige.

Aktuell ist die Einrichtung noch im Aufbau. In den Anfangsmonaten gibt es eine Kindergartengruppe (25 Plätze) und eine Krippengruppe, die gerade auf elf Kinder anwächst. Ab Oktober werden sich zwei weitere Kindergarten- und Krippengruppen füllen, sodass bis zum Frühjahr alle 74 Plätze belegt sein werden. Von freien Kapazitäten will die Leiterin zu Beginn des Kita-Jahres aber nicht sprechen. „Wir haben bereits rund 450 Familien auf der Warteliste.“

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Auch interessant

Kommentare