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Ärger um das Ubo 9: Quarter M löst 2022 Kulturnetz als Träger ab

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Von: Andreas Schwarzbauer

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Martina Krämer ist enttäuscht, dass die Trägerschaft des Ubo 9 wechselt.
Martina Krämer ist enttäuscht, dass die Trägerschaft des Ubo 9 wechselt. © Andreas Schwarzbauer

Der Verein „Quarter M“ übernimmt ab 2022 das Aubinger Kulturzentrum Ubo 9. Der jetzige Träger „Kulturnetz 22“ kritisiert die Entscheidung und seinen ehemaligen Vorstand

Aubing - Martina Krämer fühlt sich ausgebootet. Das Kulturnetz 22, dessen Vorsitzende Krämer seit Juli ist, verliert zum Ende des Jahres die Trägerschaft des Kulturzentrums Ubo 9. Der Nutzungsvertrag mit der Stadt München war nur auf fünf Jahre befristet gewesen, die Trägerschaft wurde daher neu ausgeschrieben.

Aubing: Stadtrat wählt Quarter M statt Kulturnetz 22 als neuen Träger des Ubo 9

Das Kulturnetz warf erneut seinen Hut in den Ring. Der Stadtrat entschied sich allerdings für die gemeinnützige Gesellschaft Quarter M als neuen Betreiber für das Ubo 9.

Die Bewerbung des Kulturnetzes habe aus formalen Gründen abgelehnt werden müssen, „da die in der Ausschreibung geforderten Unterlagen nicht erbracht wurden“, so das Kulturreferat. Unter anderem hätten ein Grobkonzept und Referenzen gefehlt.

Das Team des Kulturnetz, allen voran Martina Krämer (3. v.li.) ist enttäuscht über den Wechsel der Trägerschaft am Ubo 9.
Das Team des Kulturnetz, allen voran Martina Krämer (3. von links), ist enttäuscht über den Wechsel der Trägerschaft am Ubo 9. © Kulturnetz

Krämer verweist darauf, dass sie und ihre Vorstandskollegen erst zwei Tage vor Ablauf der Frist im Juli für die Bewerbung neu gewählt worden waren. „Wir hatten nur einen Tag, um etwas auf die Beine zu stellen. In der Kürze der Zeit war es für uns nicht möglich, ein Programm zu konzipieren.“

Aubing: Kulturnetz kritisiert alten Vorstand wegen fehlender Bewerbung für Ubo 9

Auf Vorbereitungen des alten Vorstands um Wolfgang Mayer habe man nicht zurückgreifen können, denn dieser habe sich nicht um die Bewerbung gekümmert, so Krämers Vorwurf. Aufsichtsrat Helmut Pfundstein vermutet sogar, dass der alte Vorstand des Kulturnetzes die Mitgliederversammlung so spät angesetzt habe, um „den Weg für den neuen Betreiber freizumachen“. Dazu passe auch, dass Mayer erst sehr spät darüber informiert habe, dass er den Vorsitz aus Altersgründen abgeben will.

Mayer zeigt sich entsetzt über die Vorwürfe. Er habe den Aufsichtsrat bereits im Januar informiert, dass der Vorstand nicht mehr antreten wolle. Anschließend habe er im März und Juni in den Einladungen zur Mitgliederversammlung Neuwahlen angekündigt und gebeten, dass sich Bewerber für die Vorstandsposten melden sollen. Rückmeldungen habe er keine erhalten.

Als die Ausschreibung für die Trägerschaft des Ubo 9 vorlag, habe er sie sofort an die Mitgliedervereine des Kulturnetzes geschickt. Es habe somit genügend Vorbereitungszeit für die Bewerbung gegeben. „Sie sollten sich Gedanken machen, ob sie es weiter machen wollen oder nicht. Ich habe nichts mehr gehört.“ Erst auf der Mitgliederversammlung sei der Beschluss dazu gefasst worden.

Kritik am neuen Träger des Zentrums - Geschäftsführerin von Quarter M kontert

Kritik übt Krämer vom Kulturnetzwerk auch am neuen Träger. Quarter M sei eine „ortsfremde Organisation“, die als Verein für Sozialarbeit keine Erfahrung im Kulturbereich habe. „Wir haben die Befürchtung, dass das Ubo 9 nun vorrangig ein soziales Haus wird und die Kultur hinten ansteht“, sagt Krämer.

Zudem habe Quarter M noch nicht einmal das Personal für den Betrieb des Ubo 9 – während das Kulturnetz sogar eine Kulturmanagerin im Vorstand habe. Auf ihrer Internetseite sucht die Gesellschaft einen hauptamtlichen Leiter und einen Mitarbeiter für das Kulturzentrum.

Man betreibe elf Nachbarschafts­treffs und den Stadtteilladen in Giesing, so die Geschäftsführerin von Quarter M, Alexandra Ruzicka. „Alle unsere Einrichtungen sind soziokulturelle Einrichtungen, die die sozialen, kulturellen und politischen Interessen und Bedürfnisse der Menschen verknüpfen.“ Daher fänden dort die unterschiedlichsten kulturellen und künstlerischen Projekte statt.

Zudem ist Quarter M mit Stefanie Junggunst schon im Stadtbezirk präsent. Sie organisiert seit zwei Jahren als Kulturstreetworkerin verschiedene Veranstaltungen. „Sie kennt sich in der Stadtteilkultur aus“, meint BA-Chef Sebastian Kriesel (CSU). Ihm ist wichtig, dass lokale Initiativen weiterhin berücksichtigt werden.

Man führe die Zusammenarbeit mit der VHS, der Arbeitsgemeinschaft der Aubinger Vereine und dem Förderverein „1000 Jahre Aubing“ fort, versichert Ruzicka. Man hoffe auch, dass sich das Kulturnetz weiterhin einbringe. Das will der Verein auch. „Wir wollen eine Kooperationsvereinbarung, die eine geregelte Teilnahme am Veranstaltungsbetrieb sichert“, sagt Krämer.

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