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Trotz Wechsel-Fehler und Einspruch des SC Freiburg beim DFB ‒ Sieg des FC Bayern München bleibt bestehen

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Von: Benedikt Strobach

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Verwirrte Gesichter um Schiedsrichter Christian Dingert: Weil der FC Bayern München am Samstag kurzzeitig mit zwölf Spielern agierte, musste die Bundesliga-Partie der Münchner beim SC Freiburg minutenlang unterbrochen werden.
Verwirrte Gesichter um Schiedsrichter Christian Dingert: Weil der FC Bayern München am Samstag kurzzeitig mit zwölf Spielern agierte, musste die Bundesliga-Partie der Münchner beim SC Freiburg minutenlang unterbrochen werden. © Philipp von Ditfurth/dpa

Der Wechsel-Fehler des FC Bayern München bei dem Bundesliga-Spiel gegen den SC Freiburg bleibt ohne Konsequenzen. Der DFB übt aber Kritik an den Schiedsrichtern.

Update: 08. April

Trotz des Wechsel-Fehlers und dem Einspruch des SC Freiburg beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) bleit der 4:1 Sieg des FC Bayern bestehen. Der DFB verkündete die Entscheidung seines Sportgerichts am Freitag. Die Freiburger hatten am Montagabend Protest gegen die Spielwertung eingelegt, da der Club formal in der aktiven Rolle sei, die Vorgänge rechtlich überprüfen zu lassen.

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Bundesliga-Sieg des FC Bayern München bleibt auch nach Wechsel-Fehler und Einspruch des SC Freiburg beim DFB bestehen

Nach Ansicht des Sportgerichts war dem FC Bayern München „der schuldhafte Einsatz eines nicht einsatzberechtigten Spielers“ nicht anzulasten. Damit liege kein Grund für eine Aberkennung des Sieges vor. Vielmehr sei ein gravierendes Fehlverhalten von Schiedsrichter Christian Dingert und seinem Team Ursache des Wechsel-Fehlers.

Die Bayern hatten bei der Partie am vergangenen Samstag für wenige Sekunden zwölf Spieler auf dem Feld, ehe der Referee die Begegnung beim Stand von 1:3 aus Freiburger Sicht unterbrach. Zuvor war bei der geplanten Auswechslung von Kingsley Coman die falsche Rückennummer durch Münchens Teammanagerin angezeigt worden. Der Franzose fühlte sich wohl nicht angesprochen und ging bei einem Doppelwechsel zunächst nicht vom Platz. In dieser Phase kam es jedoch zu keinen spielentscheidenden Szenen.

Nach Wechsel-Fehler beim Bundesliga-Spiel des FC Bayern München gegen Freiburg - Kritik des DFB an Schiedsrichtern

Die Beteiligung der Bayern an dem Wechsel-Chaos reiche „auch unter Gesichtspunkten der Verhältnismäßigkeit nicht aus, um die gravierende Rechtsfolge einer Spielumwertung zu rechtfertigen“, sagte Stephan Oberholz, der Vorsitzende des Sportgerichts.

Das Schiedsrichter-Team sei seinen Pflichten „in mehrfacher Hinsicht schuldhaft nicht nachgekommen“, fügte Oberholz hinzu. Der vorliegende Fall sei auch nicht vergleichbar mit dem Wechsel-Fehler des VfL Wolfsburg, der im DFB-Pokal bei Preußen Münster unerlaubt einen sechsten Auswechselspieler in die Partie gebracht hatte. Dem VfL war danach der Sieg aberkannt worden.

In der Tabelle liegen die Bayern somit nun weiter neun Punkte vor Verfolger Borussia Dortmund an der Spitze. Freiburg belegt den zur Teilnahme an der Europa League berechtigenden Rang fünf - mit drei Punkten Rückstand auf RB Leipzig auf Champions-League-Platz vier und mit einem Zähler Vorsprung auf die sechstplatzierte TSG 1899 Hoffenheim. Die Breisgauer können gegen das Urteil binnen eines Werktags Einspruch einlegen.

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Update: 04. April, 18.18 Uhr

Drohen dem FC Bayern Konsequenzen nach Wechsel-Fehler in Bundesliga-Spiel? SC Freiburg legt Einspruch beim DFB ein

Nun herrscht Klarheit - und der FC Bayern muss um die drei Punkte vom Wochenende fürchten: Der SC Freiburg hat offiziell Einspruch beim DFB wegen des Wechselfehlers vom Rekordmeister im Bundesliga-Spiel am Samstag eingelegt. Die Breisgauer begründeten diesen Schritt in einer langen Stellungnahme. Es seien „alle Aspekte, die im Rahmen der Gesamtverantwortung für den Verein, vor allem in wirtschaftlicher, sportlicher und rechtlicher Hinsicht bedeutsam sein können“ diskutiert worden.

Der Verein sehe sich in einem „unverschuldetem Dilemma“, da man keinen Anteil am Wechsel-Fehler habe. Dennoch werde man von der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB gezwungen, nun aktiv zu werden. Der SC Freiburg fühle sich in dieser Rolle „ausgesprochen unwohl“ und habe „keinerlei Interesse“ an ihr. Man habe sich dennoch für ein juristisches Vorgehen gegen die Spiel-Wertung entschieden.

Dies begründet der Bundesliga-Fünfte mit mehreren Argumenten. Unter anderem soll so dem Sportgericht die Möglichkeit gegeben werden, Fragen rund um den Wechsel-Fehler sportrechtlich zu bewerten. Dies könnte Rechtssicherheit in späteren, vergleichbaren Fällen gewährleisten.

Damit wird das Spiel nun tatsächlich vom DFB überprüft. Sollte das Sportgericht nach Paragraf 17, Absatz 4 der Rechts- und Verfahrensordnung urteilen, würde der FC Bayern das Spiel nachträglich mit 0:2 am „grünen Tisch“ verlieren. Für Freiburg wären diese drei Punkte im Kampf um die Europa-Ränge immens hilfreich, man würde zum Tabellenvierten RB Leipzig aufschließen. Auch Borussia Dortmund, Tabellenzweiter der Bundesliga, wäre dadurch wieder auf sechs Punkte am Rekordmeister aus München dran.

Entscheidend dafür dürfte die Frage sein: War Kingsley Coman, der für knapp 17 Sekunden als zwölfter Spieler der Münchner auf dem Platz stand, nicht einsatz- oder spielberechtigt? Der französische Flügelspieler hatte den Platz nicht rechtzeitig nach einem geplanten Doppelwechsel verlassen, weil Team-Managerin Kathleen Krüger die falsche Rückennummer auf der Tafel verkündete. Auf die angezeigte 29 reagierte Coman nicht. Auch Schiedsrichter Christian Dingert fiel der Fehler erst nach Hinweis durch Freiburgs Nico Schlotterbeck auf.

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Update: 04. April, 12.09 Uhr

SC Freiburg prüft Einspruch bei DFB nach Wechsel-Fehler des FC Bayern München bei Bundesliga-Spiel

Der SC Freiburg hat im Fall des Wechsel-Fehlers des FC Bayern München bis Montag um Mitternacht Zeit, Einspruch einzulegen. Ein Sprecher des Deutschen Fußball-Bundes verwies am Montag auf die Rechts- und Verfahrensordnung des DFB. Demnach besteht in solchen Fällen nicht bis zu 48 Stunden nach Schlusspfiff des Spiels, sondern zwei volle Tage lang nach dem Spieltag die Möglichkeit eines Einspruchs.

Konkret heißt es in Paragraf 17: „Einsprüche gegen die Wertung von Bundesspielen müssen innerhalb von zwei Tagen nach Ablauf des Tages, an dem das Spiel stattgefunden hat, bei der DFB-Zentralverwaltung schriftlich eingelegt und in kurzer Form begründet werden.“

Beim 4:1-Sieg des Bundesliga-Tabellenführers am Samstagnachmittag in Freiburg waren die Bayern kurz vor dem Ende beim Stand von 3:1 für wenige Sekunden mit zwölf Spielern auf dem Platz, ehe Schiedsrichter Christian Dingert die Begegnung unterbrach. Zuvor war bei der geplanten Auswechslung von Kingsley Coman die falsche Rückennummer angezeigt worden. Der Franzose fühlte sich wohl nicht angesprochen und ging bei einem Doppelwechsel zunächst nicht vom Feld.

Die Verantwortlichen des SC Freiburg prüfen einen Einspruch. Sollten die Freiburger davon absehen, wird auch der DFB nicht tätig werden. 

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Welche Konsequenzen dem FC Bayern München nach dem Wechselfehler in Freiburg drohen

Erstmeldung: 03. April

Es war eine Szene, die viele Fußballfans vor den Fernsehbildschirmen und im Stadion rätseln ließ: Kurz vor Schluss der Bundesliga-Partie zwischen dem SC Freiburg und dem FC Bayern München wurde das Spiel beim Stand von 3:1 für die Gäste aus der bayerischen Landeshauptstadt von Schiedsrichter Christian Dingert unterbrochen. Der anfangs unklare Grund wurde recht schnell bekannt: Der Rekordmeister aus München hatte zwölf statt elf Spieler auf dem Platz.

Wechselfehler bei Bundesliga-Spiel des FC Bayern München gegen den SC Freiburg - Zwölf Spieler kurzzeitig auf dem Platz

Zwar agierten die Bayern, in deren Heimstadion im Herbst erstmals ein NFL-Spiel in Deutschland stattfindet, nur etwa 15 Sekunden in unerlaubter Überzahl und konnten sich dadurch keinen spielentscheidenden Vorteil erarbeiten. Dennoch könnte dieser Fehler Folgen für die Mannschaft von Julian Nagelsmann haben - die sogar den Verlust der drei Punkte möglich machen (Bayern hatte am Ende mit 4:1 gesiegt).

Doch was war eigentlich passiert? In der 86. Minute sollten Niklas Süle und Marcel Sabitzer für Corentin Tolisso und Kingsley Coman, der kurz zuvor noch das 3:1 erzielt hatte, eingewechselt werden. Tolisso verließ auch den Platz, Süle und Sabitzer betraten ihn - Coman jedoch blieb auch auf dem Feld. Damit waren für kurze Zeit 12 Spieler der Gäste aktiv im Spiel. Nach minutenlanger Unterbrechung verließ Coman das Feld und das Spiel wurde mit einem Schiedsrichterball fortgesetzt.

Wechselfehler bei Bundesliga-Spiel des FC Bayern München gegen den SC Freiburg - Droht nachträglicher Punktverlust?

Ob die Szene nun Folgen hat, bleibt offen. Felix Zwayer, der an dem Spieltag als Videoschiedsrichter tätig war, glaubt nicht daran: „Es ist aus meiner Sicht nicht mit der Situation zu vergleichen, wenn ein Spieler, der nicht im Spielbericht drin steht, am Spiel teilnimmt“, sagte er im ZDF-Sportstudio. Alle Spieler der Bayern auf dem Rasen seien grundsätzlich spielberechtigt gewesen. „Das ist in den Fußballregeln geregelt und nicht in den Statuten, wie damit umzugehen und zu verfahren ist.“

Sky-Experte Didi Hamann hingegen forderte direkt nach dem Spiel Konsequenzen für den Rekordmeister aus München. „Das ist ein Regelverstoß. Wenn einer aufs Feld geht, hat ein anderer runterzugehen. Es spielt keine Rolle, ob sie 20 Sekunden zu zwölft spielen oder fünf Minuten“, sagte er. „Dass es geahndet werden muss, steht für mich außer Frage.“ Hamann führte weiter aus: „Sie sind selber Schuld. Wenn man einen Trainerstab von 10 oder 15 Leuten hat, muss einer sehen, dass da zwölf Leute auf dem Platz sind.“ Für ihn sei es vorstellbar, dass die Bayern die Punkte nachträglich abgezogen bekämen.

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) zumindest wird nicht von sich aus eingreifen. „Der Kontrollausschuss hat keine rechtlichen Möglichkeiten, Einspruch gegen die Spielwertung einzulegen“, sagte ein DFB-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Die Freiburger müssen also selbst Einspruch einlegen. Auch am Tag nach den kuriosen Szenen prüften die Verantwortlichen der Breisgauer die Lage. „Wir werden etwas kommunizieren, wenn es etwas zu kommunizieren gibt. Einen Zeitplan haben wir dafür nicht“, sagte ein SC-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur. Offiziell haben sie dafür bis Montagnachmittag Zeit.

Sollte Freiburg tatsächlich protestieren, bliebe die Frage, welche Regel angewendet würde. Regel 3 der Fußball-Regeln des DFB besagt unter anderem in dem Abschnitt „Zusätzliche Personen auf dem Spielfeld“:

Dies hätte im Prinzip keine Konsequenzen. Debattiert wird aber auch, ob in diesem Fall Paragraf 17 Absatz 4 der Rechts- und Verfahrensordnung des DFB angewendet werden könnte. Darin heißt es:

War in einem Spiel ein Spieler nicht spiel- oder einsatzberechtigt, so ist das Spiel für die Mannschaft, die diesen Spieler schuldhaft eingesetzt hatte, mit 0:2 verloren und für den Gegner mit 2:0 gewonnen zu werten, es sei denn, das Spiel war nach dem Einsatz des nicht spiel- oder einsatzberechtigten Spielers noch nicht durch den Schiedsrichter fortgesetzt. In diesem Fall bleibt die Spielwertung bestehen.

DFB-Rechts- und Verfahrensordnung, Paragraf 17, Absatz 4

Dadurch könnte dem FC Bayern das eigentlich souveräne 4:1 aberkannt und als 0:2-Niederlage gewertet werden.

Wechselfehler bei Bundesliga-Spiel des FC Bayern München gegen den SC Freiburg - Uneinigkeit bei Schuldfrage

Über die Schuld am Fehler gibt es unterschiedliche Ansichten. Schiedsrichter Dingert sieht die Verantwortung bei Bayerns Teammanagerin Kathleen Krüger. „Der Spieler Coman mit der Nummer 11 hat sich nicht angesprochen gefühlt in dem Moment. In Abklärung zwischen Bayern und dem Vierten Offiziellen wurde das dann versäumt, dass der Spieler Coman das Feld verlassen hat“, erklärte der Referee bei Sport1. Anscheinend wurde Comans alte Rückennummer 29 auf der Anzeigetafel gezeigt. Der Franzose trägt jedoch nun die 11 - und fühlte sich daher offenbar nicht angesprochen.

DFB-Schiedsrichterchef Lutz Michael Fröhlich sieht hingegen bei Dingert und seinem Team zumindest eine Teilschuld für das kurze Chaos. „Es wäre gut gewesen, wenn man vor der Spielfortsetzung noch einmal einen Check gemacht hätte. Das wäre von Schiedsrichter-Seite das Optimale gewesen“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur und kündigte eine Aufarbeitung der Geschehnisse an.

Eigentlich hätte es nach Wiederanpfiff einen Freistoß für Freiburg statt eines Schiedsrichterballs geben müssen. Auch eine Gelbe Karte für Coman wäre laut Regelwerk möglich gewesen.

Wechselfehler bei Bundesliga-Spiel des FC Bayern München gegen den SC Freiburg - Einspruch steht noch aus

Tatsächlich hatte den Fehler zuerst SC-Verteidiger Nico Schlotterbeck bemerkt. „Mir ist aufgefallen, dass kein Spieler rausging. Ich habe dann dem Schiedsrichter Bescheid gegeben“, sagte der Neu-Nationalspieler am Sky-Mikrofon. Auch Nils Petersen, der den zwischenzeitlichen Ausgleichstreffer für Freiburg erzielt hatte, habe den Wechselfehler nicht bemerkt. „Wenn der Nico Schlotterbeck nichts gesagt hätte, hätten wir wahrscheinlich noch weiter so gespielt. Wie oft spielen wir im Training elf gegen neun - und es passiert nichts?“, meinte der SC-Profi und Spezialist für Jokertore schmunzelnd.

Petersen denkt jedoch, dass die Szene noch ein Nachspiel haben könnte. Man habe noch Zeit, „um Protest einlegen zu können. Da werden die Telefone heute heiß glühen hier im Stadion, und dann wird man halt abwägen, was das Richtige ist“, sagte der 33-Jährige am Sonntag bei Sky. Das Ganze sei „natürlich Thema Nummer eins in der Kabine“. Am Samstag hatte Trainer Christian Streich das noch ausgeschlossen. „Wir müssen keinen Einspruch einlegen, denn wir unterliegen einem Regelwerk.“ Gemäß der DFB-Regeln wirken Konsequenzen nicht sehr wahrscheinlich, zumal während der kurzen Überzahl nichts Entscheidendes passierte.

Die Szene wird auch weiterhin für Diskussionen sorgen. Während ein möglicher Einspruch der Freiburger noch unklar ist, wird der FC Bayern bestimmt schnell damit abschließen wollen. Am Mittwoch, 6. April, geht es für den deutschen Rekord- und Serienmeister nämlich zum wichtigen Champions League Viertelfinal-Hinspiel nach Villareal (21 Uhr bei DAZN).

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