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Gemeinsames Fest an Weihnachten und Neujahr ‒ Wie slawische Bräuche in München gefeiert werden

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Großväterchen Frost und seine Enkelin Snegurochka tanzen und singen mit den Kindern.
Großväterchen Frost und seine Enkelin Snegurochka tanzen und singen mit den Kindern. © Viktoriya Romanenko

Für viele Geflüchtete aus der Ukraine ist das Neujahrsfest wichtiger als Weihnachten. In der Ballett-und Tanzschule „Dilly-Dance“ können sie es auf traditionelle Weise feiern.

München ‒ Nur noch eine Woche, dann ist Weihnachten. Für viele Flüchtlinge aus der Ukraine sind es die ersten Feiertage, die sie in München verbringen. Für manche von ihnen ist aber das Neujahrsfest nach wie vor das wichtigste Fest des Jahres (siehe Kasten).

Wo können sie es auf traditionelle Weise feiern? Zum Beispiel beim festlichen Märchenabend am Wochenende, 17. und 18. Dezember, im Theaterstudio „Alles ist möglich“, das als selbständiges Projekt bei der Ballett-und Tanzschule „Dilly-Dance“ an der Baierbrunnerstraße 28 existiert.

So werden Weihnachten und Neujahr nach slawischen Brauch in München gefeiert

Über 200 Gäste versammeln sich, um zu tanzen und bekannte Neujahrslieder zu singen. Mit dem interaktiven Theaterstück „Zauberwald“ will man den kleinen Gästen ein Lächeln ins Gesicht zaubern. „Wir freuen uns auf alle Kinder, die zu unserer Feier kommen, unabhängig von ihrer Herkunft“, betont Zhanna Diktovska, die 2005 aus Kiew nach Deutschland gezogen ist und seit 17 Jahren die Tanzschule leitet.

Unter den Gästen werden dann auch geflüchtete ukrainische Kinder sein, die bereits ein Teil der Tanzschul-Familie „Dilly-Dance“ geworden sind.

Für viele Geflüchtete aus der Ukraine ist das Neujahrsfest besonders wichtig

Die neunjährige Veronika ist eine von ihnen. Im März ist sie mit ihrer Mutter, ihrem Bruder und Großvater aus ihrer Heimatstadt Charkiw geflohen. Der Vater ist im Land geblieben. „Wir wohnen bei meinem Onkel, der seit langem mit seiner Familie in München lebt“, erzählt Veronika.

Die neunjährige Veronika ist bereits ein Teil der Tanzschul-Familie „Dilly-Dance“.
Die neunjährige Veronika ist bereits ein Teil der Tanzschul-Familie „Dilly-Dance“. © Daria Gontscharowa

Sie besucht den Regelunterricht an einer Grundschule – und tanzt. Viel und leidenschaftlich. Mit vier Jahren hat Veronika damit angefangen. Sie freut sich, dass sie auch hier die Möglichkeit hat, eine Tanzschule zu besuchen. „Ich komme sehr gerne zum Fest. Es wird ein Märchen über meine Lieblingsschneemänner gezeigt und dann kommt Großväterchen Frost“, sagt das Mädchen und lächelt. Da sich bei der Neujahrsfeier Kinder gerne verkleiden, überlegt sich auch Veronika, ob sie ein Kostüm anzieht.

Auch Veronikas Mutter Olga freut sich auf das Fest: „Für meine Tochter ist es eine sehr gute Möglichkeit, wieder Normalität zu empfinden.“

Veronika will auch einen Tannenbaum zum Neujahrsfest in der Wohnung schmücken und sagt, dass das Leben in München ihr gut gefällt. „Nur Papa fehlt mir. Ich wünsche mir sehr, dass er bei uns wäre“, sagt die Neunjährige. Ein Trost: Ein slawischer Brauch besagt, dass der Herzenswunsch in der magischen Zeit zwischen den Jahren in Erfüllung gehen kann. dar

Besonderheiten von Weihnachten und Silvester 

Nicht Weihnachten, sondern die Neujahrsfeier (Silvester) ist der Höhepunkt im russischen Festkalender. Mit der Revolution 1917 wurde das christliche Weihnachtsfest abgeschafft und bestimmte Bräuche zum Neujahresfest übernommen. Obwohl das orthodoxe Weihnachten am 7. Januar (nach dem julianischen Kalender) seit 1991 wieder offizieller Feiertag in Russland ist, bleibt das Neujahrsfest bis heute der höchste Feiertag im postsowjetischen Raum. Zum Fest kommen die Figuren aus der slawischen Folklore: Großväterchen Frost und seine Enkelin Snegurochka. Auch der Tannenbaum wird geschmückt. In der Ukraine gibt es seit 2017 zwei offizielle Weihnachtsfeiertage: den 25. Dezember und den 7. Januar. 

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