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Die Entscheidung für das Doemens-Areal steht kurz bevor - ein letztes Mal wehren sich die Anwohner

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Bei der Idee des Gemeinde-Bauberaters Bertold Ziersch wird das alte Schulhaus umgebaut und die Doemens-Villa durch einen Neubau ersetzt, der bis zur Schmidbauerstraße ragt. So könnten 44 Wohnungen entstehen. Die Anwohner wünschen sich hingegen maximal 24 Wohneinheiten.
Bei der Idee des Gemeinde-Bauberaters Bertold Ziersch wird das alte Schulhaus umgebaut und die Doemens-Villa durch einen Neubau ersetzt, der bis zur Schmidbauerstraße ragt. So könnten 44 Wohnungen entstehen. Die Anwohner wünschen sich hingegen maximal 24 Wohneinheiten. © Ziersch/Fix Visuals

Im Februar soll die Größe des Wohnprojekts auf dem Doemens-Areal festgelegt werden – jetzt wehren sich Anwohner mit einer Petition gegen die Pläne der Gemeinde.

Gräfelfing - Erst vor vier Monaten ist die Gräfelfinger Brauakademie „Doemens“ von ihrem bisherigen Gelände an der Ecke Schmidbauerstraße/Stefanusstraße in einen Neubau an der Lohenstraße gezogen. Schon Jahre währt hingegen der Streit darüber, wie das verlassene Areal in Zukunft aussehen soll. Während die Gemeinde das Grundstück für 44 Wohnungen nutzen möchte, drängen die Anwohner auf eine verträgliche – sprich: kleinere – Lösung. Nun könnte der Zwist in seine letzte Runde gehen.

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Zukunft für Gräfelfinger Doemens-Areal: Anwohner fordern kleinere Lösung

Der Hauptausschuss des Gemeinderats hat sich jüngst einstimmig dafür ausgesprochen, mögliche Wohnkonzepte in einem moderierten Beteiligungsprozess für Bürger (siehe Kasten) auszuloten. Dieser soll starten, sobald ein Bebauungsplan für das Areal steht. Der wird am Donnerstag, 3. Februar, dem Gräfelfinger Bauausschuss zur Abstimmung vorgelegt.

Die Folge: Die Anwohner, die für ihr Anliegen bereits im Sommer 2021 den Verein „Freunde der Gartenstadt Gräfelfing“ (FdGG) gegründet hatten, haben jetzt auch eine Online-Petition gestartet, die sich an den Gemeinderat Gräfelfing wendet. „Wir möchten neuen, bezahlbaren Wohnraum, jedoch nicht zu Lasten der Gräfelfinger Gartenstadt“, heißt es darin. FdGG-Vorsitzender Johannes Schmidt-Fischer erklärt: „Uns geht es nicht um Einfamilienhäuser auf dem Doemens-Gelände. Da sollen Mehrfamilienhäuser hin, aber so, dass die Bewohner auch etwas davon haben. Etwa einen Garten.“

Wohnungsbau am Doemens-Areal: Anwohner und FdGG gegen Pläne der Gemeinde

Ein eigener Entwurf von FdGG und der Architektin Marion Ziegler sieht statt 44 nur 24 Wohnungen in drei Häusern vor, dazu einen Treffpunkt im Grünen und einen Weg über das Grundstück. Das sei aber undenkbar, solange die Gemeinde auf eine Geschossfläche von 3700 Quadratmetern besteht. „Dabei passt diese Größe überhaupt nicht zur Umgebung“, sagt Schmidt-Fischer.

Außerdem habe sich die Gemeinde selbst auferlegt, dass die „vorhandene Struktur als locker bebaute Gartenstadt erhalten bleiben soll“, zitiert der FdGG-Vorsitzende aus einem früheren Bebauungsplan, der auch das Doemens-Areal mit einschloss. Von der Petition – die bisher 60 Mal unterzeichnet wurde – erhoffen sich die Gartenstadt-Freunde ein Umdenken der Gräfelfinger Lokalpolitiker.

Bebauung am Doemens-Areal: Bürger-Beteiligung als letzte Chance

„Es wäre schön, wenn wir noch einen Kompromiss finden“, betont Schmidt-Fischer und erinnert daran, dass auch die Wohnhäuser an der Rottenbucher Straße dank einer Unterschriftensammlung nur drei- statt vierstöckig gebaut wurden. „Grundsätzlich geht es uns aber nicht nur um Doemens, sondern auch um andere Baupläne für Gemeindegrundstücke, etwa die Bahnhofstraße 105.“

Dass ihre Bedenken in dem von der Gemeinde beschlossenen Beteiligungsprozess aufgegriffen werden, glauben die FdGG nicht. „Wir werden unsere Ideen sicher einbringen. Aber das ist schwierig, wenn die Baumasse schon vorgegeben ist.“

Beteiligung: So soll der Prozess ablaufen

Vor allem um Wohnkonzepte soll es in dem beschlossenen Beteiligungsprozess gehen. Um dafür Ideen zu entwickeln hatte sich bereits 2021 die „Interessengemeinschaft (IG) Alte Brauakademie“ gegründet. Deren Co-Vorsitzender – Dritter Bürgermeister Martin Feldner (Grüne) – hofft nun, dass der Beteiligungsprozess zeitnah zum Beschluss des Bebauungsplans starten kann.

Auf dessen Basis sollen dann Konzepte erarbeitet werden, „aus denen der Gemeinderat eines aussucht oder eine Synthese veranlasst“. Daran soll sich ein Architekturwettbewerb anschließen. „All diese Prozesse sollten in einem oder anderthalb Jahren abgeschlossen sein.“ Dann könnte ein Neubau in circa zweieinhalb Jahren starten, wenn die Gemeindebücherei wegen der Sanierung des Bürgerhauses das Doemens-Schulgebäude nicht mehr als Interimsstandort braucht.

Eine Absage erteilt Feldner der Debatte um eine Verkleinerung des Wohnprojekts: „Städtebauliche Fragen, die sich aus Konzepten zu Wohnformen ergeben, sollten in einem Bürger-Workshop nicht erörtert werden. Dafür sind dann die Profis aus Verwaltung und Architektenbüros zuständig.“ Die IG „Alte Brauakademie“ vertrete zudem die Ansicht, dass bezahlbares Wohnen nur dann möglich ist, „wenn die hohen Grundstückskosten auf möglichst viele Bewohnende aufgeteilt werden. Gemeinschaftliches Wohnen wird begünstigt, wenn eine möglichst große aktive Gruppe entsteht, die die weniger Aktiven und die Mitbewohnenden in besonderen Lebenssituationen mitziehen kann.“

Quelle: www.hallo-muenchen.de

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