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Zero-Waste-Konzept nur Müll? Münchner Initiativen kritisieren Strategie der Stadt & fordern Wertstofftonne

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Von: Romy Ebert-Adeikis

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Müllberge seien nur das sichtbare Problem sagen Josef Metzger (li.) und Ulrich Grasberger.
Müllberge seien nur das sichtbare Problem sagen Josef Metzger (li.) und Ulrich Grasberger. © Romy Ebert-Adeikis

München will „Zero-Waste“-Stadt werden und somit dem Müllproblem entgegenwirken. Mehrere Bürgerbündnisse begrüßen die Pläne zwar grundsätzlich, aber fordern mehr Ambition...

München/Neuried - Mit einer Resolution wollen fünf Initiativen und Vereine – darunter der Bund Naturschutz, „Müll-München“ oder die „Plastikpaten“ im Würmtal – Münchens Abfall-Probleme in den Griff bekommen. Ihnen zufolge braucht es mehr, als nur „Zero-Waste-City“ („Null-Müll-Stadt“) zu werden. Einem solchen europäischen Netzwerk war München Ende November beigetreten.

Unter anderem hat sich die Verwaltung vorgenommen, bis 2035 die städtische Restmüllmenge um 35 Prozent pro Kopf zu reduzieren. Um das zu erreichen, wurden 40 Maßnahmen festgelegt – unter anderem soll es von 2024 bis 2027 in fünf Stadtgebieten versuchsweise eine Wertstofftonne geben.

Zero-Waste-Konzept für München: Fehlende Ambition als Kritikpunkt

„Generell begrüßen wir den Weg der Stadt“, sagt Josef Metzger vom Verein „Das bessere Müllkonzept Bayern“, der auch an der Resolution beteiligt war. „Aber das Programm ist nicht ambitioniert genug.“ Das sieht der Abfallwirtschaftsbetrieb München (AWM) auf Hallo-Anfrage anders: „Es ist nicht Aufgabe des Konzepts, Ziele zu setzen, die die Bevölkerung entmotivieren statt zum Mitmachen zu animieren.“ Tatsächlich sammelt München bisher deutlich weniger Wertstoffe als andere Städte (siehe Kasten).

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Metzgers Mitstreiter – der Moosacher Ulrich Grasberger von „Müll-München“ – glaubt: „Würde die Wertstofftonne sofort für die ganze Stadt eingeführt, brächte das mehr als das Zero-Waste-Konzept in 15 Jahren – wenn alle Maßnahmen umgesetzt werden.“ Wegen dieser Forderung haben sich auch die „Plastikpaten“ angeschlossen, sagt Initiatorin Dorit Zimmermann aus Neuried. Wie München habe die Gemeinde noch ein Bringsystem für Wertstoffe. „Und es funktioniert nicht. Die Wertstoffinseln sind ständig verdreckt.“ Mit dem Pilotversuch verliere man „wertvolle Jahre“, zumal es zig Vorbilder gebe.

Zero-Waste-Konzept für München: Langfristige Konzepte gesucht

„Es gilt, das beste langfristige Konzept für München zu finden und dabei nicht ohne Erfahrungen über tatsächliche Recyclingquote und -ort zu agieren“, sagt AWM-Sprecherin Kathrin Stanner-Junghanns. München sei mit kleineren Städten wie Augsburg nicht vergleichbar. So fehle in vielen Häusern der Platz für zusätzliche Tonnen.

Die Müll-Initiativen fordern hingegen noch mehr davon: „In vielen Münchner Mehrfamilienhäusern gibt es derzeit auch keine Biotonne“, hat Metzger beobachtet. Dabei könnte ein höheres Sammelergebnis beim Biomüll viel bewirken: „Da steckt so viel Energie drin!“, sagt Metzger. Darum fordern er und seine Mitstreiter eine größere Bio-Vergärungsanlage für München, welche die Energie in Erdgas umwandelt, das eingespeist werden kann.

Mindestens 150 000 Tonnen sollten vergoren werden. Das sind mehr als drei Mal so viel wie in der bestehenden Anlage, die laut AWM noch bis 2026 betrieben werde. Für diese wird – wie für das Pilotprojekt zur Wertstofftonne – laut AWM noch im Dezember dem Kommunalausschuss eine Machbarkeitsstudie vorgestellt.

Beim Restmüll spitze, bei Wertstoffen Schlusslicht

Zum Münchner Zero-Waste-Konzept gehört auch eine Bestandsaufnahme der Müllentsorgung in der Stadt. Daraus geht hervor, dass jeder Einwohner 2019 etwa 196 Kilogramm Restmüll weggeworfen hat – 56 mehr als der bayerische Durchschnitt. Analysen haben zudem gezeigt, dass darin fast 40 Prozent organische Abfälle und mehr als 30 Prozent Wertstoffe wie Papier, Glas oder Kunststoff waren.

Beim Biomüll sammelt München unterdurchschnittlich viel – 2019 waren es etwa 29 Kilogramm pro Einwohner. In Nürnberg waren es hingegen circa 50, in Augsburg sogar 70 Kilo. Bei Leichtverpackungen war München 2019 mit etwa fünf Kilo pro Einwohner sogar deutschlandweit Sammel-Schlusslicht. Zum Vergleich: Nürnberg hatte in dem Jahr über 20, Augsburg über 30 Kilogramm pro Kopf.

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