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Zoff um Schranke an Neuaubinger Bahnübergang ‒ Hat die Deutsche Bahn schlampig gearbeitet oder bewusst getäuscht?  

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Von: Andreas Schwarzbauer

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An der Brunhamstraße ist eine Unterführung am Bahnübergang geplant.
BA-Chef Sebastian Kriesel will das Verfahren zum Bahnübergang an der Brunhamstraße neu aufrollen. © Andreas Schwarzbauer

Ein Gutachten widerspricht den Aussagen der Deutschen Bahn zu den langen Schließzeiten der Schranke am Bahnübergang Neuaubing. Die neue Begründung steht stark in der Kritik.

Die geplante Unterführung am Bahnübergang Neuaubing an der Brunhamstraße bleibt weiter umstritten. Ein Gutachten im Auftrag der Gemeinde Gräfelfing hatte Aussagen der Bahn über die künftigen Schließzeiten der Schranke angezweifelt. Die DB hält aber daran fest, dass der Bahnübergang in Zukunft 46 Minuten pro Stunde geschlossen sein wird. Allerdings änderte sich die Begründung dafür. Zudem soll die Änderung schneller kommen als gedacht.

Bisher hatte das Unternehmen darauf verwiesen, dass „Fahrplananpassungen nach Fertigstellung der Zweiten Stammstrecke“ die Schließzeiten erheblich erhöhen werden. Dies hatte das Gutachten des Verkehrsberatungsbüros Vieregg-Rössler scheinbar widerlegt.

Nun teilte auch die Bahn auf Anfrage der CSU-Stadtratsfraktion mit, dass die Inbetriebnahme der Zweiten Stammstrecke nicht der Grund dafür sei. Vielmehr werde die Technik des Bahnübergangs derzeit erneuert.

Die Schranke werde künftig automatisch durch den Zug mithilfe sogenannter Einschaltkontakte aktiviert. Diese sind in Pasing und Freiham vorgesehen. Bis die Züge von dort aus die Schranke passiert hätten, dauere es rund dreieinhalb Minuten, in denen der Bahnübergang geschlossen ist.

Mit Schrankenwärter sei die Durchfahrt bisher für den Autoverkehr dagegen nur eineinhalb bis zwei Minuten nicht möglich gewesen. Durch diese technische Neuerung erhöhe sich die Schließzeit auf die 46 Minuten pro Stunde. Dies wird laut Bahn bereits Ende 2022 und nicht erst mit Fertigstellung der Zweiten Stammstrecke 2028 geschehen.

 Zoff am Bahnübergang Neuaubing um lange Schließzeit der Schranke

Der Vorsitzende des örtlichen Bezirksausschusses, Sebastian Kriesel (CSU), ist irritiert über diese Antwort: „Warum werden nun wieder andere Tatsachen ins Spiel gebracht? Wurde hier von Beginn an schlampig gearbeitet oder bewusst getäuscht? Wir müssen dieses Verfahren komplett neu aufrollen.“

Sebastian Kriesel
Sebastian Kriesel, Vorsitzender im BA Neuaubing. © privat

Auch das Mobilitätsreferat kritisiert die Bahn für ihre „widersprüchliche Information“. Wie dies zustande kam, hat die Bahn auf Anfrage nicht beantwortet.

Eine eigene Untersuchung ohne Beteiligung der Bahn will die Stadt trotzdem nicht in Auftrag geben. Das Gräfelfinger Gutachten, das von nur 15 Minuten Schließzeit pro Stunde ausgeht, habe nicht verifiziert werden können.

Die Bahn soll nun eine vertiefte Untersuchung machen. Sollten sich die Schließzeiten von 46 Minuten bewahrheiten, sei das nicht tragbar. Dann könne der Verkehr nicht mehr vernünftig abgewickelt werden und eine Unterführung notwendig, so die Stadt. Das lehnen Anwohner und die Nachbargemeinde Gräfelfing allerdings ab.

„Das Mobilitätsreferat geht aber davon aus, dass der Umbau des Bahnübergangs mit einer Erhöhung der Schrankenschließzeiten ab Ende 2022 von der Bahn nicht umgesetzt wird“, so Sprecherin Christine Warta.

Weiter Nein zum Tunnel

Für die Gemeinde Gräfelfing, die mit der Beauftragung des zweiten Gutachtens die Diskussion um die Schrankenschließungszeiten angestoßen hatte, ändert die Erklärung der Bahn nichts.

„Unsere Stellungnahme bleibt die gleiche“, so Bürgermeister Peter Köstler (CSU). Eine Untertunnelung des Bahnübergangs lehnt die Gemeinde vehement ab. „Aber natürlich bin ich dankbar, dass unsere Bedenken zu einer größeren Diskussion geführt haben.“

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