Heimatlose Bus-Parade

Historische Busse ohne Heimat: Münchner Omnibus-Club muss MVG-Areal verlassen und sucht Alternative

Neben alten Bussen aus dem Münchner Stadtverkehr sammelt und erhält der Club auch Busse ehemals privater Unternehmen.
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Neben alten Bussen aus dem Münchner Stadtverkehr sammelt und erhält der Club auch Busse ehemals privater Unternehmen.

Der Omnibus-Club München sammelt alte Busse aus dem Stadtverkehr. Bisher standen die Busse auf den Flächen des MVG-Museums. Diese muss der Verein verlassen. Eine Alternative hat er in Allach gefunden.

München - Jeder, der in den vergangenen 50 Jahren in München mit dem Bus gefahren ist, dürfte mindestens eines der historischen Fahrzeuge kennen, die der Omnibus-Club München vor dem Schrottplatz bewahrt und teils für Sonderfahrten und andere Publikumsaktionen intakt gehalten hat.

„Bei uns kann man sich Erinnerungen zurückholen. Wir machen Münchner Busgeschichte erfahrbar“, sagt Matthias Rauch (26), Werkstattgruppenleiter im Club und von Beruf Kfz-Meister bei der MVG.

Mit der städtischen Verkehrsgesellschaft arbeitet der Verein auch eng zusammen, kann MVG-Flächen an der Ständlerstraße bisher gratis nutzen. Doch damit ist wegen des dort geplanten neuen Straßenbahnbetriebshofes bald Schluss. Deshalb sucht der Club nun eine neue Heimat auf dem Allacher Junkersgelände und hofft auf Hilfe vom örtlichen BA.

Matthias Rauch (26), Werkstattgruppenleiter im Omnibus-Club München auf dem Allacher Junkersgelände.

Insgesamt hat der 1985 gegründete Museumsverein 20 Old- und Youngtimerbusse aus den 60ern bis in die 2000er-Jahre angesammelt.

Der Schwerpunkt liegt auf Fahrzeugen aus dem Münchner Stadtverkehr, darunter der letzte „Stangerlbus“ (Oberleitungsbus). Acht Exemplare stehen aktuell auf dem Gelände des MVG-Museums.

„Aber nur drei können dort ausgestellt werden“, so Rauch. Für fünf fehle künftig selbst im Freien der Platz. Ganz zu schweigen von den zwölf Bussen, die bereits in verschiedenen Gemeinden teils weit außerhalb Münchens abgestellt sind.

Sorgen macht sich Rauch auch um das umfangreiche Ersatzteillager seines Clubs, das voraussichtlich Ende 2022 ausgelagert werden muss. „Das sind unwiederbringliche Teile, die es auf dem Markt nicht mehr gibt“, so der Kfz-Meister.

Alter Bus aus dem Münchner Stadtverkehr: Modell Baujahr 1993.

Ohne diesen Fundus sei der Betrieb der historischen Busse mittelfristig nicht mehr möglich. Zudem braucht das Foto- und Dokumentenarchiv des Vereins mit Unterlagen ab 1860 neue Räume. Zusammen wäre das ein Mix aus Restaurations-Werkstatt, Vereinstreff und Bus-Museum – „als Ergänzung zum MVG-Museum“, betont Rauch.

Mit diesem Konzept hat sich der Club um Flächen auf dem künftigen Gewerbegebiet an der neuen Thea-Knorr-Straße in Allach beworben.

Für Rauch wäre eine der denkmalgeschützten Hallen dort ebenso attraktiv wie eine Parzelle und ein Hallen-Neubau. „Wir würden den historischen Gegenpol zum modernen Gewerbestandort setzen“, schlägt der 26-Jährige vor.

Anderthalbdecker (1971)

Allerdings erfülle sein Verein nicht die Vergabe-Kriterien, mit denen mittelständische Unternehmen beim Referat für Arbeit und Wirtschaft Interesse am Junkersgelände anmelden konnten.

Der BA Allach-Untermenzing begrüßt aber die Pläne des Omnibus-Clubs und teilt das der Stadt in einem Empfehlungsschreiben mit.

Büssing-Reisebus (1966)

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