1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Hallo München

Neue Führung im Revier Ramersdorf-Perlach/Berg am Laim

Erstellt:

Von: Roman Wintz

Kommentare

Ein Porträt von Polizeioberrätin Elke Bauernschubert
Polizeioberrätin Elke Bauernschubert leitet seit Mitte Juli die Polizeiinspektion 24 am Adenauerring. © PI 24

Elke Bauernschubert ist die neue Leiterin der Polizeiinspektion 24. Engagiert und mit Herz geht sie die verschiedenen Herausforderungen in ihrer Wunschdienststelle an.

Schlagstock, Handschellen und Dienstwaffe trägt Elke Bauernschubert schon länger nicht mehr. Sie hat sich für die Laufbahn im Innendienst entschieden und leitet seit 15. Juli diesen Jahres als Polizeioberrätin das Team der Polizeiinspektion 24 (PI 24), zuständig für Ramersdorf-Perlach und Berg am Laim. „Beim Aufstieg in den höheren Dienst bleibt der Dienstwagen immer öfter in der Garage, die Aufgaben ändern sich und so bin ich nur noch ausnahmsweise draußen unterwegs“, sagt Bauernschubert.

Das Gebäude am Adenauerring fügt sich perfekt in die für Neuperlach typische Architektur und besticht durch viel Beton. An der Gegensprechanlage der Dienststelle erwarten die Beamten genaue Auskunft, um ungebetene Gäste fernzuhalten. Nach zwei überwundenen Sicherheitstüren legt sich das unnahbare Gefühl, das bei der Außenansicht entsteht. Polizisten, die emsig durch das Revier laufen, grüßen freundlich.

Im Büro der Chefin scheint alles etwas höher als gewohnt, aber dass sich das Arbeiten im Stehen positiv auf die Produktivität und Motivation auswirken kann, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Auch Bauernschubert nutzt diese Arbeitsweise, Gespräche allerdings finden im Nebenraum im Sitzen statt.

„Ich habe nach dem Abitur festgestellt, dass ich mich gerne mit dem analytisch-mathematischen Bereich beschäftige und einen ausgeprägten Sinn für Recht habe und gerne mit Menschen in Kontakt stehe, deshalb die Entscheidung für den Beruf als Polizistin. Teil des Konstruktes zu sein, um jemanden fair zu behandeln, darum geht es mir“, erzählt die Beamtin. Das Besondere an ihrem Beruf sei der Einblick in die verschiedenen Gesellschaftsschichten, aber auch die unterschiedlichen Grenzerfahrungen würden keine Langeweile aufkommen lassen, so Bauernschubert. „Zugleich ist es immer wieder ein wohltuender Moment, als Polizistin Ordnung und Struktur reinzubringen.“

Die Parole „Guter Polizist, böser Polizist“ kennen die meisten vermutlich als Filmklischee oder vielleicht noch als eine psychologische Taktik, die von Beamten für Verhöre genutzt wird, aber auch im Alltag auf Streife gibt es laut Elke Bauernschubert deutliche Unterschiede zwischen positiven und negativen Eigenschaften: „Ein guter Polizist schafft es immer wieder, sich im Spagat und zwischen den Leitplanken rechtens und verantwortungsbewusst zu bewegen. Also weniger auf die eine oder andere Seite zu gehen.“ Ein fähiger Gesetzeshüter nehme außerdem all seine Erfahrung mit und würde sie in eine Waagschale werfen, damit nachfolgende Generationen davon profitieren.

Die zwei Stadtteile mit ihren gut 160.000 Einwohnern stellen für Bauernschubert und ihr Team eine spannende Herausforderung dar. „Meine Mitarbeiter müssen vielseitig versiert sein, um den unterschiedlichen Anforderungen wie zum Beispiel Sprache oder soziale Schicht gerecht zu werden“, erläutert die Polizeioberrätin. Beim Blick auf die polizeiliche Kriminalstatistik aus dem Jahr 2020 kann die PI 24 deutliche Erfolge verzeichnen. Pro 100.000 Einwohner wurden in Bayern 4528 Straftaten begangen, in der Stadt München 5987 und im Bereich der Perlacher Inspektion 3962. Die Gesamtstraftaten haben sich in den vergangenen zehn Jahren für die PI 24 zwischen 4000 und 5000 eingependelt.

Das häufigste Vergehen in Bauernschuberts Einsatzgebiet sei Körperverletzung unter Jugendlichen, teilweise auch mit Messer und Machete. „In letzter Zeit sind auch Telefonbetrüger, die sich als falsche Polizisten ausgeben, ein großes Problem.“ Mit seinem Ruf muss vor allem Neuperlach nach wie vor kämpfen, aber anhand der Zahlen wird deutlich, dass sich etwas verändert. Und das spüren auch die Menschen.

Nach mehr als 20 Jahren Dienst in Unterfranken, zweijähriger Tätigkeit im Innenministerium in München, pendelt sich nun in der PI 24 schön langsam Bauernschuberts Arbeitsalltag ein. „Der Alltag generiert sich in erster Linie dadurch, mich um mein Team zu kümmern.“ Aufgabe sei es beispielsweise, sich zu erkundigen, was nachts passiert sei, ob es eventuell verletzte Kollegen gebe, ob es zu kritischen Einsätzen gekommen sei oder ob es Vorfälle gegeben hätte, die medial aufgegriffen werden könnten. „Nach so kurzer Zeit im Amt ist es auch noch ganz viel kennenlernen“, so die Chefin.

Der Fokus in der heutigen Zeit liegt immer mehr auf den Geschlechterrollen, gerade im Beruf. Diesbezüglich erklärt Elke Bauernschubert, dass es bereits 1998, zu Beginn ihrer Ausbildung, ein Verhältnis von 40 Prozent weiblich und 60 Prozent männlich gegeben hätte. „Ich kenne es gar nicht anders, als dass wir immer gleich miteinander im Streifenwagen gesessen haben, gleich die Ausbildung gemacht haben und die gleichen Prüfungen schreiben mussten.“ Auf auf dem Weg in den höheren Dienst habe Bauernschubert nie einen Unterschied zu ihren männlichen Kollegen bemerkt. „Ich kann keine Nachteile nennen, für mich war nie ein Unterschied spürbar, auch für unsere Arbeit werden wir gleich entlohnt. Unterm Strich gibt es aus meiner Sicht keine Ungleichbehandlung.“

Als Polizeioberrätin kann Bauernschubert nicht in noch höhere Sphären gleiten: „Die vierte Qualifizierungsebene ist die höchste bei der bayerischen Polizei. Ausbildungstechnisch bin ich mit meinem Master-Studium am oberen Ende angelangt. Es gibt allerdings noch Dienstgrade über mir, denn bis zum Präsidenten beispielsweise ist es auch nochmal ein langer Weg.“

In der Laufbahn einer Polizistin gibt es auch immer wieder Erlebnisse, die im Gedächtnis bleiben. „Ich hatte eine Einsatzlage, bei der Eltern nicht mehr im Stande waren, sich um ihre Kinder zu kümmern aufgrund von Drogenabhängigkeit. Ich musste daraufhin entscheiden, dass ich den Eltern die Zwillingskinder wegnehme.“ In solch einer Situation zwischen weinender Mutter und weinenden Kindern zu stehen, sei ein prägendes Ereignis, dass sie nicht so einfach vergessen könne. „Das war eine emotional schwierige Herausforderung.“

Aber auch der Polizeialltag an sich sei immer wieder eine große Herausforderung, weil die Beamten oft mit einem Informationsdefizit in sehr unklare Lagen reingehen müssten. „Das ist die Schlägerei, die gemeldet wird, das ist die häusliche Gewalt, und da geht mein Team mit einem rudimentären Informationsstand rein.“ Das mache den Polizeiberuf so fordernd, sich im Bruchteil von Sekunden Gedanken über zum Beispiel Strafrecht, Eigensicherung oder den Kollegen zu machen, erzählt Bauernschubert.

Abschließend sagt die Polizistin, dass sie auf ihrer Wunschdienststelle angekommen sei. „Für mich war immer klar, dass ich in meiner Laufbahn Inspektionsleiterin werden möchte – und das bin ich jetzt hier geworden. Ich brauche noch Zeit, um alles zu erfassen, aber ich finde die Stadtteile wahnsinnig spannend und habe mich ganz bewusst dafür entschieden.“ Zuvorkommend begleitet die Polizeioberätin ihre Gäste zur Tür und verabschiedet sich mit der Ghettofaust.

Roman Wintz

Weitere Nachrichten finden Sie auch in unserer Übersicht.

Besuchen Sie HALLO auch auf Facebook.

Auch interessant

Kommentare