Historisch bedeutendes Areal

NS-Zwangsarbeiterlager Neuaubing soll würdige Gedenkstätte werden

Roland Jung hofft, dass bald ein würdiger Gedenkort mit einer Ausstellung in Baracke 5 entsteht.
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Roland Jung hofft, dass bald ein würdiger Gedenkort mit einer Ausstellung in der frisch sanierten Baracke 5 entsteht.

Bezirksausschuss fordert raschen Beginn der Sanierung des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers in Neuaubing und kritisiert Unordnung. Warum die Zeit drängt ...

  • Bezirksausschuss fordert rasche Sanierung des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlager Neuaubing
  • Ärger über Müll und Unordnung
  • Viertelpolitiker hoffen auf Gedenkveranstaltung 2022, NS-Dokumentationszentrum bremst

Neuaubing - Am Eingang des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers in Neuaubing liegen leere Chips­tüten, Kaffeebecher und Plastik herum. Der Weg, der hineinführt, ist übersät mit unzähligen Pfützen.

Jahrelanges Warten auf Sanierung des NS-Zwangsarbeiterlagers Neuaubing

Für Roland Jung, der für die Freien Wähler im örtlichen Bezirksausschuss sitzt, ist das kein Zustand: „Hier wurden Menschen unter unwürdigen Verhältnissen eingesperrt und mussten Zwangsarbeit leisten. Jetzt vermüllen einzelne Flächen.“

Auf dem Areal des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers in Neuaubing liegt derzeit viel Müll herum.

Besonders ärgerlich ist für Jung, dass schon seit Jahren geplant ist, das Zwangsarbeiterlager an der Ehrenbürgstraße zu sanieren. Zudem hat der Bund fast 1,7 Millionen Euro an Fördergeldern zugesagt. „Der Münchner Stadtrat hat das Projekt beschlossen und es gibt Bundesmittel. Jetzt müsste man nur noch loslegen.“

Viertelpolitiker wünschen sich 2022 Gedenkfeier im NS-Zwangsarbeiterlager in Neuaubing

Die Zeit drängt für Jung, denn im Dezember 2022 ist es 80 Jahre her, dass die Nationalsozialisten das Zwangsarbeiterlager errichteten. „Wir können den Jahrestag nicht einfach so ins Land gehen lassen. Mir wäre es wichtig, hier in Neuaubing eine Gedenkveranstaltung zu machen. Dafür müssen wir aber erst einen Ort schaffen, der Würde ausstrahlt.“

Jung wünscht sich, dass bis dahin zumindest die Wege saniert, der Müll entfernt und eine Ausstellung über das Schicksal einiger Zwangsarbeiter organisiert wird. Das Areal in Neuaubing habe eine zeitgeschichtlich herausragende Bedeutung. Es sei neben einer Gedenkstätte in Berlin das einzige in Deutschland noch erhaltene Zwangsarbeiterlager, so Jung.

NS-Dokumentationszentrum bremst Erwartungen wegen Zwangsarbeiterlager Neuaubing

Das zuständige NS-Dokumentationszentrum München schließt aus, dass die Sanierung bis 2022 abgeschlossen ist. Zwar gebe es bereits ein Grobkonzept. Die derzeitigen Nutzer – eine Gruppe von Künstlern und Handwerkern, die Kinder- und Jugendfarm sowie ein Kindergarten – blieben langfristig erhalten und würden in die Planungen mit eingebunden. „Das NS-Dokumentationszentrum wird zusätzlich zwei Baracken sowie Teile des Außenbereichs als Ausstellungs- und Vermittlungsfläche nutzen“, so Sprecherin Kirstin Frieden.

Die Detailplanung soll im Zuge eines Wettbewerbs, der derzeit vorbereitet wird, konkretisiert werden. Der erste Schritt sei die Eröffnung einer Zweigstelle des Dokumentationszentrums, die für 2024 geplant sei.

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