1. tz
  2. München
  3. Stadt
  4. Hallo München

Einigung um Entschädigung nach Olympia-Attentat in München ‒ Bundesregierung und Opfer-Familien beenden Streit

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jonas Hönle

Kommentare

Erinnerungsort an das Olympia-Attentat 1972 in München
Erinnerungsort an das Olympia-Attentat 1972 in München. © Sven Hoppe/dpa

Der Streit um die Entschädigung nach dem Attentat auf die Mannschaft aus Israel bei den Olympischen Spiele 1972 in München steht vor dem Ende.

Update: 31. August, 15,17 Uhr

Einigung zwischen Opfer-Familien und Bundesregierung über Entschädigung für Olympia-Attentat in München 1972

Die deutsche Bundesregierung und die Opfer-Familien des Olympia-Attentats 1972 in München haben im Streit um eine Entschädigung eine Einigung erzielt.

Das teilte am Mittwoch der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum (FDP) der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Jurist hatte zusammen mit Kollegen einer Düsseldorfer Anwaltskanzlei die Hinterbliebenen in den Verhandlungen vertreten.

„Die Vereinbarung ermöglicht auch eine würdige Gedenkfeier am 5. September in Anwesenheit der Präsidenten Izchak Herzog und Frank-Walter Steinmeier und vor allem in Anwesenheit der Hinterbliebenen, die sich unter den neuen Umständen bereit erklärt haben, an der Feier teilzunehmen“, erklärte Baum weiter.

Die Vereinbarung enthalte nicht nur materielle und immaterielle Anerkennungsleistungen. „Ebenso wichtig ist den Angehörigen die Aufarbeitung des damaligen Geschehens - jetzt unter Offenlegung aller Quellen.“

Wie die dpa ergänzend aus Regierungskreisen erfuhr, war zuletzt eine Entschädigungssumme von 28 Millionen Euro im Gespräch gewesen. Davon sollte der Bund 22,5 Millionen, das Land Bayern 5 Millionen und die Stadt München 500 000 Euro tragen.

Zum Gesamtkonzept der Einigung gehöre laut Regierungssprecher Steffen Hebestreit auch die Aufarbeitung der Geschehnisse durch eine deutsch-israelische Historikerkommission.

Die Präsidenten Deutschlands und Israels, Frank-Walter Steinmeier und Izchak Herzog zeigten sich „froh und erleichtert“ über die Vereinbarung. „Die Einigung kann nicht alle Wunden heilen. Aber sie öffnet eine Tür aufeinander zu“, hieß es in einer gemeinsamen Erklärung. „Mit dieser Einigung bekennt der deutsche Staat seine Verantwortung und erkennt das furchtbare Leid der Ermordeten und ihrer Angehörigen an, dessen wir kommende Woche gedenken wollen.“

------------------------------------------

Entschädigung nach Olympia-Attentat in München ‒ Beenden 28 Millionen Euro den Streit mit den Opfer-Familien?

Erstmeldung: 31. August

Vor 50 Jahren kam es bei den Olympischen Spielen in München zu einem verheerenden Attentat auf die Mannschaft aus Israel. Im Streit um die Entschädigung zwischen der Bundesregierung und der Familien der Opfer steht nun offenbar eine Einigung an.

Im Raum steht ein deutsches Angebot, den Hinterbliebenen ungefähr 28 Millionen Euro zu zahlen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Dienstag aus Verhandlungskreisen erfuhr. Zuvor hatten die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Stern“ darüber berichtet. Laut „Stern“ sollen mehr als 20 Millionen Euro der Summe aus Bundesmitteln kommen und der Rest von Bayern und der Stadt München.

Zuvor hatte die Witwe des bei dem Olympia-Attentat getöteten israelischen Fechttrainers André Spitzer, Ankie Spitzer, die Hoffnung auf einen positiven Ausgang geäußert. Die Verhandlungen seien noch im Gange, sagte Spitzer der dpa. Im Fall einer Einigung sei eine Teilnahme der Hinterbliebenen an der Gedenkfeier in München am 5. September noch möglich.

Olympia-Attentat in München vor 50 Jahren - Steht der Streit um die Entschädigung vor dem Ende?

Am kommenden Montag - dem 50. Jahrestag des Attentats - soll den Ermordeten in München gedacht werden. Doch Opfer-Familien haben zum Boykott der Veranstaltung aufgerufen.

Sie halten den Umgang mit dem Attentat für ebenso unzureichend wie die bisher gezahlte Entschädigung. Stattdessen wollen sie an einem offiziellen Gedenken am 21. September in Israel teilnehmen - dem 50. Jahrestag des Attentats nach dem hebräischen Kalender.

Attentat bei den Olympischen Spielen 1972 in München auf die Mannschaft aus Israel

Am 5. September 1972 hatten palästinensische Terroristen bei den Olympischen Spielen in München die israelische Mannschaft überfallen. Elf Mitglieder des Teams und ein Polizist wurden getötet.

Die Sicherheitsvorkehrungen galten als mangelhaft, ein Befreiungsversuch der deutschen Einsatzkräfte endete katastrophal. Um eine angemessene Entschädigung für die Hinterbliebenen der Opfer des Attentats wird seit Jahrzehnten gerungen. Sie fordern auch eine Entschuldigung.

Streit um Entschädigung nach Olympia-Attentat 1972 in München

1972 und 2002 hatte Deutschland rund 4,6 Millionen Euro als humanitäre Geste für die Betroffenen gezahlt. Hinzu kamen rund eine halbe Million Euro des Nationalen Olympischen Komitees und Spenden des Deutschen Roten Kreuzes.

1994 forderten Opferfamilien vor Gericht 40 Millionen Mark (rund 20,45 Millionen Euro) Schadenersatz und begründeten dies mit massiven Fehlern während des Polizeieinsatzes. Die Klage scheiterte wegen Verjährung.

Spitzer betonte, entgegen Medienberichten hätten die Opfer-Familien ihre Forderung nicht reduziert. Sie hätten ein ganz klares Minimum genannt. „Wenn nicht, dann gibt es eben keine Einigung“, sagte Spitzer. Eine konkrete Summe wollte sie aber nicht nennen.

Der Präsident der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Volker Beck, kommentierte die möglicherweise bevorstehende Einigung: „Ich hoffe, dass das nun wirklich zusammenkommt und man das durch deutsches Knausern nicht am Ende noch verstolpert“, schrieb er auf Twitter.

Bayerns Antisemitismusbeauftragter Ludwig Spaenle fordert in einem Brief, dass die Opfer-Familien des Olympia-Attentats in München schnell entschädigt werden.

Mit dem Hallo München-Newsletter täglich zum Feierabend über die wichtigsten Geschichten aus der Isar-Metropole informiert.

Auch interessant

Kommentare