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Papier-Mangel trifft Münchner Verlage: Die aktuellen Auswirkungen der Knappheit – und wie gegengesteuert wird

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Von: Sabina Kläsener

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Papierqualität und Formate: Die Bücherverlage setzen auf Standardisierung.
Papierqualität und Formate: Die Bücherverlage setzen auf Standardisierung. © Jan Woitas/dpa

Werden Bücher durch die globale Papierknappheit bald Mangelware? Wie das Weihnachtsgeschäft betroffen ist und welche Rohstoffe ebenfalls knapp sind...

Keine Entspannung in Sicht: Sorgenvoll blicken die Münchner Buchverlage auf die Rohstofflage. Es mangelt an Papier. Der Verlag C.H. Beck sieht sogar das Weihnachtsgeschäft in Gefahr, da Kapazitäten für Nachdrucke wohl erst im neuen Jahr wieder zur Verfügung stehen könnten. Gar so düster sehen das andere Verlage nicht, jedoch hat die gesamte Branche zu kämpfen.

Die Lage sei wirklich schwierig, erklärt auch Christian Schniedermann, kaufmännischer Geschäftsführer des Piper Verlags. „Die Lieferzeiten für Papier und selbst für die Buchdeckelpappen sind sehr lang geworden.“ Man habe sich darauf eingestellt, jedoch könne es in Einzelfällen passieren, dass Titel für ein bis zwei Wochen nicht lieferbar seien.

Die globale Versorgungskette sei aus dem Tritt geraten, erklärt ein Sprecher der Penguin Random House Verlagsgruppe. „Betroffen ist der gesamte Markt von Materialien, aus denen ein Buch bestehen kann.“ Fristgerechte Lieferungen würden manchmal aber auch an fehlenden Europaletten oder Lkw-Fahrern scheitern. C.H. Beck berichtet von kommentarlos ausfallenden Lieferungen.

Papier-Knappheit trifft Münchner Verlage: Die Auswirkungen des Rohstoff-Mangels

Eine Strategie, mit der Knappheit umzugehen, sei die Standardisierung der Bücher. „Ohne, dass unsere Bücher dadurch alle gleich aussehen müssen“, versichert die Random House Gruppe. Es betreffe die Papierqualität und das Format, erklärt Jörg Alt, Herstellungsleiter des C.H.Beck Verlags.

Zudem sei Flexibilität gefragt: „Nachdrucke werden auf anderen Papieren ausgeführt, mit anderen Ausstattungen versehen.“ So könne es passieren, dass in Buchhandlungen etwas unterschiedlich aussehende Auflagen des selben Titels stünden – etwa auf dickerem oder dünnerem Papier, in abweichenden Farben gestaltet. Dafür hoffe man auf Verständnis beim Kunden.

Random House hat die Produktion fast ausschließlich nach Deutschland und benachbarte Länder verlagert. „Das reduziert globale Abhängigkeiten.“ Zudem sei dem Verlag auch ökonomische und ökologische Nachhaltigkeit wichtig.

Die schwierige Lage ist keine Abkehr vom Medium Buch: „Wir wollen weiterhin Bücher mit Seele herstellen“, erklärt Alt. Doch: „Eine spürbare Entspannung der Liefersituation ist wohl bestenfalls ab dem zweiten Halbjahr 2022 erwartbar.“

Diese Rohstoffe sind ebenfalls knapp

Die Lieferschwierigkeiten sowie die deutlich gestiegenen Preise bei Rohstoffen und Vorprodukten treffen Betriebe sämtlicher Branchen und Größenklassen.

Rund 3000 Unternehmen hat der Deutsche Industrie- und Handelskammertag dazu befragt: Knapp die Hälfte gab bereits im August an, von Engpässen und Preissteigerungen bei Stahl, ein Viertel bei Aluminium betroffen zu sein. Angespannt ist die Situation auch bei Kupfer.

Holz kann ein Viertel der Befragten nicht in ausreichender Menge oder wenn nur deutlich teurer beziehen. Zwei von fünf deutschen Unternehmen beschreiben die Marktlage bei Kunststoffen als schwierig. Die Gründe dafür sind zuvorderst bei der gestiegenen Nachfrage und zu geringen Produktionskapazitäten zu sehen.

Die Auswirkungen sind unter anderem höhere Einkaufspreise und längere Wartezeiten. 42 Prozent gaben an, bestehende Aufträge nicht abarbeiten zu können. 

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