Verkehrsplanung im Münchner Westen

Weiterer Widerstand gegen Schlösser-Tram, Sorge um U-Bahn für Freiham

Trambahnlinie 17 fährt durch Aubing und Obermenzing nach Freiham
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Wenn es nach SPD und Grünen geht könnte bald die Trambahnlinie 17 durch Obermenzing und Aubing fahren.

Bezirksausschuss Aubing spricht sich gegen Pläne von SPD und Grünen aus, Tramlinie 17 nach Freiham zu verlängern, und fordert innovativere Konzepte.

Update: 18. März 2021

Aubinger Bezirksausschuss ebenfalls gegen Verlängerung der Tram 17

Der Großteil des Aubinger Bezirksausschusses zeigte sich empört über den Beschluss des Stadtrats, eine Verlängerung der Tram 17 nach Freiham prüfen zu wollen. Freie Wähler/ÖDP hatten beantragt, dies kategorisch abzulehnen und den Stadtrat aufzufordern, „diese unsinnige und nicht realisierbare Planung“ einzustellen.

Karin Binsteiner (Grüne) unterstützte den Antrag vehement: „Es ist nicht zu fassen. Die Verwaltung hatte zehn Jahre Zeit, sich etwas zu überlegen. Es gibt so viele innovative Möglichkeiten, um die S-Bahnhöfe zu verknüpfen. Und jetzt kommen sie mit der Tram daher.“

Auch BA-Chef Sebastian Kriesel (CSU) zeigte sich verärgert. Der Bezirksausschuss sei bei diesem wichtigen Thema nicht angehört worden. „Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen. Wir lassen uns nicht alles überstülpen.“ Eine Verlängerung der Tram 17 lehne er entschieden ab. „Die Tram ist das falsche Verkehrsmittel, denn sie braucht zu viel Straßenraum.“ Zudem gefährde sie den Bau der U5 nach Freiham. „Die Kosten-Nutzen-Rechnung für die U-Bahn, die sowieso schon auf Kante genäht ist, geht doch nicht durch, wenn ein Verkehrsmittel kommt, das Fahrgäste wegzieht. Dann können wir die Fördergelder vergessen.“

SPD und Teile der Grünen wollen Verlängerung der Tram 17 prüfen lassen

Die SPD sah das etwas anders. Robert Brenner meinte: „Eine Straßenbahn ist natürlich etwas schwierig, aber man muss diese Dinge alle untersuchen. Wenn es zu problematisch, kann man es immer noch lassen.“ Sein Parteikollege Thomas Hampel meinte: „Es ist nicht beschlossen worden, diese Trambahn zu bauen, sondern zu untersuchen, ob es machbar ist.“

Unterstützung erhielten sie von Siegfried Liedl (Grüne). Eine Trambahn sei schneller zu verwirklichen und die Trasse in Richtung Nordosten sei keine Konkurrenz zur U5. „Es ist eine neue Richtung.“ Er glaubt auch, dass eine Straßenbahn auf der Bergsonstraße möglich ist. „In der Innenstadt fährt die Tram durch schmalste Straßen und enge Kurven. Das ist gar kein Problem.“

Mit dieser Meinung war Liedl allerdings in der Minderheit. Mit 15 zu 5 Stimmen stimmte der Bezirksausschuss Aubing für den Antrag von FW/ÖDP und lehnte die Verlängerung der Tram 17 nach Freiham ab. Die Stadt soll stattdessen ein innovativeres Konzept präsentieren.

Update: 3. März 2021

Bezirksausschuss spricht sich gegen Trambahn auf der Bergsonstraße aus

Die Mehrheit im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing lehnt eine Trambahn durch die Bergsonstraße ab. Die Stadtratsfraktionen von Grünen und SPD wollen untersuchen lassen, ob die Linie 12 über die Blutenburg und Aubing nach Freiham verlängert kann. Die Viertelpolitiker sehen dies kritisch.

Eine unabhängige Trambahn-Trasse sei auf der Bergsonstraße nicht möglich. Deshalb sei die Straßenbahn „für eine leistungsfähige Anbindung des neuen Stadtteils Freiham ungeeignet“. Der Bezirksausschuss fordert stattdessen, dass die Stadt unverzüglich die Voraussetzungen schafft, die U5 nach Freiham zu verlängern. Dies müsse absolute Priorität haben. Zudem hat der BA einer Machbarkeitsstudie zugestimmt, ob eine Trambahn durch die Verdistraße sinnvoll ist oder nicht - sofern diese auf die vorgesehene U-Bahn-Anbindung mit P&R-Parkplatz an der Blutenburg folgt.

SPD reicht Verlängerung der U5 nach Freiham nicht aus

Der SPD reicht dies nicht. Sie will an einer Verlängerung der Straßenbahn 17 nach Freiham festhalten und alternative Routen beispielsweise in Richtung Mühlangerstraße prüfen lassen. „Ein ganz wichtiger weiterer Punkt ist, dass wir den Ausbau des Nahverkehrs nicht schaffen, wenn wir nicht mehr Zuschüsse von Bund und Land bekommen. Wir brauchen eine klare Zusage, womit wir in der Zukunft rechnen können“, sagt Fraktionssprecherin Constanze Söllner-Schaar.

Zudem will die SPD die Planungen einer Verlängerung der Trambahnlinie 19 nach Freiham wieder aufnehmen und das S-Bahnnetz ausbauen. „Konkret fordern wir den Ausbau der Bahnstrecke nach Buchenau, einen Ausbau der Pasinger Spange, den S-Bahn-Halt Berduxstraße und einen Zehn-Minuten-Takt auf allen Außenästen.“

Kritik der Aubinger Grünen an Trambahn-Plänen

Kritik an den Plänen der Tram-17-Verlängerung kommt auch von den Aubinger Grünen. Fraktionssprecherin Dagmar Mosch sagt: „Wir stehen der Untersuchung über eine Trambahn mit Führung durch die Bergsonstraße und den Aubinger Ortskern eher skeptisch gegenüber.“

München-West - Wichtige Ergänzung des Nahverkehrsnetzes oder Auslöser eines massiven Verkehrschaos‘ – über eine Trambahn nach Freiham ist ein Streit entbrannt. SPD/Volt und Grüne/Rosa Liste wollen der Verlängerung der Linie 17 die höchste Priorität einräumen. Eine Verlängerung von der Endhaltestelle Amalienburgstraße zum Obermenzinger Kreisel - die sogenannte Schlösser-Tram - ist schon länger im Gespräch. Doch nun soll sie das neue Viertel Freiham über Aubing und Obermenzing an die Innenstadt anbinden. Dagegen regt sich nun Widerstand.

Schlösser-Tram statt U5-Verlängerung nach Freiham

Die CSU befürchtet, dass das Projekt den Ausbau der U5 nach Freiham gefährdet. „Eine Tram neben beziehungsweise vor der U-Bahn ist niemals finanzierbar“, sagt der CSU-Landtagsabgeordnete für den Münchner Westen, Josef Schmid. Das erhöhte Verkehrsaufkommen durch die mehr als 25.000 zuziehenden Menschen könne aber nicht über eine Tram abgeleitet werden.

Zudem warnt die CSU, dass für die Straßenbahn-Schienen, die auf der Bergsonstraße und der Verdistraße verlaufen sollen, jeweils zwei Fahrspuren wegfallen müssten. „Das führt zu einem Verkehrschaos auf unseren eh schon überlasteten Straßen“, kritisiert der Vorsitzende des Aubinger Bezirksausschusses, Sebastian Kriesel.

Die CSU bezweifelt, dass auf der Bergsonstraße genügend Platz für Trambahnschienen ist.

U3 nach Pasing als Alternative

Das befürchtet auch die Bürgervereinigung Obermenzing: „Mit großem Entsetzen haben wir von diesem Ansinnen erfahren“, schreibt der Vorsitzende und CSU-Politiker Frieder Vogelsgesang in einer Pressemitteilung. Er spricht sich stattdessen dafür aus, die U3 von Moosach über Untermenzing und die Blutenburg nach Pasing weiterzuführen. Zusätzlich soll am Ende der A8 ein Park&Ride-Parkplatz für Pendler entstehen. „Erst wenn hierdurch der Verkehr auf der Verdistraße erkennbar reduziert werden konnte, kann man über eine Trambahn durch die Verdistraße nachdenken“, meint die Bürgervereinigung.

Kritik kommt auch von der Bürgervereinigung Aubing. Die Trambahn müsste in Aubing die Bahntrasse der S4 durch die neu geplante Unterführung am Germeringer Weg queren. Die Bürgervereinigung geht davon aus, die Unterführung dann 4,50 statt der versprochenen 3,80 Meter hoch sein müsste, damit die Tram hindurch kommt. „Damit könnte der Schwerlastverkehr - wenn der Aubinger Tunnel wieder mal dicht ist - von der A99 über die Aubinger Allee durch Aubing in Richtung Kreuz Lochhausen abgeleitet werden.“

Diese überdimensionierte Unterführung sei jedoch völlig unnötig, denn die Tram werde niemals kommen. Sie sei nicht wirtschaftlich. „Die Autobahnmeisterei und der Obermenzinger Friedhof sowie die Einfamilienhausgebiete entlang der Trasse bringen einfach nicht genug Bedarf.“ Deshalb fordert die Bürgervereinigung stattdessen, den Takt der Buslinie 143 zu erhöhen.

SPD und Grüne halten Tram für sinnvolle Ergänzung zur U5

Christian Müller, SPD-Fraktionsvorsitzender im Stadtrat, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. „Im 22. Stadtbezirk böte eine solche Trambahn, die idealerweise von Lochhausen bis Freiham führen sollte, eine gute Ergänzung. Sämtliche S-Bahnhöfe und die U-Bahn könnten so miteinander verknüpft werden.“ Selbstverständlich müsste auch die U-Bahn schnellstmöglich nach Freiham gebaut werden. „Allerdings bewegt sie sich in Ost-West-Richtung und bedarf daher einer Nord-Süd-Verknüpfung.“ Auch Anna Hanusch, Fraktionsvorsitzende der Grünen, spricht von einer sinnvollen Ergänzung, „die einen bisher zu schwach versorgten Bereich der Stadt deutlich besser anbinden würde“.

Beide verweisen darauf, dass der genaue Trassenverlauf noch untersucht werden müsse. „Eine Entscheidung, ob und bis wohin eine Tram 17 im weiteren Verlauf sinnvoll geführt wird, kann erst danach entschieden werden“, meint Hanusch. „In dieser frühen Planungsphase Projekte gegeneinander auszuspielen, nur weil sie möglicherweise die gleiche Endhaltestelle haben, ist absurd.“

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