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Unwirtschaftliches Projekt

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Eine Seilbahn im Münchner, das gab‘s schon mal. 2005 konnten Besucher im „People Mover“ über das Gelände der Bundesgartenschau schweben.
Eine Seilbahn im Münchner, das gab‘s schon mal. 2005 konnten Besucher im „People Mover“ über das Gelände der Bundesgartenschau schweben. © HLV

Keine Seilbahn, keine U-Bahn, keine Tram, höchstens eine Expressbus-Linie. Das ist das ernüchternde Ergebnis einer Studie, die jetzt im Kreistag vorgestellt worden ist.

2017 schien es als ob die Erweiterung des Verkehrs in die dritte Dimension viele Probleme läsen könnte. Damals kam nach einem Impulsvortrag von Professor Harry Wagner von der Technischen Hochschule Ingolstadt im Ausschuss für Mobilität und Infrastruktur fast so etwas wie Euphorie im Kreistag auf. Seilbahnen in urbanen Regionen sollten helfen, Verkehrsprobleme zu lösen.

„Mit der Gondel über die Isar gleiten – was heute noch für viele nach einer fixen Zukunftsvision klingt, ist eine ernsthafte Überlegung wert“, heiß es damals. Und es schien gute Argumente zu geben. So fallen pro Kilometer Seilbahn lediglich acht Millionen Euro Investitionskosten an, während ein Kilometer Autobahn mit bis zu 150 Millionen Euro zu Buche schlägt. Zudem sei die Seilbahn eines der sichersten und leisesten Verkehrsmittel, die es gibt, so Professor Wagner damals in seinem Vortrag.

Landrat Christoph Göbel teilte diese Ansicht. Eine Seilbahn als Ergänzung zum bestehenden ÖPNV-Netz könnte vor allem dazu dienen, die fehlenden Querverbindungen der radial hin zur Landeshauptstadt ausgerichteten Verkehrsstränge zu erschließen. „Wir sind in beständigen Überlegungen, wie wir die tangentialen Verbindungen verbessern können“, so Göbel damals.

Auch die Kreisräte zeigten sich 2017 durch alle Fraktionen hinweg aufgeschlossen dem möglichen neuen Verkehrsmittel gegenüber. So wurde unter anderem die Idee geäußert, die Gondeln streckenweise auch unterirdisch fahren zu lassen, falls ein vorhandenes Wohngebiet auf der Strecke das Überfliegen unmöglich mache. Ein anderer Kreisrat attestierte einer Gondelbahn das ideale Image für die Region München.

Konsequenterweise gab der Kreistag daraufhin eine Studie in Auftrag, die Seilbahn, U-Bahn- Tram und Expressbusse untersuchen sollte. Das ernüchternde Ergebnis liegt jetzt vor. Denn eine Seilbahn im Landkreis München konkret von der Messestadt Ost nach Heimstetten, wäre unwirtschaftlich. Deshalb hat sie kaum Aussichten, jemals gebaut zu werden.

66 Millionen Euro würde die rund fünf Kilometer lange Strecke laut Gutachten kosten. Eine „schnelle Verbindung“ würde dabei nicht entstehen. Nur 20 Stundenkilometer würde die Seilbahn fahren. Weitere Probleme sieht das Gutachten bei der städtebaulichen Integration und der Überfahrt von Grundstücken.

Bei der U-Bahn sieht es ähnlich aus. Eine Verlängerung von der Messestadt Ost bis nach Heimstetten werden alleine mit 536,9 Millionen Euro Baukosten veranschlagt.Und auch eine Trambahn kommt laut den Untersuchungen nicht in Frage. Das aktuelle Gutachten sieht nur eine Lösung: Eine Schnellbus-Verbindung mit Beschleunigungsspur und Vorfahrt an Verkehrsknoten. Diese Alternative wäre am wirtschaftlichsten. Und auch kurzfristig machbar, wie Landrat Christoph Göbel anmerkte.

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