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Trauer um Tod von Benedikt XVI. in München ‒ aber auch viel Kritik am verstorbenen Papst

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Von: Jonas Hönle

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Emeritierter Papst Benedikt XVI. gestorben
Trauer um Tod von emeritierter Papst Benedikt XVI. © Eva Manhart/dpa

Zum Tod von Papst Benedikt XVI. feiert Kardinal Marx in der Frauenkirche in München ein Requiem. Es kommt aber auch Kritik an dem verstorbenen Ratzinger.

München ‒ Das Erzbistum München und Freising trauert um den emeritierten Papst und ehemaligen Münchner Erzbischof Benedikt XVI., der am 31. Dezember 2022 im Alter von 95 Jahren in Rom gestorben ist.

Für den verstorbenen Joseph Ratzinger feiert Erzbischof Kardinal Reinhard Marx, am Dienstag, 3. Januar 2023, um 18 Uhr in der Münchner Frauenkirche ein Requiem. Dieses wird auch unter www.erzbistum-muenchen.de/stream live übertragen.

Der aus dem oberbayerischen Marktl stammende Ratzinger hatte das Erzbistum von Mai 1977 bis Februar 1982 geleitet. Als Papst hatte er acht Jahre lang das höchste Amt in der katholischen Kirche inne.

Trauer um Tod von Benedikt XVI. in München - Requiem in der Frauenkirche

Ratzinger wurde am 16. April 1927 in Marktl im oberbayerischen Landkreis Altötting, Diözese Passau, geboren und studierte Philosophie und Theologie in Freising und München. Am 29. Juni 1951 wurde er in Freising zum Priester geweiht.

Er wirkte als Aushilfspriester in der Pfarrei St. Martin in München-Moosach und als Kaplan in der Pfarrei Heilig Blut im Münchner Stadtteil Bogenhausen.

Mit großer Anteilnahme haben die bayerischen Bischöfe und Politiker auf die Nachricht vom Tod des emeritierten Papstes Benedikt XVI. reagiert. Sie würdigten das theologische Wirken des 95-Jährigen Bayerns, der am Silvestermorgen im Vatikan gestorben war. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) würdigte die Heimatliebe des früheren Pontifex‘ und ordnete eine dreitägige Trauerbeflaggung an.

Kardinal Reinhard Marx, der Erzbischof von München und Freising, sagte: „Benedikt XVI. war ein großer Papst, der sein Hirtenamt stets mit Freimut und starkem Glauben ausübte.“

Als Theologe habe er die Kirche lange und nachhaltig geprägt. Er bescheinigte Joseph Ratzinger Intellektualität und eine tiefe, ehrliche Frömmigkeit und sagte: „Dabei blieb er stets bescheiden und hat immer das Amt, nicht die Person in den Vordergrund gestellt.“

Kritik an Ex-Papst - Ratzinger habe „Schuld auf sich geladen“

Den Umgang des als streng konservativ geltenden Ex-Papstes, der von 2005 bis 2013 Oberhaupt der Katholiken war, mit eigenen Fehlern sieht die Opferinitiative „Eckiger Tisch“ dagegen völlig anders.

Ratzinger, der diese Vorwürfe zu Lebzeiten bestritten hatte, habe als Erzbischof von München und Freising „Schuld auf sich geladen“ als er „einen notorischen Missbrauchspriester wieder in den Pfarrdienst“ gebracht habe, „wo dieser Serientäter in der Folge jahrzehntelang weitere Kinder missbrauchte“, sagte der Sprecher der Initiative, Matthias Katsch.

Er bezog sich auf den Wiederholungstäter Priester H., der im Mittelpunkt des Aufsehen erregenden Münchner Missbrauchsgutachtens stand, das auch Kritik an Ratzingers Rolle in dem Fall übte.

„Er trägt die Verantwortung dafür, dass Meldungen über sexualisierte Gewalt aus aller Welt im Vatikan abgelegt und zugleich vor der weltlichen Justiz versteckt wurden“, sagte Katsch über Ratzingers Zeit als Präfekt der Glaubenskongregation in Rom. „Uneinsichtig bis zum Schluss erkannte er nicht die ungesunde vormoderne Sexualmoral seiner Kirche als Wurzel des Übels des Kindesmissbrauchs durch Priester, sondern schob die Verantwortung stattdessen der Gesellschaft zu.“

Von einem schweren Erbe, das Benedikt der Kirche hinterlassen habe, sprach die Reform-Initiative „Wir sind Kirche“ - und auch von einer persönlichen Schuld Ratzingers: „Zu einem persönlichen Schuldeingeständnis war er nicht bereit. Damit hat er dem Bischofs- und Papstamt großen Schaden zugefügt.“

Ratzingers Rolle im Fall Priester H.

Die Rolle, die Ratzinger im Fall Priester H. spielte, sollte im kommenden Jahr eigentlich das Landgericht Traunstein beschäftigen. Dort hat ein Betroffener Klage eingereicht gegen den mutmaßlichen Täter H., das Erzbistum München und Freising und die früheren Bischöfe Kardinal Friedrich Wetter und eben Ratzinger. In der Klage geht es darum, festzustellen, inwiefern Bistumsverantwortliche Schuld auf sich geladen haben.

Die Garchinger Initiative Sauerteig, die den Kläger unterstützt, bedauert es, dass die Rolle Benedikts nun wohl nicht mehr juristisch aufgearbeitet wird. „Mit der Klärung seiner Verantwortung vor einem weltlichen Gericht hätte er für die Zukunft der katholischen Kirche einen bedeutenden Schritt machen können“, teilte die Initiative am Samstag mit. „Dass Papst em. Benedikt seiner Kirche diesen Dienst nun nicht mehr erweisen kann, gehört wohl zur Tragik seines Lebens.“

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