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Stadtrat stimmt für U9 in München ‒ trotz enormer Kosten und deutlicher Appelle

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Von: Kristina Beck

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Ein U-Bahnzug fährt aus U-Bahnhof in München raus.
Der Stadtrat München hat entschieden: Die U9 ist nicht mehr nur Zukunftsmusik. (Symbolbild) © Lennart Preiss/dpa

Trotz Bauchgrummeln von OB Reiter: Stadtrat hält an Option der U9 fest und bewilligt 662,6 Millionen Euro für den Rohbau am Hauptbahnhof München.

Update: 30. November, 13.12 Uhr

Der Münchner Stadtrat hat sich nach Mitteilung der Deutschen Presse-Agentur (dpa) trotz einer drastischen Warnung der Stadtkämmerei für das Offenhalten der Option auf eine neue U-Bahn ausgesprochen.

„Ich weiß, dass viele Bauchgrummeln haben, meine Begeisterung ist auch überschaubar ‒ aber ich weiß, dass es eine Zukunftsentscheidung ist“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Mittwoch in der Vollversammlung mit Blick auf die noch ungeklärte Finanzierung.

Entscheidung zu U9 ‒ Stadtrat genehmigt 660 Millionen Euro für Rohbau am Hauptbahnhof

Hintergrund ist, dass die mögliche neue U9 erst in ferner Zukunft Realität werden könnte ‒ aber heute schon im Zuge der Bauarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke ein U-Bahnhof unter dem Münchner Hauptbahnhof in Grundzügen mitgebaut werden müsste.

Ohne dieses „Vorhaltebauwerk“ ist ein nachträglich gebauter Halt am Hauptbahnhof nicht mehr vertretbar ‒ und ohne Stopp am Hauptbahnhof ergebe die als Entlastung der bestehenden Nord-Süd-Linien gedachte U9 keinen Sinn, zitierte Reiter die Fachleute.

Eine breite Mehrheit der Abgeordneten stimmte deshalb für das Vorhaben und bewilligte weitere Mittel für das Vorhaltebauwerk. In Summe fließen somit mindestens 662,6 Millionen Euro in den Rohbau und in entsprechende Planungsarbeiten ‒ Geld, das verloren wäre, würde die U9 später nicht gebaut.

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Braucht München eine neue U-Bahn ‒ und wenn ja, wie teuer? Die Abgeordneten stimmen heute über die Zukunft der U9 ab. SPD, Grüne und CSU befürworten das Projekt.

Erstmeldung: 30. November, 10.17 Uhr

München ‒ Neben der zweiten S-Bahn-Stammstrecke beschäftigt ein weiteres Verkehrsthema den Stadtrat und die Stadtkämmerei: Das U-Bahn-Netz soll mit der U9 um eine neue U-Bahn-Trasse erweitert werden. Heute steht im Stadtrat die Entscheidung zur weiteren Zukunft der U9 an ‒ mit einer deutlichen Warnung der Stadtkämmerei im Nacken.

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„Soll München sich die Option auf eine neue U-Bahn-Trasse offenhalten ‒ dafür aber das Risiko eingehen, sich am Ende um viele Milliarden Euro zu verschulden? Oder soll das Projekt ,U9-Entlastungsspange’, das das U-Bahn-Netz der Landeshauptstadt zukunftsfähig machen soll, eingestellt und damit mehrere Hundert Millionen Euro versenkt werden?“, fragt die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am heutigen Mittwochmorgen.

U9 in München: Stadtrat entscheidet über neue U-Bahn zwischen Sendling und Schwabing

Es geht um eine Trasse, die die in Spitzenzeiten schon jetzt teils überfüllten U-Bahn-Strecken in Nord-Süd-Richtung sowie die Innenstadtbahnhöfe entlasten soll.

Auf 10,5 Kilometern soll die U9 Sendling und Schwabing verbinden ‒ mit sechs Stationen zwischen Implerstraße und Münchner Freiheit, heißt es auf der Homepage der MVG.

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Das Komplizierte daran: Obwohl laut dpa noch gar nicht feststeht, aus welchen Töpfen Geld dafür herkommen könnte und wie viel die Stadt selbst tragen müsste, müssen einige Arbeiten schon jetzt im Zuge der Bauarbeiten für die zweite S-Bahn-Stammstrecke vorgenommen werden ‒ vor allem der im Zweifel später nötige neue U-Bahnhof unter dem Münchner Hauptbahnhof.

U9 in München: Grüne, SPD und CSU für Rohbau ‒ Stadtkämmerei dagegen

Um die Bewilligung weiterer Gelder für diesen Rohbau, das sogenannte Vorhaltebauwerk, geht es nun in der Vollversammlung. Die Stadtratsfraktionen der Grünen sowie von SPD und CSU haben bereits angekündigt, dafür stimmen zu wollen ‒ womit eine Mehrheit zustande käme. Würde die U9 dann später doch nicht gebaut, wären allerdings mindestens 563 Millionen Euro verloren.

Die Stadtkämmerei warnt derweil klipp und klar: „Wir empfehlen aus der Vorhaltemaßnahme (...) auszusteigen.“ Die Begründung: Selbst wenn unerwartet viele Fördergelder flössen, sei die von der Kommune noch aufzunehmende Summe zu viel für den klammen Stadtsäckel.

Stadtkämmerei: Bau könnte bis zu sechs Milliarden teurer werden

Die derzeit auf rund vier Milliarden Euro geschätzten Baukosten dürften bis zur geplanten Fertigstellung Ende der 2030er Jahre auf 9 bis 10 Milliarden Euro steigen, rechnet die Kämmerei vor. Davon müsste München selbst im günstigsten Szenario 6,2 bis 6,7 Milliarden Euro selbst tragen.

Hinzu komme, dass die Stadt noch weitere große Projekte zur Verbesserung des öffentlichen Nahverkehrs plane. Gemeinsam schlügen sie bis zum Jahr 2040 mit geschätzt rund 30 bis 32 Milliarden Euro zu Buche.

Davon müsste die Landeshauptstadt selbst bei einer als unrealistisch eingeschätzten, sehr guten Förderquote von Bund und Land etwa 13 bis 14 Milliarden Euro tragen, betont die Stadtkämmerei. „Diese Summe ist angesichts der schon jetzt stark ansteigenden Verschuldung der Landeshauptstadt München nicht finanzierbar.“

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